Dienstag, 19. November 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

03. Mai 2017 Befunde mitbringen und Fragen notieren: Arztbesuch vorbereiten

Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt muss man sofort ins Krankenhaus - klar. Bei Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, sollte man sich aber etwas Zeit nehmen und den Arztbesuch vorbereiten. Damit tut man nicht nur sich selbst einen Gefallen.
Berlin/Düsseldorf (dpa/tmn) - Erst überlegt man, ob man mit seinen Beschwerden überhaupt zum Arzt geht. Dann wartet man eine gefühlte Ewigkeit auf den Termin - und vergisst im Behandlungszimmer doch die Hälfte zu fragen. Oder der Arzt kann keine Diagnose stellen, weil wichtige Informationen fehlen. Damit das nicht passiert, sollten Patienten sich auf einen Arzttermin vorbereiten - Notfälle wie der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sind davon natürlich ausgenommen. Gute Vorbereitung erleichtert dem Arzt die Diagnose, spart Zeit und hilft, wirklich alle Fragen zu klären.

Welche Themen müssen bei akuten Beschwerden geklärt werden?

«Das Arztgespräch sollte dem Patienten auf jeden Fall Aufschluss geben über die Diagnose, die Therapie und die voraussichtliche weitere gesundheitliche Entwicklung», erklärt Regina Behrendt, Referentin Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. «Außerdem muss der Patient wissen, wie er sich verhalten soll.»

Welche Unterlagen sollte man zum Arztbesuch mitbringen?

Wenn man das erste Mal in eine Praxis geht, hat man am besten vorhergehende Befunde anderer Ärzte wie Röntgenbilder, Laborergebnisse oder den Entlassungsbrief vom Krankenhaus dabei, wie Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), rät. Außerdem sollte man seinen Impfpass und gegebenenfalls Allergieausweis, Mutterpass oder Implantatpass mitbringen.

Der Arzt muss wissen, welche Medikamente man einnimmt - diese kann man entweder selbst auflisten oder einen Medikationsplan vorlegen. «Patienten, die mindestens drei Medikamente einnehmen, haben ein Anrecht darauf», sagt Schenkel. In dem Plan werden elektronisch alle eingenommenen Medikamente aufgelistet, der Patient bekommt einen Ausdruck, und Ärzte und Apotheker können die Medikamente über einen Barcode wieder auslesen. Ausgestellt wird der Plan vom Hausarzt.

Auf welche Fragen vom Arzt sollte der Patient gefasst sein?

Der Arzt wird wissen wollen, seit wann und in welchen Situationen man die Beschwerden hat, wie stark die Schmerzen sind und ob man eine bestimmte Ursache im Verdacht hat. Er wird aber auch nach Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder Alkohol fragen, sagt Sabine Schwarz, die beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin im Bereich Patienteninformation tätig ist. Auch frühere Operationen oder Krankheiten in der Familie werden meist abgefragt.

Manche Fragen sind dem einen oder anderen vielleicht unangenehm: zum Beispiel solche nach der Verdauung, dem Körpergewicht, dem Wasserlassen, der Potenz oder ob man schon einmal schwanger war. Manchmal fragt der Arzt auch nach dem Beruf und dem Stresslevel. Alles sollte man offen und ehrlich beantworten. «Das sind für den Arzt ganz normale Fragen, die wichtig sind, um eine Diagnose zu stellen», sagt Schwarz.

Was tun, damit man nicht die Hälfte vergisst?

Es kann hilfreich sein, sich vorher Notizen zu machen. Am besten schreibt man sich die eigene Krankengeschichte in Stichpunkten auf, empfiehlt Schenkel. Dann listet man die drängendsten Fragen auf. Wer ganz sicher gehen will, dass er nichts vergisst, kann auch eine Vertrauensperson mit zum Termin bringen. «Vier Ohren hören einfach mehr als zwei», sagt Schwarz. Wenn trotzdem noch Informationen fehlen, kann man auch um einen zweiten Termin bitten.

Wie kann man sich verhalten, wenn der Arzt wenig Zeit hat?

Grundsätzlich ist jeder mal im Stress - so darf es auch einem Arzt gehen. Wer pünktlich und gut vorbereitet zum Termin geht, trägt auch seinen Teil zum reibungslosen Ablauf in der Praxis bei. Als Patient sollte man dem Arzt deutlich machen, dass einem bestimmte Themen wichtig sind und man diese gern erklärt haben möchte. Im Zweifel kann man auch einen neuen Termin ausmachen und um mehr Zeit bitten. «Wenn ein Patient dauerhaft das Gefühl hat, seine Fragen werden nicht beantwortet, sollte man überlegen, ob das der richtige Arzt ist», sagt Schenkel. «Patienten haben ein Recht auf eine ausführliche mündliche Aufklärung, bevor sie in eine Behandlung einwilligen», betont auch Behrendt.

