Sonntag, 7. März 2021
Navigation öffnen

Patientenbereich

30. April 2020 10 populäre medizinische Irrtümer des Volksmundes

Ist der Schlaf vor Mitternacht wirklich der gesündeste? Müssen wir tatsächlich jeden Tag mindestens 2 Liter Wasser trinken? Wachsen nach dem Tode Haare und Nägel weiter? Wissenschaftler aus USA und Deutschland haben eine Reihe von medizinischen Mythen unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Ergebnis: Bei vielen populären Empfehlungen, die selbst viele Ärzte weitergeben, handelt es sich in Wahrheit um Märchen.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
1. Lesen bei schlechtem Licht verdirbt die Augen 

Trifft auf Erwachsene nicht zu. Die Augen werden zwar mehr angestrengt, das kann zum Verschwimmen der Buchstaben und zur Ermüdung führen, aber zu keiner Sehschwäche. Anders ist das bei Kindern. Im Wachstumsalter. Bei ihnen bewirkt etwa Lesen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke einen Wachstumsreiz für den Augapfel. Dadurch kann sich der Augapfel verlängern und eine Kurzsichtigkeit entwickeln.

2. Handys müssen in Krankenhäusern verboten sein

Angeblich stören die Mobiltelefone durch ihren Elektrosmog empfindliche medizinische Geräte oder die Herzschrittmacher von Patienten. Nach einer Untersuchung der US-Mediziner Aaron Carrol und Rachel Vreeman von der Universität Indiana gibt es keine seriös dokumentierten Fälle von Schäden durch Handys in Krankenhäusern. Vielmehr könnten Handys dazu dienen, die Reaktionszeiten des Personals zu verkürzen und Fehler zu vermeiden.

3. Wir nutzen nur einen Bruchteil unserer Gehirnkapazität

Es heißt, der Mensch schöpfe nur 10 % oder maximal 25 % seiner Hirnkapazität aus. Der Rest liege einfach brach. Stimmt nicht, weisen die Mediziner nach. Durch Untersuchungen mit Magnetresonanz- oder Positronen-Emissions-Tomographie weiß man, dass es keinerlei inaktive Bereiche im menschlichen Gehirn gibt.

4. Jeder muss täglich 2 Liter Wasser trinken

Ist so nicht richtig. Der eine braucht mehr, der andere weniger. In unterschiedlichen Situationen, etwa bei Anstrengungen oder Hitze, brauchen wir auch ganz verschiedene Mengen an Flüssigkeit. Vermutlich entstand der Fehler durch eine Ernährungsempfehlung der US-Ernährungsbehörde, wonach der Gesamtbedarf an Flüssigkeit bei 2 Litern täglich liegt - der Gehalt in Suppen, Soßen, Brot, Gemüse, Obst, Kaffee oder Tee mit inbegriffen.

5. Nach dem Tod wachsen Haare und Nägel weiter

Unsinn, sagen die Experten. Nach dem Tod zersetzen sich die Zellen von Fingern, Zehen und der gesamten Haut sehr rasch. Gewebe unter Barthaaren und Nägeln schwinden. Dadurch entsteht der Eindruck, die Barthaare und Nägel seien weitergewachsen.

6. Zitrusfrüchte enthalten das meiste Vitamin C

Orangen, Zitronen und Grapefruits enthalten mit durchschnittlich 50 Milligramm (mg) reichlich Vitamin C. Aber es gibt Früchte, die erheblich größere Mengen pro 100 Gramm aufweisen: Die so genannte Acerolakirsche kann bis zu 3.000 mg enthalten. Besonders reich an Vitamin C sind auch Hagebutte (1.250 mg), Sanddorn (266), schwarze Johannisbeere (180), Vogelbeere (98) und Papaya (82).

