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Medizin

Systematische Analyse von 30 gesundheitsrelevanten Endpunkten

Die Empfehlungen beruhen auf einer systematischen Literaturrecherche und Bewertung der Evidenz nach dem international anerkannten GRADE-Standard. Insgesamt wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind analysiert, darunter kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit.

Schützende Effekte durch ausschließliches oder überwiegendes Stillen

Die Empfehlung zum Vollstillen über sechs Monate erhielt den Empfehlungsgrad B. Die Empfehlung zu einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten wurde mit dem Empfehlungsgrad A verabschiedet. Ausschließliches Stillen bedeutet Ernährung allein durch Muttermilch. Beim überwiegenden Stillen werden zusätzlich lediglich Wasser oder Tee gegeben. Beide Formen werden als Vollstillen zusammengefasst. Teilstillen umfasst die zusätzliche Gabe von Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost.

„Die systematische Auswertung der verfügbaren Studien zeigt konsistente Hinweise auf schützende Effekte eines ausschließlichen oder überwiegenden Stillens über sechs Monate. Ein halbes Jahr ausschließliches Stillen ist für die meisten reifgeborenen Säuglinge gesundheitlich gut abgesichert. Mit der Empfehlung einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten unterstreichen wir zudem die langfristige Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind!", sagt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, DGGG-Leitlinienkoordinator.

Diskrepanz zu WHO-Guidelines aufgelöst

An der Entwicklung der Leitlinie waren insgesamt 26 wissenschaftliche Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt. Der erzielte interdisziplinäre Konsens ermöglicht zukünftig eine einheitliche Kommunikation der Empfehlungen in den beteiligten Berufsgruppen – zugunsten der Beratung von Familien. Die Veröffentlichung behandelt die beiden zentralen Fragestellungen zur Stilldauer. Empfehlungen zu wirksamen Interventionen zur Stillförderung werden in einem weiteren Schritt veröffentlicht.

„Mit den Empfehlungen dieser Leitlinie konnte die bisherige Diskrepanz zwischen den WHO-Guidelines und den deutschen Handlungsempfehlungen zur Stilldauer nun aufgelöst werden. Sie schaffen Transparenz und ermöglichen eine einheitliche Beratungsgrundlage. Künftig ist klar: Längeres Stillen bringt gesundheitliche Vorteile für Mütter und ihre Kinder", so Prof. Dr. Susanne Grylka, DGHWi-Leitlinienkoordinatorin.

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Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)

Literatur:

(1)

S3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0, Datum, Registernummer 027-072, 2025, abrufbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072.

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