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Medizin
09. November 2018

Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen: BMBF startet Projekt zur Ursachenforschung

Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen ist in Deutschland ein sehr häufig auftretendes Phänomen. Etwa jeder dritte Jugendliche hat sich zumindest einmalig selbst verletzt und etwa einer von 25 Heranwachsenden tut dies häufig. In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt sollen nun innovative Ansätze gebündelt werden, um neue Erkenntnisse zu den Auslösern, aber auch zu den Gründen der Beendigung von selbstverletzendem Verhalten zu erlangen.
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Neben den Gründen für den Beginn und die Beendigung des selbstverletzenden Verhaltens wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine neuartige Online-Therapie beforschen. Die Leitung des Gesamtprojekts STAR (Self-Injury, Treatment, Assessment, Recovery) hat Professor Paul Plener, Ulm/Wien. 

STAR-Projekt bringt Forschung und Therapie zusammen 

Bei selbstverletzendem Verhalten geht es den Jugendlichen meist nicht darum, ihr Leben zu beenden oder Aufmerksamkeit auf die eigene Person zu lenken. Vielmehr versuchen Betroffene, einem negativen emotionalen Zustand zu entgehen. 
In den vergangenen Jahren haben Forschende gezeigt, welche Konsequenzen selbstverletzendes Verhalten auch auf neurobiologischer Ebene haben kann. Außerdem sind effektive therapeutische Ansätze weiterentwickelt worden, die allerdings noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Im Projekt STAR sollen nun bisherige Erkenntnisse und Ansätze gebündelt werden: „Selbstverletzendes Verhalten betrifft viele Jugendliche in Deutschland. Mit dem STAR-Projekt schaffen wir erstmals einen Mehr-Ebenen-Zugang, der Grundlagenforschung mit therapeutischen Angeboten und Schulungsmaßnahmen vereint“, sagt Projektleiter Professor Paul Plener, der an der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie forscht.

Dokumentation des SVV via Smartphone 

Wer beginnt sich selbst zu verletzen und wer beendet dieses Verhalten? Mittels Befragungen und weiterer Testverfahren sollen im Zuge des Projekts STAR psychologische Einflussfaktoren zur Selbstverletzung erhoben werden. Zudem werden betroffene Jugendliche gebeten, ihr Verhalten per Smartphone zu dokumentieren. Durch ihre Rückmeldungen erhoffen sich die Forschenden Einblicke in die Selbstverletzung im Alltag sowie ein tieferes Verständnis der Symptome. Neurobiologische Veränderungen bei den Jugendlichen hat ein weiteres STAR-Teilprojekt im Blick: Dabei kombinieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenste Methoden aus Bildgebung, Genetik, Stress- und Hormonforschung. Als Ziel wollen die Forschenden ein breites Bild neurobiologischer Veränderungen gewinnen und Fragen nach möglichen Auslösern für selbstverletzendes Verhalten sowie dessen Beendigung beantworten.

Online-Therapie für betroffene Jugendliche 

Als wichtiger Bestandteil des Forschungsvorhabens wird Jugendlichen mit selbstverletzendem Verhalten zudem eine innovative Online-Therapie angeboten. Basierend auf vorherigen Erkenntnissen, wonach Betroffene vielfach keine therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, soll online ein niedrigschwelliger Zugang geschaffen werden. Ärzte und Psychotherapeuten nehmen wiederum ein in Ulm angesiedeltes Teilprojekt in den Blick: Professor Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, widmet sich dem Erstkontakt mit betroffenen Jugendlichen in der medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung. Im Zuge des Teilprojekts sollen verschiedene Methoden erprobt werden, um diesen beiden Berufsgruppen Erkenntnisse über den Umgang mit sich selbst verletzenden Jugendlichen zu vermitteln. Im Zuge von STAR werden ihnen Kurse und ein von der Ärztekammer zertifiziertes E-Learning-Programm angeboten. „Für Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnnen und -therapeuten in der Erstversorgung stellt selbstverletzendes Verhalten oft eine große Herausforderung dar. Unser Projekt hat zum Ziel, Fachkräften, die oft dafür entscheidend sind, ob ein Jugendlicher bereit ist, weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen, evidenzbasiertes Wissen zur Thematik zur Verfügung zu stellen. Wir bauen dabei auf unsere mehr als 10-jährige Erfahrung im gezielten Wissenstransfer durch E-Learning“, so Professor Fegert.

Untersuchung neurobiologischer Zusammenhänge 

Das Projekt STAR startet am 1. November und lebt vom Mitwirken Jugendlicher und junger Erwachsener mit selbstverletzendem Verhalten – von der Online-Befragung bis zur Online-Therapie. Jugendliche und junge Erwachsene, die in der Nähe eines der Zentren in Ulm, Heidelberg, Mannheim, Landau oder Neuruppin/Berlin leben, sind auch eingeladen, vor Ort an einer zusätzlichen Erhebung von selbstverletzendem Verhalten teilzunehmen, die eine zusätzliche Untersuchung neurobiologischer Grundlagen umfasst. Ebenso können sich Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten für das Fortbildungsangebot anmelden. 

Quelle: Universität Ulm


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