Donnerstag, 23. Januar 2020
Navigation öffnen

Patientenbereich

27. April 2018 Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am Universitätsklinikum Leipzig nutzen als eines von wenigen Zentren in Deutschland ein neues Verfahren, um hier wirksam Linderung zu verschaffen: die Transplantation von Lymphknoten.
Lymphödeme, bei denen sich die Lymphe im Gewebe staut statt abzufließen, sind oft Behandlungsfolgen von Krebserkrankungen. Die Operation oder Bestrahlung haben dann zwar den Tumor beseitigt, gleichzeitig aber auch das empfindliche Lymphsystem gestört. "Diese Störungen sind für die Betroffenen sehr schwerwiegend und mit hohem Leidensdruck verbunden", beschreibt Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende  Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Das schwere und geschwollene Gewebe ist nicht nur optisch unschön, es entsteht auch ein sehr unangenehmes, schmerzhaftes  Druckgefühl. Zudem passen die Patientinnen und Patienten nicht in ihre Kleidung. Bis vor wenigen Jahren standen hier zur Behandlung nur Maßnahmen wie Lymphdrainage oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen zur Verfügung. "Für die Patienten sind diese ständigen Entstauungstherapien langfristig sehr belastend, allerdings eben auch die bisher einzige Maßnahme", so Langer. "Eine echte Heilungschance gab es nicht."

 
Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende Chirurgie am UKL, nutzt ein neues Verfahren bei Lympfstauungen. © Stefan Straube / UKL
Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende Chirurgie am UKL, nutzt ein neues Verfahren bei Lympfstauungen. © Stefan Straube / UKL
  Ein neuer Ansatz schafft hier jetzt Abhilfe: Gesunde Lymphknoten werden mikrochirurgisch transplantiert, zerstörtes Gewebe rekonstruiert und die Funktion wieder hergestellt. "Wir können endlich etwas anbieten, was tatsächlich wirksam das Problem lösen kann", ist Prof. Langer begeistert. Seit mehr als einem Jahr setzt er dazu gesunde Lymphknoten anstelle der beschädigten ein.  Bei dieser Lymphknoten-Transplantation werden gesunde Lymphnoten an einer Stelle entnommen, wo deren Fehlen keine Funktionen beeinträchtigt. "Wir entnehmen dazu mit Unterstützung unserer Viszeralchirurgen winziges Fettgewebe aus dem Bauchraum", erklärt Langer. In einer mehrstündigen Operation werden diese dann unter einem speziellen OP-Mikroskop verbliebenen, weniger als 1 Millimeter dicken Lymphgefäßen verbunden und übernehmen dann die Aufgabe des fehlenden Lymphknotens.

Etwa zwei solcher Eingriffe im Monat führen die Leipziger in einem interdisziplinären Team durch, meist bei Krebspatienten, die jahrelange erfolglose Therapien hinter sich haben. Viele erleben durch den Eingriff eine spürbare Besserung, die Lymphödeme klingen ab, der Druck lässt nach. "Aber wir lernen auch noch viel über dieses neue Verfahren" sagt Langer, der sich dazu bereits vor Jahren in Taiwan, das führend ist auf diesem Gebiet ist, weitergebildet hat. "Es gibt noch wenig Daten zu den Langzeitwirkungen oder dazu, warum wir bei einem Patienten  erfolgreich sind und bei anderen nicht", ergänzt der Chirurg. Insgesamt kommt die Therapie vor allem dann in Frage, wenn konservative Behandlungen über einen längeren Zeitraum erfolglos waren. "Unsere Patienten kommen aus ganz Deutschland zu uns und haben oft schon viel versucht", so Langer. "Wir sind sehr froh, ihnen jetzt diese Hilfe anbieten zu können."

Universitätsklinikum Leipzig


Weitere Beiträge zum Thema

Was tun bei psychischem Druck durch Diabetes Typ 1

Was tun bei psychischem Druck durch Diabetes Typ 1
© interstid - stock.adobe.com

Zum Alltag von Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 gehören eine regelmäßige Medikamenteneinnahme beziehungsweise Insulingaben, die Kontrolle des Glukosespiegels und eine daran angepasste Ernährungsweise. Die Erkrankung erfordert an 365 Tagen im Jahr Aufmerksamkeit und Disziplin, um eine gute Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Viele der mittlerweile mehr als 7 Millionen Betroffenen bewältigen dies erfolgreich und sind dabei genauso leistungsfähig wie Stoffwechselgesunde. Das ist auch modernen Technologien wie Insulinpumpen, Sensormesssystemen und dem...

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand

Schlaflose Nächte und grüner Star gehen oft Hand in Hand
© HQUALITY - stock.adobe.com

Menschen, die an der Augenerkrankung grüner Star (Glaukom) leiden, sind häufig auch von Schlafstörungen betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass verschiedene Probleme beim Ein- oder Durchschlafen mit einem grünen Star verbunden sind1. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Schlafstörungen entweder ein Risikofaktor für das Glaukom oder eine Folge dessen sein könnten. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erinnert vor diesem Hintergrund daran, dass der grüne Star nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt...

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“
© Dmitry Lobanov / Fotolia.com

In Deutschland ist schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Die Sorge, die Fahrerlaubnis aufgrund der Erkrankung zu verlieren, ist bei den meisten sehr groß: Viele stoßen auf Probleme mit Behörden und Vorbehalte im privaten sowie beruflichen Umfeld. Die neue Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt in patientenverständlicher Sprache den Stand der Wissenschaft und gibt Betroffenen eine Orientierung, wie sie mit ihrem Diabetes sicher am...

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen

Diabetiker sollten regelmäßig ihren Puls messen
© closeupimages / Fotolia.com

Oft werden Menschen von einem Schlaganfall getroffen, weil sie Vorhofflimmern haben, ohne es zu wissen. Vorhofflimmern tritt bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auf. Unbehandelt und ohne schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sind sie schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle. Vorhofflimmern ist auch eine häufige Herzrhythmusstörung bei Diabetikern, die Schätzungen zufolge ein um 34% erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben.

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“
© Dmitry Lobanov / Fotolia.com

In Deutschland ist schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Die Sorge, die Fahrerlaubnis aufgrund der Erkrankung zu verlieren, ist bei den meisten sehr groß: Viele stoßen auf Probleme mit Behörden und Vorbehalte im privaten sowie beruflichen Umfeld. Die neue Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt in patientenverständlicher Sprache den Stand der Wissenschaft und gibt Betroffenen eine Orientierung, wie sie mit ihrem Diabetes sicher am...

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus
© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit erhält eine Arzneipflanze wieder besondere Aufmerksamkeit, die nicht nur seit Jahrtausenden bei Gesundheitsbeschwerden eingesetzt wird: Die „mystische Myrrhe“ spielte auch in der religiösen Praxis sehr früh eine wichtige Rolle. Was jeder kennt: Die „Heiligen Drei Könige“ und deren Gaben Myrrhe, Weihrauch und Gold sind der – für Christen entscheidende – allgemein bekannte neutestamentliche Bezug. Aber es gibt noch mehr „Geheimnisse“ rund um die Myrrhe. „Im religiösen Kontext...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.