Was, wenn der Arzt zu Leistungen rät, die man selbst zahlen soll?

Nicht selten bekommen Patienten beim Arzt Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die sie selber bezahlen müssen, angeboten. Wichtig zu wissen ist: «Man hat immer Bedenkzeit», sagt Schwarz. Zunächst sollte sich der Patient die Vor- und Nachteile erklären lassen. «Man sollte gezielt nachfragen, ob Nutzen und Schaden wissenschaftlich belegt sind und wie zuverlässig diese Belege sind.»

Außerdem kann man nachhaken, warum die angebotene Leistung nicht von der Krankenkasse bezahlt wird und ob es alternative Untersuchungen oder Behandlungen gibt, für die die Kosten übernommen werden. Wichtig in Bezug auf die Selbstzahlerleistungen ist außerdem, dass man eine schriftliche Vereinbarung trifft und die Kosten vorab genau aufgeschlüsselt werden, ergänzt Behrendt: «Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und informieren Sie sich bei Unsicherheiten aus weiteren Quellen.»

Weiterführende Informationen im Internet:
 

Elena Zelle

dpa


Weitere Beiträge zum Thema

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle
© Africa Studio / Fotolia.com

Um die Entwicklung einer Hauterkrankung oder den Heilungsprozess einer Wunde zu überwachen, ist in der Regel kein Vor-Ort-Termin in der Arztpraxis mehr notwendig. Zeitgemäß können Dermatologen nach Diagnosestellung und Therapieempfehlung im Rahmen der Eingangsuntersuchung mit der Videosprechstunde therapeutische Erfolge mit dem Patienten vertraulich via PC, Laptop oder Tablet besprechen. Mit dem durch die gesetzlichen Krankenkassen geförderten Patientenservice entlasten Dermatologen zugleich Praxispersonal, etablieren komfortable Arbeitsabläufe und verhindern...

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus
© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit erhält eine Arzneipflanze wieder besondere Aufmerksamkeit, die nicht nur seit Jahrtausenden bei Gesundheitsbeschwerden eingesetzt wird: Die „mystische Myrrhe“ spielte auch in der religiösen Praxis sehr früh eine wichtige Rolle. Was jeder kennt: Die „Heiligen Drei Könige“ und deren Gaben Myrrhe, Weihrauch und Gold sind der – für Christen entscheidende – allgemein bekannte neutestamentliche Bezug. Aber es gibt noch mehr „Geheimnisse“ rund um die Myrrhe. „Im religiösen Kontext...

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt
© den-belitsky - stock.adobe.com

Sind Patienten müde, kraftlos und infektanfällig, kann gerade in der sonnenarmen Winterzeit ein Vitamin D-Defizit der Grund sein. Wie akut diese Gefahr ist, deutet eine vom Robert Koch-Institut durchgeführte Studie an. Hier wurde die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D) bei 6.995 Teilnehmern im Blutserum gemessen: Insgesamt wiesen 30,2 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren 25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l und damit eine mangelhafte Versorgung auf. Eine ausreichende Versorgung mit 25(OH)D-Serumkonzentrationen von ≥ 50 nmol/l erreichten...

Das könnte Sie auch interessieren

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen
© Nenov Brothers / Fotolia.com

Rezeptfreie Schmerzmittel sind wirksam und sicher. „Sie sollten jedoch – wie alle anderen Arzneimittel – strikt nach Packungsbeilage eingenommen werden“, sagt Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH). Er reagiert damit auf den Fernsehbeitrag des ARD-Magazins Plusminus vom 13.09.2017, der rezeptfreie Schmerzmittel als gefährlich darstellt.

Tipps für ein gutes Gedächtnis und neue medikamentöse Ansätze gegen Alzheimer

Tipps für ein gutes Gedächtnis und neue medikamentöse Ansätze gegen Alzheimer
© Universitätsklinikum Ulm

Was tun für die Fitness im Kopf? Praktische Tipps geben Ärztinnen, Psychologen und Forscherinnen des Universitätsklinikums Ulm am Mittwoch, 3. April (14:00 – 18:00 Uhr), für alle Interessierten und insbesondere für Menschen über 50 mit und ohne Gedächtnisproblemen. In der Ulmer Villa Eberhardt demonstrieren die Wissenschaftler und Klinikerinnen passende Aktivitäten, wie zum Beispiel Spiele, Puzzles oder kognitive Trainings. Darüber hinaus informieren sie in Kurzvorträgen über einen gesunden Lebensstil für das Gehirn, neue...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Befunde mitbringen und Fragen notieren: Arztbesuch vorbereiten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.