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Kreisrunder Haarausfall betrifft 170.000 Menschen in Deutschland

Kreisrunder Haarausfall, medizinisch Alopecia areata genannt, betrifft in Deutschland etwa 170.000 Menschen. Die jährliche Neuerkrankungsrate beträgt etwa 70.000 Personen. Die Alopecia areata ist eine chronische immunvermittelte Erkrankung, die von kleinen haarlosen Arealen auf der Kopfhaut bis zum vollständigen Verlust der Kopf- und Körperhaare reicht. Ihr Verlauf ist unvorhersehbar und variabel. So kann es im Laufe der Zeit zu Schüben, zur spontanen Heilung (Remission) oder auch zu einem Fortbestehen von ausgeprägter Haarlosigkeit kommen.

Zusammenbruch des Immunprivilegs als zentrale Ursache

Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt, aber Expert:innen gehen davon aus, dass der Zusammenbruch des Immunprivilegs des Haarfollikels zusammen mit genetischen und äußeren Faktoren eine zentrale Rolle spielt. „In einigen wenigen Geweben und Organen im menschlichen Körper wie zum Beispiel dem Haarfollikel, ist zum Selbstschutz die Immunantwort herabgesetzt. Es ist also ein Privileg, dass das Immunsystem hier vermindert wirkt", erklärt Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi vom Klinischen Studienzentrum für Haut- und Haarforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, die die S3-Leitlinie Alopecia areata koordinierte. Bei einem normalen Haarwachstumszyklus finden sich dort nur einzelne verstreute Immunzellen. Wenn dieses Haarfollikel-Immunprivileg zusammenbricht, kommt es zu krankhaften Veränderungen des Haarwachstums mit Unterbrechung der Wachstumsphasen und verfrühtem Ausfallen der Haare.

Neue Therapieansätze mit JAK-Inhibitoren verfügbar

Zur Behandlung der Alopecia areata standen lange nur die klassischen symptomorientierten Therapien zur Verfügung, vor allem topische Steroide, orale Immunsuppressiva oder auch topische Sensibilisierungstherapien. Neue Therapieansätze beruhen auf dem Einsatz von JAK-Inhibitoren, die in das Immunsystem eingreifen. „Durch die evidenzbasierten und eindeutig formulierten Empfehlungen für oder gegen eine bestimmte Therapieoption gibt die Leitlinie den Behandelnden eine gute Orientierung", sagt Blume-Peytavi. Ziel ist auch, die Rate an Patient:innen mit einer nicht-indizierten oder nicht adäquaten systemischen, immunsuppressiven Therapie und somit auch die durch die Behandlung unerwünschten Nebenwirkungen zu verringern. Die Leitlinie geht daher auch auf Wirkstoffe ein, die sich in der Behandlung der Alopecia areata als wirkungslos herausgestellt haben.

Leitliniengerechte Behandlung erhöht Lebensqualität

Mit einer leitliniengerechten Behandlung unter Berücksichtigung der 79 Empfehlungen und sechs Statements der neuen S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Alopecia areata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen„ kann sich die Zufriedenheit und Lebensqualität der Patient:innen erhöhen. Die Leitlinie richtet sich an Ärzt:innen der Kinder- und Jugendmedizin, an Dermatolog:innen, aber auch an Psychosomatiker:innen und Patient:innen. „Denn Menschen mit Haarerkrankungen zeigen im Vergleich zu Gesunden ohne Hautkrankheit häufiger Angstzustände, eine niedergeschlagene und/oder depressive Stimmung und eine geringere Lebensqualität“, konstatiert Blume-Peytavi.

Psychosoziale Folgen von Anfang an berücksichtigen

Die starke psychosoziale Belastung vieler Betroffener beruht auf der Sichtbarkeit der Alopecia areata und dem Erleben von Abwehr oder Misstrauen im sozialen Umfeld. Aber auch der unvorhersehbare klinische Verlauf und der aktuell noch bestehende Mangel an kurativen Therapien kommen als Belastungsfaktoren hinzu. „Die Krankheit ist in jedem Alter eine Herausforderung, aber Kinder und Jugendliche sind aus meiner Erfahrung besonders anfällig für psychische Belastung sowie Mobbing und soziale Isolation durch Gleichaltrige", betont Blume-Peytavi.

Umfassende Information über Hilfsangebote empfohlen

Die Expertengruppe empfiehlt, Patient:innen von Anfang an umfassend über psychosoziale Hilfs- und kosmetische Angebote zu informieren. „Unsere Aufgabe als Behandelnde ist es, das ganze Spektrum für Management und Krankheitsbewältigung in seiner Vielfalt aufzuzeigen. Das hilft bei der Krankheitsbewältigung und kann Ängste und Sorgen für mögliche Entwicklungen im Verlauf der Erkrankung reduzieren", sagt Blume-Peytavi. In der Leitlinie sind diese Angebote in einer tabellarischen Übersicht kompakt zusammengefasst.

Nahrungsergänzungsmittel ohne Wirkung

Viele Patient:innen möchten den Behandlungserfolg unterstützen und sind daher an Hinweisen zu Nahrungsergänzungsmitteln interessiert. „Wir haben nur sehr schwache Hinweise auf unterstützende Vitalstoffe (Vitamin C, Eisen und Zink) gefunden. Es gibt keine identifizierte Evidenz und daher keine Empfehlung für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zur Behandlung der Alopecia areata", so die Haar-Expertin. Vitamin A, Vitamin D, Biotin, Niacin, Selen, Curcumin und Capsaicin zeigen keine positive Wirkung.

Patientenorientierung als zentrale Größe in der Medizin

„Patientenorientierung ist mittlerweile eine in der Medizin fest verankerte Größe. Die neue Leitlinie zur Alopecia areata zeigt sehr schön, wie bereichernd es ist, diese Perspektive einzubeziehen. Das nützt nicht nur den Patientinnen und Patienten, sondern auch den Behandelnden", sagt Prof. Dr. med. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Für Hofmann ist die zur S3-Leitlinie erschienene Patient:innenleitlinie eine konsequente Fortführung dieses Ansatzes, denn wenn beide Seiten umfassend informiert sind, kann die geteilte Entscheidungsfindung (shared decision making) gelingen.

Leitlinie reduziert Fehlversorgung und psychosomatische Folgen

Das Fazit der beiden Dermatologinnen lautet: Eine leitliniengerechte Behandlung des kreisrunden Haarausfalls hilft eine Über- oder auch Fehlversorgung zu verringern, kann vielfache Arztkontakte und auf der Patient:innenseite möglicherweise auch psychosomatische Folgeerscheinungen reduzieren.

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Quelle:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)

Literatur:

(1)

Leitlinie Diagnostik und Therapie der Alopecia areata. Langfassung. Version 1.0, 18.09.2025, abrufbar unter:

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