Freitag, 14. Mai 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
04. Februar 2021

Mediziner als Meinungsbilder: Den Fakten verpflichtet – gerade in Coronazeiten

Ärztinnen und Ärzte tragen eine besondere Verantwortung – vor allem aktuell während der Coronapandemie: Sie müssen Verschwörungsmythen um das Coronavirus und die COVID-19-Impfung mit evidenzbasierten Fakten begegnen. Im Patientengespräch in der Praxis, erst recht aber bei öffentlichen Äußerungen kommt den Worten von Medizinern auch eine politische Dimension zu. Welche Verpflichtung ihnen daraus erwächst, diskutieren Experten auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM). Die Pressekonferenz findet am Donnerstag, den 4. Februar 2021, online statt. Außerdem sprechen die Experten über mögliche Gründe, warum Teile der Bevölkerung die Gefahren und Folgen einer COVID-19-Erkrankung nicht erkennen können oder wollen.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Verschwörungstherorien – eine bekannte Nebenerscheinung von Katastrophen
 
5G-Strahlen als Ursache für COVID-19, Mikrochips im Corona-Impfstoff oder SARS-CoV-2 als Biowaffe aus einem Labor: Verschwörungstheorien sind von alters her eine Begleiterscheinung von Katastrophen und Seuchen und erleben auch in der aktuellen Coronapandemie einen regelrechten Boom. Weit verbreitet ist auch der Mythos, eine COVID-19-Erkrankung sei nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Grippe. „Inzwischen ist klar, dass COVID-19 eindeutig die gefährlichere Erkrankung ist, was die Übertragbarkeit, die Krankheitslast und die Sterblichkeit angeht“, erklärt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. Mediziner sehen in ihrem täglichen Kontakt mit Kranken und Sterbenden, wie gefährlich COVID-19 gerade für Ältere, aber auch jüngere, chronisch kranke Risikopersonen sein kann.

Unterschiedliche Blickwinkel auf die Pandemie bedenken

Während Mediziner das durch COVID-19 verursachte Leid und die bis an die Grenzen gehende Belastung der in der Krankenversorgung tätigen Ärzte und Pflegekräfte vor Augen haben, bleibt die Pandemie für einen großen Teil der Bevölkerung abstrakt. Denn anders als bei früheren Seuchen wie den Pocken oder der Kinderlähmung werden viele Menschen nicht direkt mit den gesundheitlichen Schäden von COVID-19 konfrontiert. „Man kennt hauptsächlich Betroffene, die gar keine oder nur leichte Symptome haben. Schwere Verläufe oder Todesfälle betreffen meist ältere Patienten“, so Ertl. „Das wird dann oft als schicksalhaft hingenommen oder gar genutzt, um die Gefährlichkeit der Erkrankung zu relativieren“, sagt der Internist.

Gerade jetzt: Ärzte müssen verantwortungsvoll kommunizieren

Wohl niemals zuvor haben Experten aus Wissenschaft und Medizin bei Politikern so viel Gehör gefunden wie derzeit und so politische Entscheidungen und das öffentliche Leben mitbestimmt. Lautstarke, in der Öffentlichkeit vorgebrachte Äußerungen, die etwa die Genauigkeit der Coronatests oder Maßnahmen des Infektionsschutzes infrage stellen, sieht der DGIM-Generalsekretär in der aktuellen Lage als kontraproduktiv (1). „In der Pandemiesituation kommt dem Wort von Medizinern ein besonderes, auch politisches Gewicht zu“, sagt Ertl. Ärzte seien in dieser Lage verpflichtet, sich seriös mit unsachlichen Argumentationen auseinanderzusetzen und gegen Falschbehauptungen Stellung zu beziehen, betont der Würzburger Experte.

Herdenimmunität nützt der gesamten Gesellschaft

Einiger Aufklärungsarbeit bedürfe es auch im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung mit dem Ziel, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. „Solange der Impfstoff knapp ist, geht es vor allem um den Schutz der Älteren und der chronisch kranken Risikopatienten“, sagt Ertl. Langfristig bestehe die Hoffnung, dass die Impfung auch gegen die Übertragung des Virus schütze und so eine „Herdenimmunität“ unterstütze, das heißt, die Gesellschaft insgesamt gegen das Virus schütze. „Damit würden Voraussetzungen geschaffen, das gesellschaftliche Leben wieder zu normalisieren und weitere wirtschaftliche Schäden durch Lockdowns abzuwenden“, so Ertl abschließend.
 

DGIM

Literatur:

(1) Aufruf der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM), der internistischen Schwerpunktgesellschaften und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) zur verantwortungsbewussten Kommunikation von Ärzten und Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie, Wiesbaden, Berlin, Dezember 2020.


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
Kinder im zweiten Lockdown: Bewegungszeit sinkt
©famveldman - stock.adobe.com

Durchschnittlich 75 Minuten am Tag betrug die Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen im zweiten pandemiebedingten Lockdown seit Dezember 2020. Damit lag sie deutlich unter den Werten aus dem Frühjahr letzten Jahres, als alle Sportvereine und Freizeitangebote zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Auswertung einer Langfrist-Studie von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), für die Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren befragt wurden. Vor einem Jahr zog das Team noch...

Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
Ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen
© fotorince / Fotolia.de

Wohlfühlen im Home-Office: Psychologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Erasmus-Universität Rotterdam haben sich im letzten Jahr mit der Frage beschäftigt, wie sich das Wohlbefinden beim Arbeiten zuhause – für die meisten zunächst neu und ungewohnt – durch eine aktive Freizeitgestaltung steigern lässt. Eine wichtige Erkenntnis aus der aktuellen Studie: Das Streamen von Serien auf dem heimischen Sofa reicht zum Ausgleich offenbar nicht aus. Je aktiver und herausfordernder die Freizeitgestaltung, umso zufriedener...

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
©psdesign1 / Fotolia.de

70.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen würde. Die neuen und in dieser Woche publizierten internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung unterstreichen: Auf die ersten Minuten kommt alles an! Daher müssen mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. So fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC): 1. Mehr Schülerinnen und Schüler in Wiederbelebung schulen. 2....

Epilepsie: Es kann jeden treffen
Epilepsie: Es kann jeden treffen
©storm / Fotolia.de

Epilepsie ist eine der am weitesten verbreiteten neurologischen Erkrankungen. In Europa leiden darunter rund 6 Millionen Menschen (1), allein in Deutschland bis zu 800.000 (2). Was nur wenige wissen: Die Krankheit kann jeden treffen. Um die Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen und Vorurteilen entgegenzuwirken, hat das unabhängige italienische Forschungsinstitut SWG eine Umfrage zur Wahrnehmung von Epilepsie durchgeführt. Befragt wurden 4.000 Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien – mit einer statistisch signifikanten Stichprobe...

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
©Proxima Studio - stock.adobe.com

Statistiken zufolge ging im vergangenen Jahr jeder 12. Fehltag in Deutschland* auf das Konto von Rückenschmerzen. Spätestens seitdem rund ein Viertel der Berufstätigen mit dem Laptop im Esszimmer sitzt und „Homeoffice macht“, nimmt die Zahl der Menschen mit Beschwerden im Kreuz zu. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit erklärt Dr. med. Sabine Rikart, Oberärztin der Abteilung für Physikalische Therapie im Klinikum Nürnberg, wie schon Kleinigkeiten Rückenschmerzen vermeiden oder zumindest lindern können.

Jod – wichtig für die Gehirnentwicklung von Kindern
Jod – wichtig für die Gehirnentwicklung von Kindern
©SENTELLO - stock.adobe.com

Die Zeiten, in denen schwere Jod-Mangelerscheinungen wie der Jodmangelkropf bei Erwachsenen und der mit geistiger Behinderung einhergehende Kretinismus bei Kindern in Deutschland weit verbreitet waren, sind glücklicherweise lange vorüber. Seit den 1980er Jahren, als das jodierte Speisesalz eingeführt wurde, gilt Deutschland nicht mehr als Jodmangelgebiet. Diesen Status sieht der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) aktuell jedoch gefährdet. Denn wie Monitoring-Daten zeigen, ist mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland nicht mehr...

Vorsicht vor Betrügern beim Online-Kauf von Corona-Schnelltests
Vorsicht vor Betrügern beim Online-Kauf von Corona-Schnelltests
© Fernando - stock.adobe.com

Corona-Schnelltests sollen nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung zügig Fortschritte auf dem Weg aus dem Lockdown bringen. Die Tests auch für zu Hause sollen frei erhältlich sein, also auch in Online-Shops. Beim zu erwartenden Run auf die Teststreifen könnten auch Cyberkriminelle gute Geschäfte wittern, vermuten die Cybersicherheitsexperten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie geben Tipps, wie Verbraucherinnen und Verbraucher betrügerische Angebote im Internet, auch Fake Shops genannt, erkennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung

Nüsse sind kein Ersatz für die Darmspiegelung
© fredredhat / Fotolia.com

Magen-Darm-Ärzte mahnen zur Vorsicht bei Meldungen über bestimmte Nahrungsmittel, die vor Krebs schützen sollen. „Öffentliche Erklärungen wie gerade mal wieder von Ernährungswissenschaftlern der Uni Jena über den Schutzmechanismus von Nüssen sind eher irreführend als hilfreich“, betont Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Auch Nusskonsumenten sind vor Darmkrebs nicht gefeit. Sicherheit bietet nur die Darmspiegelung.“

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern

App FURDY hilft, kommunikative Barrieren zu überwinden und kognitive Fähigkeiten zu fördern
© Christoph Noll (TAU)

Zum 11-jährigen Jubiläum des Masterstudiengangs Barrierefreie Systeme (BaSys) unter dem Motto „Eine Dekade BaSys 10+“ lädt die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) alle Interessierten ein, über eine inklusive Welt zu diskutieren. Erwartet werden dazu am 22. November 2016 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Vertreter/-innen verschiedener Interessenverbände, Studieninteressierte und Alumni. Auch Absolvent Benjamin Göddel wird vor Ort seine App FURDY präsentieren, die er entwickelt hat, um Autisten und...

Depression – verstecken ist kein Ausweg

Depression – verstecken ist kein Ausweg
© www.deinwegraus.de

Unter dem Titel „Depression – verstecken ist kein Ausweg“ macht das Freiburger Bündnis gegen Depression mit einer Kampagne auf sein Anliegen aufmerksam. Prof. Berger, Vorsitzender des Freiburger Bündnisses e.V. gegen Depression betont, dass depressive Störungen, obwohl sie zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland gehören, hinsichtlich ihrer Bedeutung noch immer stark unterschätzt werden. Dabei hat gerade erst eine weltweit durchgeführte Studie der WHO („Global burden of disease“) gezeigt: Depressionen sind eine der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Mediziner als Meinungsbilder: Den Fakten verpflichtet – gerade in Coronazeiten "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert
  • Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert