Donnerstag, 17. Oktober 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

Neue Studie zeigt: Bei westlichen Männern finden sich immer weniger Spermien im Ejakulat

28. Juli 2017 Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an. Dennoch sieht die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) die Zeugungsfähigkeit in westlichen Industrienationen nicht akut gefährdet.
Für ihre Untersuchung werteten die Autoren 185 vorliegende Studien aus den Jahren 1973 bis 2011 aus und sichteten somit die Daten von rund 43.000 zeugungsfähigen Männern und Männern mit Problemen der Zeugungsfähigkeit ohne weitere bekannte Vorerkrankungen. Dabei unterschieden sie zwischen Ländern mit westlichem Lebensstil – darunter Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland – und der restlichen Welt, vor allem Südamerika, Afrika und Asien, wo den Studienergebnissen zufolge kein derartiger Rückgang zu beobachten ist. Nicht berücksichtigt wurde allerdings, wie gesund die einzelnen Spermien der Teilnehmer waren. Ebenfalls unklar ist, welche Ursachen hinter dem Spermienrückgang stecken. Dennoch: Unter Experten gilt die Studie als beste Neuberechnung, die es derzeit gibt. Und sie legt die Vermutung nahe, dass die Spermienanzahl westlicher Männer zukünftig weiter abnehmen wird, möglicherweise auch als Hinweis auf andere Gesundheitsrisiken.

Aber was bedeutet das Ergebnis der Metastudie in Hinblick auf die Fruchtbarkeit der Männer? "Sorgen müssen sich die Männer meines Erachtens nicht machen. Die gezeigten Veränderungen befinden sich alle in einem hochnormalen Bereich", beruhigt Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Vorsitzende der PatientenAkademie und des Arbeitskreises Andrologie der Deutschen Gesellschaft für Urologie. "Eine Einschränkung der Zeugungsfähigkeit ist aufgrund der statistisch beobachteten Veränderungen zunächst nicht zu erwarten." Die Fachärztin für Reproduktionsmedizin und Andrologie rät, die erhobenen Daten nicht überzubewerten. Unter anderem auch deshalb, weil es normal ist, dass bei Männern immer wieder Schwankungen innerhalb des Normbereiches auftreten – ohne dass dies auf eine krankhafte Abweichung hinweisen muss. Hinzu kommt: "Entscheidender als die absolute Spermienanzahl ist die Zahl der vorwärts-beweglichen Spermien. Nur diese sind in der Lage, bei der natürlichen Befruchtung die Eizelle zu erreichen. Hierzu gibt es in dieser Studie keine Daten", sagt Prof. Dr. med. Sabine Kliesch. Zudem muss man berücksichtigen, dass sich im Laufe der Jahre die Messmethoden deutlich verbessert haben. "Es ist durchaus denkbar, dass sich der gemessene Trend zum Teil auch aus den Möglichkeiten zur genaueren Qualitätskontrolle ergeben hat", gibt die Andrologin zu bedenken.

Doch auch wenn in Hinblick auf die Zeugungsfähigkeit der Männer Entwarnung gegeben werden kann, muss das Ergebnis der Studie ernst genommen werden. "Gegenstand weiterer Untersuchungen sollte sein, welche Mechanismen hinter dem Spermienrückgang stecken und in wieweit diese auch auf die Gesundheit der Männer im Allgemeinen einwirken", sagt Prof. Dr. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie. "Der Einfluss von Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, Stress und Rauchen rückt dabei ebenso in den Fokus der Diskussion wie mögliche Risikogrößen aus der Umwelt, etwa Chemikalien. Ebenfalls berücksichtigt werden müssen das Alter der Männer sowie Erkrankungen, die sich auf die Spermien- und Ejakulatqualität auswirken können, darunter Hodenkrebs, Prostatakrebs oder Lageanomalien des Hodens."

DGU e.V.


Weitere Beiträge zum Thema

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Das könnte Sie auch interessieren

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!
© pixologic / Fotolia.com

Am 09. März ist Weltnierentag: Ziel des weltweiten Aktionstags ist es, die Prävention von Nierenerkrankungen in den Vordergrund zu stellen. Derzeit sind über 100.000 Menschen in Deutschland auf ein Nierenersatzverfahren - Dialyse oder Transplantation – angewiesen. Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen, besonders gefährdet sind allerdings Menschen mit Übergewicht. Die Zahl der durch Übergewicht verursachten Nierengewebsschäden hat sich in den vergangenen 30 Jahren bereits verzehnfacht!

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt

Röntgeninstitut plant Mammografie mit audiovisueller Erlebniswelt
© serhiibobyk - stock.adobe.com

Brustkrebs ist mit etwa 70.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste onkologische Erkrankung bei Frauen. Daher wird der einst von der „American Cancer Society“ ausgerufene Internationale Brustkrebstag am 1. Oktober weltweit zum Anlass genommen, anhand von Informations- und Aufklärungskampagnen Aufmerksamkeit auf die Erkrankung zu lenken und speziell das Thema Vorsorge ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. „Werden bösartige Tumoren frühzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen von Brustkrebs äußerst gut“, weiß Dr....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.