VICTORION-Challenge: Inclisiran zeigt stärkere LDL-C-Senkung als Bempedoinsäure
Eine frühzeitige und konsequente LDL-C-Senkung ist für Patient:innen mit einer atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD) mit hohem und sehr hohem kardiovaskulären Risiko essenziell, doch im Praxisalltag wird das Therapieziel oft verfehlt. 3-Jahres-Daten der Registerstudie LipidSnapshot zeigen, dass nur 34,9% der von niedergelassenen Kardiolog:innen bzw. 17,7% der von Allgemeinmediziner:innen behandelten ASCVD-Patient:innen mit sehr hohem Risiko ihren LDL-C-Zielwert erreichen. Dieser klinische Handlungsbedarf wurde auf einer Veranstaltung im Rahmen des Kongresses der European Society of Cardiology (ESC) in München adressiert.
Erste Head-to-Head-Evidenz für Inclisiran vs. BPA
Prof. Dr. Ingo Hilgendorf (Berlin) stellte die erste Evidenz eines direkten Vergleiches von Inclisiran und Bempedoinsäure (BPA) in der kombinierten lipidsenkenden Therapie (LLT) von erwachsenen ASCVD-Patient:innen mit hohem und sehr hohem kardiovaskulären Risiko vor [1]. Inclisiran ermöglichte hier eine bis Studienende (Tag 150) anhaltende sowie gegenüber BPA stärkere LDL-C-Senkung (Tag 150: 56,31% vs. 15,35%, p < 0,0001) bei konsistentem Sicherheitsprofil. Dabei waren die Ergebnisse über verschiedene Subgruppen hinweg robust [2]. „Wir wissen, dass LDL-C Senkung relevant und wichtig ist, gerade für Patient:innen mit schon etablierter atherosklerotischer Erkrankung. Wir haben ganz viele Medikamente, die wir nutzen können, um diese Zielwerte zu erreichen. Im Praxisalltag zeigt sich leider, dass viele dieser Medikamente nicht angewandt werden und häufig ist es so, dass wir in der Diskussion auch nicht genügend Datengrundlagen haben, um diese Entscheidung gemeinsam mit Patient:innen zu fällen“, hob Prof. Dr. Hilgendorf (Berlin) hervor. „Die V-Challenge Studie liefert uns genau ein fehlendes Puzzlestück, den direkten Vergleich zwischen zwei Eskalationsstrategien. Damit wissen wir, dass wir die Mehrheit aller dieser Patient:innen mit Inclisiran in die Zielwerte bekommen können und haben jetzt eine klinisch relevante Neuinformationen dafür gewonnen.“
Studiendesign und Patientencharakteristika der VICTORION-Challenge
Die multizentrische, interventionelle, randomisierte, prospektive, offene Phase-IV-Studie VICTORION-Challenge verglich erstmals die Wirksamkeit von Inclisiran und BPA. Dabei untersuchte sie 402 erwachsene ASCVD-Patient:innen mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko und Nüchtern-Triglycerid-Werten < 400 mg/dl. Im Anschluss an eine bis zu 30-tägige Screening Periode wurden Teilnehmende 1:1 randomisiert. Von ihnen erhielten 202 subkutane Injektionen von 300 mg Inclisiran-Natrium zu Baseline sowie an Tag 90 und 200 nahmen täglich per oral 180 mg BPA ein. Die Behandlung erfolgte jeweils zusätzlich zu einer seit ≥ 4 Wochen stabilen, 1x täglich eingenommenen, maximal tolerierten Dosis (MTD) Atorvastatin (≥ 40 mg) oder Rosuvastatin (≥ 20 mg). In den Behandlungsarmen nahmen 1:1-stratifiziert 50% ergänzend Ezetimib (10 mg 1x tgl.) ein [2].
Die Baseline-Charakteristika in den Therapiearmen waren vergleichbar. Teilnehmende waren im Mittel 63,1 Jahre alt und überwiegend männlich (64,2%). 11,4% hatten ein hohes und 88,6% ein sehr hohes kardiovaskuläres Risiko. 58,7% waren keiner NYHA-Klasse zugeordnet, während 19,2% der NYHA-Klasse I, 16,9% der NYHA-Klasse II und 5,2% der NYHA-Klasse III angehörten. Der mittlere LDL-C-Ausgangswert lag bei 94,4 mg/dl.
LDL-C-Zielwerterreichung signifikant häufiger unter Inclisiran
Ein zentraler sekundärer Endpunkt war die LDL-C-Zielwerterreichung an Tag 150. Diese trat unter Inclisiran vs. BPA signifikant häufiger und unabhängig von der Ezetimib-Therapie und dem kardiovaskulärem Risiko ein. Eine LDL-C-Zielwerterreichung konnte mit Inclisiran einer Zwischenvisite zufolge bereits an Tag 30 bei 80,0% der Teilenehmenden erreicht werden (vs. 21,2% unter BPA). Zudem zeigte sich unter BPA eine höhere Streuungsbreite in der LDL-C-Senkung und es kamen primär Patient:innen mit bereits zum Start geringeren LDL-C-Wert auf Ziel.
Primärer Endpunkt: Deutlich stärkere LDL-C-Senkung unter Inclisiran
Der primäre Endpunkt war die prozentuale LDL-C-Änderung gegenüber Baseline an Tag 150. Dieser wurde unter Inclisiran erreicht mit einer LDL-C-Senkung von 56,31% vs. 15,35% unter BPA; Differenz: -40,95%; 95%-Konfidenzintervall (KI): -45,67 bis -36,24; p < 0,0001. Diese Differenz bestätigte sich über alle untersuchten Subgruppen hinweg – unabhängig von Alter (der Erwachsenen), Geschlecht, dem genauen kardiovaskulären Risiko oder einer Begleitmedikation mit Ezetimib. Bereits bei der ersten Visite an Tag 30 hatte Inclisiran den LDL-C-Wert um 54,73% gesenkt (vs. -17,97% unter BPA) [2].
Günstiges Sicherheitsprofil mit weniger schwerwiegenden Ereignissen unter Inclisiran
Insgesamt zeigte sich ein günstiges Sicherheitsprofil für Inclisiran und BPA. Die Häufigkeit Therapie-assoziierter unerwünschte Ereignisse (TAUE) war in der Behandlungsphase vergleichbar (63,1% vs. 59,8%). Die häufigsten TAUE unter Inclisiran waren Nasopharyngitis (10,3%) und Bluthochdruck (4,9%). Im Inclisiran-Arm kam es seltener zu schwerwiegenden UE (8,4% vs. 11,6%), Behandlungsabbrüchen (0% vs. 5%) und muskuloskelettalen Ereignissen (0,5% vs. 6,5%). Dabei wurden unter Inclisiran keine Prüfpräparat-bedingten Myalgien, Myopathien Muskelkrämpfe oder Rhabdomyolysen beobachtet. Im Inclisiran-Arm wurde ein Todesfall infolge eines Herzinfarktes verzeichnet, welcher nicht mit dem Prüfpräparat in Verbindung gebracht wurde.
Quelle:Novartis
Literatur:
- (1)
Mach F, et al. EHJ. 2020;41(1):111-188.
- (2)
Ingo Hilgendorf, et al. EHJ. 2026;ehag738.