Sonntag, 25. August 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

27. April 2018 Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am Universitätsklinikum Leipzig nutzen als eines von wenigen Zentren in Deutschland ein neues Verfahren, um hier wirksam Linderung zu verschaffen: die Transplantation von Lymphknoten.
Lymphödeme, bei denen sich die Lymphe im Gewebe staut statt abzufließen, sind oft Behandlungsfolgen von Krebserkrankungen. Die Operation oder Bestrahlung haben dann zwar den Tumor beseitigt, gleichzeitig aber auch das empfindliche Lymphsystem gestört. "Diese Störungen sind für die Betroffenen sehr schwerwiegend und mit hohem Leidensdruck verbunden", beschreibt Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende  Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Das schwere und geschwollene Gewebe ist nicht nur optisch unschön, es entsteht auch ein sehr unangenehmes, schmerzhaftes  Druckgefühl. Zudem passen die Patientinnen und Patienten nicht in ihre Kleidung. Bis vor wenigen Jahren standen hier zur Behandlung nur Maßnahmen wie Lymphdrainage oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen zur Verfügung. "Für die Patienten sind diese ständigen Entstauungstherapien langfristig sehr belastend, allerdings eben auch die bisher einzige Maßnahme", so Langer. "Eine echte Heilungschance gab es nicht."

 
Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende Chirurgie am UKL, nutzt ein neues Verfahren bei Lympfstauungen. © Stefan Straube / UKL
Prof. Stefan Langer, Leiter des Bereichs Plastische und Wiederherstellende Chirurgie am UKL, nutzt ein neues Verfahren bei Lympfstauungen. © Stefan Straube / UKL
  Ein neuer Ansatz schafft hier jetzt Abhilfe: Gesunde Lymphknoten werden mikrochirurgisch transplantiert, zerstörtes Gewebe rekonstruiert und die Funktion wieder hergestellt. "Wir können endlich etwas anbieten, was tatsächlich wirksam das Problem lösen kann", ist Prof. Langer begeistert. Seit mehr als einem Jahr setzt er dazu gesunde Lymphknoten anstelle der beschädigten ein.  Bei dieser Lymphknoten-Transplantation werden gesunde Lymphnoten an einer Stelle entnommen, wo deren Fehlen keine Funktionen beeinträchtigt. "Wir entnehmen dazu mit Unterstützung unserer Viszeralchirurgen winziges Fettgewebe aus dem Bauchraum", erklärt Langer. In einer mehrstündigen Operation werden diese dann unter einem speziellen OP-Mikroskop verbliebenen, weniger als 1 Millimeter dicken Lymphgefäßen verbunden und übernehmen dann die Aufgabe des fehlenden Lymphknotens.

Etwa zwei solcher Eingriffe im Monat führen die Leipziger in einem interdisziplinären Team durch, meist bei Krebspatienten, die jahrelange erfolglose Therapien hinter sich haben. Viele erleben durch den Eingriff eine spürbare Besserung, die Lymphödeme klingen ab, der Druck lässt nach. "Aber wir lernen auch noch viel über dieses neue Verfahren" sagt Langer, der sich dazu bereits vor Jahren in Taiwan, das führend ist auf diesem Gebiet ist, weitergebildet hat. "Es gibt noch wenig Daten zu den Langzeitwirkungen oder dazu, warum wir bei einem Patienten  erfolgreich sind und bei anderen nicht", ergänzt der Chirurg. Insgesamt kommt die Therapie vor allem dann in Frage, wenn konservative Behandlungen über einen längeren Zeitraum erfolglos waren. "Unsere Patienten kommen aus ganz Deutschland zu uns und haben oft schon viel versucht", so Langer. "Wir sind sehr froh, ihnen jetzt diese Hilfe anbieten zu können."

Universitätsklinikum Leipzig


Weitere Beiträge zum Thema

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird

Herzrhythmusstörungen: Wann Herzstolpern gefährlich wird
© psdesign1 - stock.adobe.com

Schlägt das Herz unregelmäßig und „stolpert“, sprechen Herzmediziner von Palpitationen. Das Stolperherz umfasst verschiedene Herzrhythmusstörungen, die ohne Vorwarnung auftreten können. Schlägt das Herz plötzlich anders als gewohnt, wird das von den meisten als beängstigend empfunden. „Ist mein Herz in Gefahr?“, fragen sich Betroffene, wenn kräftiges Herzklopfen, Herzrasen oder Aussetzer des Herzschlags wie aus dem Nichts kommen. „Herzstolpern beschreibt das unangenehme Wahrnehmen des Herzschlags, der...

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s
© Robert Kneschke - stock.adobe.com

Sie wissen nicht, wie Sie am Arbeitsplatz mit Ihrer Diabeteserkrankung umgehen sollen? Sie bekommen Ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c nicht in den Griff oder leiden zusätzlich unter Depressionen? Sie müssten dringend abnehmen, sich mehr bewegen und gesund ernähren? Dann könnte eine medizinische Rehabilitation die richtige Maßnahme für Sie sein. Was bei der Antragstellung zu beachten ist, erklären Experten. 

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen
© abet - stock.adobe.com

Experten warnen in diesen Tagen in den Medien vor einem extremen Wespen-Sommer 2019. Normalerweise gehen uns die schwarz-gelben Insekten erst im August und September auf die Nerven, doch dank der Saharahitze gehen Fachleute nun von einer verfrühten Saison mit mehr Wespen aus. In den vergangenen beiden Sommern hielt sich die Plage laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse dagegen in Grenzen: Demnach wurde knapp jeder Fünfte von rund 1.000 Befragten mindestens einmal von einer Wespe gestochen. Nur 13 Prozent der Betroffenen sagten, dass...

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein
© weixx - stock.adobe.com

Essstörungen treten bei jungen Patientinnen mit Typ-1-Diabetes zwei- bis dreimal häufiger auf als bei gesunden Frauen. Die Betroffenen hoffen, Gewicht zu verlieren, indem sie zeitweise darauf verzichten, sich Insulin zu spritzen. Damit riskieren sie unumkehrbare Schäden an Nerven und Gefäßen und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben. Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz am 18. Juni in Berlin rufen Diabetes- und Hormonexperten dazu auf, die Kombination dieser beiden Erkrankungen stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere Ärzte und...

Das könnte Sie auch interessieren

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Rund 40 Prozent der Angstpatienten brechen MRT-Untersuchung ab

Rund 40 Prozent der Angstpatienten brechen MRT-Untersuchung ab
© Medserena AG

Klaustrophobie hält 15 Prozent der Patienten davon ab, sich trotz starker Schmerzen mittels der Magnetresonanztomografie untersuchen zu lassen. Dies hat für Ärzte, Therapeuten und Krankenkassen kostenintensive Folgen. Am schlimmsten betroffen ist jedoch der Patient selbst: Statt sich einer Diagnose zu stellen, leidet er oftmals monatelang unter starken Schmerzen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Angstpatienten die MRT-Untersuchung akzeptieren, wenn Fachpersonal sie vor und während des Termins persönlich intensiv begleitet und berät. Zudem ist es wichtig, dass...

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.