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Medizin

24. Juni 2019 Opioid-induzierte Opstipation: Einsatz von PAMORA erhält Lebensqualität

Hochwirksame Opioide können starke Schmerzen effektiv lindern, allerdings sollten Nebenwirkungen auf den Gastrointestinaltrakt nicht unterschätzt werden: Jeder zweite Schmerzpatient leidet unter einer Opioid-induzierten Obstipation (OIC). „In der Praxis wird die OIC häufig als Befindlichkeitsstörung abgetan und nicht angemessen behandelt“, berichtet Prof. Dr. Sven Gottschling, Homburg/Saar, auf dem 16. Weltkongress der EAPC in Berlin (1). Tatsächlich sind die Auswirkungen einer OIC auf die Lebensqualität häufig schwerwiegend. Dennoch führen konventionelle Laxanzien vielfach nicht zum Erfolg. Orientierung bieten erstmals ein EU Consensus-Papier sowie die neue PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), die einen früheren Einsatz von PAMORA empfehlen.
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Opioide haben ihren festen Platz im Therapieregime von chronischen Schmerzen nicht maligner Genese (2). Eine der häufigsten Nebenwirkungen bei einer Schmerztherapie mit Opioiden sind allerdings Störungen im Gastrointestinaltrakt, wobei die Opioid-induzierte Obstipation (OIC) am weitesten verbreitet ist. Etwa die Hälfte aller Schmerzpatienten ist davon betroffen (3). „Es handelt sich hierbei um eine besondere Form der Verstopfung, die durch die Aktivierung von peripheren µ-Opioidrezeptoren im Darm verursacht wird. Dabei ist die OIC völlig unabhängig von der Dosierung und Darreichung des Opioids“, führt Gottschling beim Symposium (1) von Kyowa Kirin International plc auf dem EAPC 2019 in Berlin aus. Der Experte hält fest: „Die OIC ist eine maßgebliche Erkrankung mit einem vielseitigen Symptomkomplex und keine Befindlichkeitsstörung.“ Denn eine EQ-5D-Messung ergab, dass die Lebensqualität bei einer OIC ähnlich gravierend beeinträchtigt wird wie bei einem mittelschweren Schlaganfall oder einem Prostatakarzinom im fortgeschrittenen Stadium (3).

Hoher Leidensdruck gefährdet effektive Schmerztherapie

Im Vergleich zu den meisten anderen Beschwerden einer Opioid-Therapie klingt die OIC im Verlauf der Therapie nicht wieder ab, sondern bleibt über den gesamten Therapieverlauf bestehen (4,5). „Die Gefahr liegt darin, dass viele Patienten sich selbst mit gängigen, meist aber wirkungslosen Abführmitteln behandeln“, warnt Gottschling. Mehr noch: Etwa jeder fünfte Schmerzpatient gibt dem hohen Leidensdruck nach und setzt seine Schmerzmedikation eigenständig ab. Eine effektive Therapie ist so kaum möglich (6,7). Zentral sei es daher, bei Patienten unter Opioiden an diese Problematik zu denken und die Betroffenen aktiv nach Symptomen einer Obstipation zu fragen, betonte der Experte. An diesem Punkt setzen auch die neue PraxisLeitlinie der DGS (8) sowie der EU Consensus-Artikel (9) an: Voraussetzung für eine zielführende Behandlung der OIC ist eine differenzierte Diagnostik. „In der Praxis kann der Bowel Function Index hilfreich bei der Erfassung der Beschwerden sein“, ergänzt Gottschling.

DGS-PraxisLeitlinie: Frühzeitig PAMORA einsetzen

Für den Einsatz konventioneller Laxanzien bei OIC gebe es gemäß der neuen DGS-PraxisLeitlinie (PLL) allerdings nahezu keine Evidenz. Vielmehr räumt die PLL der modernen Wirkstoffgruppe der PAMORA einen höheren Stellenwert bei der OIC-Behandlung ein (8). PAMORA, wie etwa Naloxegol  (Moventig®), greifen kausal in die OIC-Pathophysiologie ein. Naloxegol ist indiziert zur Behandlung von durch schmerzstillende Mittel hervorgerufener Obstipation bei Erwachsenen. Es wird bei Patienten angewendet, die auf eine oder mehrere Behandlung(en) mit Laxanzien nicht angesprochen haben (10). Die neue DGS-PraxisLeitlinie rät dazu, bei einer nicht zufriedenstellenden Behandlung mit konventionellen Laxanzien bereits nach ein bis 2 Wochen auf einen µ-Opioidrezeptor Antagonist wie Naloxegol umzustellen (8). Gottschling führt aus: „Ein Vorteil von Naloxegol ist, dass es mit jedem Opioid frei kombinierbar ist.“ Denn die Gabe von Naloxegol beeinträchtigt die gewünschte analgetische Wirkung der Opioide nicht. Naloxegol wird einmal täglich oral verabreicht (10). „Bei meinen OIC-Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Laxanzien führte die Gabe von Naloxegol bereits nach einem Tag zu einer ersten spontanen Stuhlentleerung – ein nachhaltiger Gewinn an Lebensqualität“, fasste Gottschling zusammen.

Quelle: Kyowa Kirin

Literatur:

(1) Industriesymposium “Breakthrough Cancer Pain and Opioid-induced Constipation: a Focus on Patient-centred Treatment Approaches”, Veranstalter Kyowa Kirin International, Berlin, 24.05.2019.
(2) Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. S3-Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen – „LONTS“, Stand: 29.09.2014, gültig bis 01.10.2019.
(3) Storr et al. Thieme Praxis Report 2017; 9 (11): 1-12.
(4) Lawson R et al. Adv Ther 2016; 33: 1331-1346.
(5) Wirz S. Z Gastroenterol 2017; 55: 394-400.
(6) Camilleri M et al. Neurogastroenterol Motil 2014; 26: 1386-1395.
(7) Häuser W et al. Dtsch Ärztebl Int 2014; 111: 732-740.
(8) Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. DGS-PraxisLeitlinie „Opioidinduzierte Obstipation V2.0“, Stand 2018; URL: https://www.dgs-praxisleitlinien.de/index.php/leitlinien/oic (letzter Zugriff: 21.05.2019).
(9) Farmer AD et al. UEG Journal 2019; 7: 7-20.
(10) Fachinformation Moventig®, September 2018.


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