Dienstag, 23. April 2024
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Medizin

Bluttest sagt Alzheimer-Risiko vorraus

Bluttest sagt Alzheimer-Risiko vorraus
© LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com
Forschende des King's College London haben einen auf Blut basierenden Test zur Vorhersage des Alzheimer-Risikos bis zu 3,5 Jahre vor der klinischen Diagnose entwickelt. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Brain veröffentlicht wurde, stützt die Idee, dass Bestandteile des menschlichen Blutes die Bildung neuer Gehirnzellen modulieren können (1). Die Neurogenese findet in einem wichtigen Teil des Gehirns statt, dem Hippocampus, der für Lernen und Gedächtnis zuständig ist. Während die Alzheimer-Krankheit die Bildung neuer Gehirnzellen im Hippocampus in den frühen Stadien der Krankheit beeinträchtigt, konnten bisherige Studien die Neurogenese nur in den späteren Stadien anhand von Autopsien untersuchen.

Alzheimer-Diagnose sehr häufig bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

Um die frühen Veränderungen zu verstehen, sammelten die Forscher über mehrere Jahre hinweg Blutproben von 56 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI), einem Zustand, bei dem sich das Gedächtnis oder die kognitiven Fähigkeiten einer Person zu verschlechtern beginnen. Zwar entwickelt nicht jeder, der an MCI leidet, später die Alzheimer-Krankheit, aber bei den Betroffenen wird die Diagnose viel häufiger gestellt als in der Allgemeinbevölkerung. Von den 56 Studienteilnehmer:innen erhielten 36 später die Diagnose Alzheimer-Krankheit.

Serum von Personen mit MCI fördert die Apoptose bei Hippocampus-Zellen

Laut Erstautorin Aleksandra Maruszak wurden humane Hippocampus-Vorläuferzellen mit Serumproben von Personen mit einer MCI behandelt. Danach wurde untersucht, wie sich diese Zellen beim Fortschreiten der Krankheit als Reaktion auf das Blut veränderten. In der Folge erzielten die Wissenschaftler:innen einige entscheidende Erkenntnisse. Die Blutproben der Teilnehmer:innen, deren Zustand sich nachfolgend verschlechterte und die an Alzheimer erkrankten, förderten einen Rückgang des Zellwachstums und der Zellteilung und eine Zunahme des apoptotischen Zelltods. Dabei wurden die Zellen darauf programmiert, das sie absterben.
 
 

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Veränderungen in der Neurogenese 3,5 Jahre vor einer klinischen Alzheimer-Diagnose

Eine weitere Erkenntnis der Studie war, dass die Serum-Proben die Umwandlung von unreifen Gehirnzellen in Neuronen des Hippokampus erhöhen. Während die Gründe für die verstärkte Neurogenese noch unklar sind, vermuten die Forschenden, dass es sich dabei um einen frühen Kompensationsmechanismus für die Neurodegeneration handeln könnte, die bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit auftritt. Bei Verwendung der Blutproben, die am weitesten von dem Zeitpunkt entfernt waren, an dem bei den Teilnehmern die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wurde, stellten sie fest, dass die Veränderungen in der Neurogenese 3,5 Jahre vor einer klinischen Diagnose auftraten.

Ergebnisse ermöglichen eine frühere Vorhersage der Alzheimer Erkrankung

Für Edina Silajdžić, ebenfalls Erstautorin der Studie, sind diese Ergebnisse von großer Wichtigkeit, da damit möglicherweise die Vorhersage einer Erkrankung früh und nicht invasiv erfolgen kann. „Sie könnten andere auf Blut basierende Biomarker ergänzen, die die klassischen Anzeichen für die Krankheit, wie eine Ansammlung von Amyloid und Tau, widerspiegeln.“ Laut Hyunah Lee, ebenfalls zum Team der Erstautoren gehörend, ist es jetzt von Bedeutung, dass diese Forschungsergebnisse bei einer größeren und diverseren Gruppe von Personen überprüft werden.

Quelle: King's College London

Literatur:

(1) Maruszak A. et al. Predicting progression to Alzheimer’s disease with human hippocampal progenitors exposed to serum. Brain, 2023.



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