Donnerstag, 8. Dezember 2022
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Medizin

KI verbessert Darmkrebsfrüherkennung

KI verbessert Darmkrebsfrüherkennung
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Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten und Krebs-bedingten Todesursachen in Europa. Da die Entwicklung aus zunächst gesunder Schleimhaut bis zur Entwicklung eines Kolonkarzinoms 10 Jahre dauern kann, spielt Früherkennung bei dieser Krebsart eine wichtige Rolle. Hierzu wird insbesondere die Darmspiegelung eingesetzt, bei Männern ab dem 50., bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr. Falls Verwandte ersten Grades betroffen sind, so soll die Früherkennungsmaßnahme bereits 10 Jahre früher erfolgen.
„Seit Kurzem setzen wir hier im Klinikum Darmstadt bei Darmspiegelungen auch auf künstliche Intelligenz“, sagte Prof. Dr. Carl Schimanski, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatopankreatologie, Endokrinologie und Pneumologie. „Die künstliche Intelligenz (KI) bietet hierbei eine stabile Unterstützung für den Untersucher. Sie obliegt keiner Ablenkung oder Müdigkeit, sondern arbeitet gleichermaßen zuverlässig. Auch als sehr erfahrener Untersucher bin ich über die Zuverlässigkeit dieses Systems erstaunt, das selbst unter widrigen Umständen kleinste Polypen zuverlässig anzeigen kann. In unserer Alltagserfahrung bestätigt sich der Nachweis auch kleinster Adenome im Darm durch die künstliche Intelligenz.“
 
 
 

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Technik der Darmspiegelung in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt

Seit wenigen Jahren werden weltweit künstliche Intelligenzsysteme getestet, die während der endoskopischen Untersuchung das Bild auf Veränderungen scannen und verdächtige Gebiete anzeigen. „Die ersten Systeme waren noch unzuverlässig und haben die Untersuchung eher gestört. Durch die kontinuierliche Verbesserung dieser Systeme sind nunmehr künstliche Intelligenzsysteme verfügbar, die live und ohne Verzögerung verdächtige Gebiete mit einer hohen Genauigkeit anzeigen können“, sagte der Klinikdirektor. Eine aktuelle asiatische Metaanalyse, d.h. eine Analyse mehrerer großer Studien mit mehr als 4.000 Patienten, habe nunmehr belegen können, dass die KI die Nachweisrate für Adenome (Krebsvorläufer) auf 29,6% anhebe, im Vergleich zu 19,3% ohne den Einsatz der künstlichen Intelligenz. Diese erhöhte Nachweisrate betraf insbesondere kleine oder flache, schwer erkennbare Adenome, die kleiner als 5 Millimeter waren. Bei dem Nachweis von größeren Adenomen (> 5 mm) waren erfahrene Untersucher und die KI gleich gut, da diese Polypen-Art gut erkennbar ist.

"Intervallkarzinome": Früher wurden Darmpolypen durch Störfaktoren häufiger übersehen

Bereits vor wenigen Jahren kamen hochauflösende Endoskopiesysteme auf den Markt, die die Schleimhaut hell und scharf darstellen können. Dennoch werden in Studien aufgrund von Störfaktoren (Restverschmutzungen, Schleim, Untersuchererfahrung etc.) bis zu 26% der Darmpolypen übersehen. Hierdurch kommt es trotz Darmspiegelung zu sogenannten Intervallkarzinomen, die zwischen den Vorsorgeintervallen auftreten. Aus diesem Grunde wurden in den letzten Jahren weitere Technologien eingeführt, wie künstliche Chromoendoskopien, bei denen das Licht auf bestimmte Wellenlängen gebündelt wird, damit verdächtige Gebiete während der Untersuchung besser erkennbar werden.  „Die Entwicklung der künstlichen Intelligenzsysteme ist jedoch sehr wichtig, da das Risiko für Intervallkarzinome von allen im Darm belassenen Adenomen, seien sie groß oder klein, ausgeht“, so die Erfahrung von Prof. Dr. Carl Schimanski. Dies bestätige sich auch in einer aktuellen europäischen Studie, die einen ebenso 30%igen Anstieg der Nachweisrate von Krebsvorläuferstrukturen, nachweist. „Wir freuen uns, dass wir die Nachweis- und Entfernungsrate von Krebsvorläufern im Darm unserer Patienten hierdurch erhöhen können. Somit sollte auch das Risiko von Intervallkarzinomen sinken, die Vorsorgeuntersuchung ist nochmals ein bedeutendes Stück zuverlässiger geworden.“
 
 
 

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Quelle: Klinikum Darmstadt



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