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Medizin

NLRP3 spielt früh nach Gefäßverschluss zentrale Rolle

Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) erforschen interdisziplinäre Arbeitsgruppen aus Neurologie, Neuroradiologie und Experimenteller Biomedizin seit Jahren entzündliche Prozesse, die das Fortschreiten des Schlaganfalls beeinflussen. Im Fokus steht unter anderem das Inflammasom, ein Bestandteil des Immunsystems, der auf Stresssignale reagiert und Immunantworten steuern kann. Eine Schlüsselrolle in diesen Entzündungsprozessen kommt dem NLRP3-Inflammasom zu. Bislang war vor allem seine Rolle in späteren Phasen des Schlaganfalls bekannt. Eine Arbeit aus der Würzburger Neurologie und Neuroradiologie sowie der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn legt nun dar, dass NLRP3 bereits unmittelbar nach dem Gefäßverschluss aktiv wird und damit eine bislang wenig beachtete frühe Krankheitsphase beeinflusst. In experimentellen Modellen konnte das Forschungsteam zeigen, dass eine gezielte Hemmung des NLRP3-Inflammasoms die Entzündungsreaktion deutlich abschwächt und das Fortschreiten des Infarkts bereits während des Gefäßverschlusses verlangsamt. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, den Schlaganfall bereits in einer sehr frühen Phase therapeutisch zu beeinflussen“, sagt Prof. Dr. Michael Schuhmann, Leiter des Klinischen Labors der Neurologie, dessen Professur von der Hentschel-Stiftung gefördert wird.

NLRP3-positive Immunzellen erlauben Rückschlüsse auf den Verlauf

Erstmals gelang es den Forschenden, die Expression von NLRP3 direkt beim Menschen während eines akuten Schlaganfalls nachzuweisen. Ermöglicht wurde dies durch ein am Standort etabliertes, hochspezifisches Protokoll und die enge Zusammenarbeit mit den interventionellen Neuroradiologen Privatdozent Dr. Alexander Kollikowski und Prof. Dr. Mirko Pham (Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie). Während routinemäßiger Thrombektomien konnten so winzige Blutproben aus dem akut betroffenen Hirngebiet gewonnen werden, deren prognostische Relevanz in früheren Studien gezeigt werden konnte. Die Analysen bestätigten die experimentellen Befunde und zeigen, dass NLRP3-vermittelte Entzündungsreaktionen auch beim Menschen pathophysiologisch relevant sind. Zudem ließ sich anhand der Anzahl NLRP3-positiver Immunzellen der klinische Verlauf drei Monate nach dem Schlaganfall vorhersagen.

Perspektiven in früher Schlaganfalltherapie

„Unsere Ergebnisse liefern einen wichtigen Ansatzpunkt für Therapien, die den Schlaganfall bereits vor der Wiedereröffnung des Gefäßes beeinflussen sollen. Ein denkbarer Ansatz wäre, NLRP3-Inhibitoren sehr früh, etwa bereits im Rettungswagen einzusetzen“, sagt Privatdozent Dr. Maximilian Bellut, Erstautor der Studie. „Zwischen dem Gefäßverschluss und der erfolgreichen Thrombektomie vergeht oft wertvolle Zeit“, erklärt Alexander Kollikowski. „Wenn es gelingt, das Fortschreiten des Infarkts in dieser Phase zu bremsen, könnte das die Prognose vieler Patientinnen und Patienten verbessern.“ Michael Schuhmann ergänzt: „Bis zur klinischen Anwendung beim Schlaganfall ist es noch ein weiter Weg. Dass NLRP3-Inhibitoren bereits für andere Erkrankungen klinisch entwickelt werden, könnte jedoch zukünftige translationale Studien erleichtern.“

Die Ergebnisse liefern damit einen wichtigen translationalen Ansatzpunkt für neue, neuroprotektive Behandlungen beim Schlaganfall durch gezielte Hemmung entzündlicher Prozesse.

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Quelle:

Universitätsklinikum Würzburg

Literatur:

(1)

Bellut M et al. (2026) Identifying the role of NLRP3 inflammasome in stroke progression and outcome before recanalization. Cell Reports Medicine, DOI: 10.1016/j.xcrm.2026.102723