Neue medizinische Leitlinie zu Hallux valgus
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) präsentiert neue Behandlungsrichtlinien zum Hallux valgus. Die sogenannte Ballenzehe an der Fußinnenseite gehört zu den häufigsten Fußerkrankungen: Sie behindert die Mobilität und wird mit der Zeit immer auffälliger.
DGOU empfiehlt frühzeitige Behandlung bei Hallux valgus
„So eine deformierte Zehe ist für viele Betroffene eine dauerhafte Einschränkung im Alltag, denn oft drückt dann der Schuh und es gibt Schmerzen beim Laufen„, sagt Dr. med. Jörn Dohle, stellvertretender DGOU-Präsident. „Es lohnt sich, frühzeitig zu behandeln, um den Fuß zu entlasten und die Beschwerden zu lindern. Wenn das nicht ausreicht, kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein.“ Ein ausführlicher Beitrag zur neuen S2-Leitlinie findet sich in der aktuellen „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten" (OUMN).
1,3 Millionen Patient:innen jährlich in Deutschland betroffen
In Deutschland sind jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen wegen eines Hallux valgus in ärztlicher Behandlung, überwiegend Frauen, meist ab dem 50. Lebensjahr. „Medizinisch handelt es sich dabei um eine komplexe Fehlstellung, häufig in Verbindung mit einer gewissen Instabilität des ersten Mittelfußgelenkes: Der große Zeh weicht nach außen ab, während sich der erste Mittelfußknochen nach innen verschiebt. Es entsteht der typische schmerzhafte Ballen an der Fußinnenseite", sagt Prof. Dr. Stefan Rammelt, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.), einer Sektion der DGOU.
Familiäre Veranlagung ist Hauptursache für Ballenzehe
Häufig kommen Druckstellen, Entzündungen oder Fehlstellungen weiterer Zehen, vor allem der zweiten, hinzu. Ursächlich führend ist die familiäre Veranlagung. Enge Schuhe können die Beschwerden zwar verstärken, sind aber nicht die eigentliche Ursache.
S2-Leitlinie setzt auf konservative Therapie vor Operation
Die aktualisierte medizinische S2-Leitlinie zeigt, wie die Fehlstellung heute sinnvoll behandelt werden sollte – Schritt für Schritt und auf wissenschaftlicher Basis. Zentrale Botschaft: Zunächst Beschwerden lindern und den Fuß entlasten, erst bei anhaltenden Schmerzen operieren.
Sie wurde unter Federführung der D.A.F. gemeinsam mit der DGOU und weiteren Fachgesellschaften erarbeitet. Eine wichtige Neuerung ist die vereinfachte Einteilung der Schweregrade: Künftig wird nur noch zwischen „leicht bis moderat„ und „schwer“ unterschieden. Das erleichtert die Therapieentscheidung und sorgt für mehr Transparenz. Die Leitlinie empfiehlt, zunächst nicht-operative Möglichkeiten auszuschöpfen. Die konservativen Maßnahmen können die Fehlstellung zwar nicht korrigieren, lindern aber häufig die Schmerzen und verbessern die Beweglichkeit.
Wann ist eine Operation bei Hallux valgus sinnvoll?
Eine Operation wird erst dann empfohlen, wenn trotz nicht-operativer Maßnahmen starke Beschwerden bestehen, die Lebensqualität eingeschränkt ist oder es wiederholt zu schmerzhaften Druckstellen kommt. Unabhängig von der gewählten Therapie betont die Leitlinie die Bedeutung einer umfassenden ärztlichen Aufklärung – über Chancen, Risiken und auch über die längere Rehabilitationszeit nach einer Operation. „Ziel des OP-Eingriffs ist es, die Fehlstellung des Knochens zu korrigieren, das Gelenk zu entlasten und die Belastung im Vorfuß wieder gleichmäßig zu verteilen“, sagt Prof. Dr. Sebastian F. Baumbach, einer der Koordinatoren der Leitlinie.
Alle gängigen OP-Verfahren verbessern Fehlstellung deutlich
Die Grundlage der aktualisierten Leitlinie bildet eine umfangreiche wissenschaftliche Auswertung der vergangenen Jahre. Demnach existiert eine Vielzahl an operativen Verfahren zur Korrektur der knöchernen Fehlstellung. „In einer der wissenschaftlichen Arbeiten konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass alle gängigen Operationsverfahren die Fehlstellung deutlich verbessern. Auch die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten steigt nach der Operation im Durchschnitt klar an, unabhängig von der Operationstechnik", sagt Prof. Dr. Sarah Ettinger, Koordinatorin der aktuellen Leitlinie.
Quelle:Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.
Literatur:
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Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V., abrufbar unter: https://dgou.de/aktuelles/detail/ballenzehe-erst-schmerzen-lindern-dann-operieren-1