7. Brauner Zucker ist gesünder als weißer

Alle Sorten von Zucker sind gleichermaßen ungesund, ob weiß, braun, als Puderzucker, Würfelzucker oder in Form von Honig. Deshalb sind auch Bonbons mit Zusatz-Vitaminen abzulehnen. Das hat damit zu tun, dass Zucker außer Kalorien keine lebenswichtigen Stoffe liefert, sehr rasch ins Blut gelangt und die Bauchspeicheldrüse zur Freisetzung übermäßiger Mengen von Insulin anregt - was erneut Hunger verursacht. Außerdem raubt Zucker Kalzium und Vitamin B, und er ist ein gefundenes Fressen für Bakterien, die Säure ausscheiden und dadurch die Zähne schädigen. Wir sollten uns statt Süßigkeiten so genannte Mehrfachzucker oder Polysaccharide zu Gemüte führen, wie sie etwa in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nudeln, Brot, Gemüse und Kartoffeln enthalten sind. Sie liefern Vitamine und Mineralstoffe, werden nur langsam in Einfachzucker zerlegt und sättigen demzufolge auch nachhaltiger.

8. Vegetarier leiden an Eisenmangel, weil sie kein Fleisch essen

Keine Spur! In 100 Gramm Rindfleisch sind 2 mg Eisen enthalten. Aber auch viele pflanzliche Lebensmittel weisen reichlich Eisen auf, das allerdings vom Körper etwas schlechter verwertet werden kann. Allein mit sechs Scheiben (300 Gramm) Roggenvollkornbrot könnte ein Vegetarier seinen Tagesbedarf an Eisen decken. Aber auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Schwarzwurzeln, Möhren, Spinat und Zucchini sind wertvolle Eisenlieferanten. Apropos Spinat: Obwohl er mit 4 mg/100g viel Eisen enthält, ist sein Ruf als allerbester Eisenlieferant auf einen Irrtum zurückzuführen: Der Physiologe Gustav von Bunge hatte 1890 ganz korrekt den Eisengehalt von 100 g Spinat mit 35 mg ermittelt. Allerdings hatte er getrockneten Spinat untersucht, was bald in Vergessenheit geriet.

9. Der Schlaf vor Mitternacht ist der wichtigste

Kommt darauf an. Denn die biologische Mitternacht schlägt nicht um 24 Uhr, sondern laut Schlafforscher Prof. Zulley, Regensburg, um 3 bis 4 Uhr morgens. "Dann sind alle unsere Systeme am Tiefpunkt". Entscheidend ist also der Schlaf, der in die Zeit vor der Mitternacht der menschlichen Bio-Uhr liegt.

10. Ein Schnaps nach dem Essen fördert die Verdauung

Ganz im Gegenteil. Er hilft schon gar nicht bei der Fettverdauung, denn für den Abbau des Alkohols stiehlt dieser laut Prof. Hans-Dieter Allescher vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen die Verdauungsenzyme, die eigentlich für die Fettverdauung benötigt werden. Das Gefühl der Erleichterung, das jemand nach einem "Verdauungsschnaps" verspürt, beruht auf einer Betäubung der Magennerven durch den Alkohol; so wird das Völlegefühl nicht mehr so deutlich verspürt.

obx-medizindirekt


Anzeige:
Eigenwerbung
 

Weitere Beiträge zum Thema

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Die Publikation enthält zentrale Ergebnisse der Datenauswertung aus dem Jahresbericht 2020 – kurz und patientenverständlich zusammengefasst. Totalendoprothesen (vollständiger Ersatz des Gelenkes) stellen die am häufigsten verwendete Prothesenform bei Hüft- und Knieimplantationen dar. Bei künstlichen Kniegelenken wird zunehmend die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt. Patientenbezogene Faktoren wie Alter, BMI oder Vorerkrankungen beeinflussen das Risiko für eine Wechseloperation deutlich.

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben zur Folge, dass Bewegungsangebote wie Reha-Gruppen oder Aqua-Fitness nicht stattfinden. Fitnessstudios sind geschlossen. Auch Winter- und Vereinssport ist momentan nicht möglich. Nicht nur Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 fällt es aktuell schwer, sich weiterhin täglich ausreichend zu bewegen. Hinzu kommt, dass an den Weihnachtstagen und an Silvester traditionell ausgiebig geschlemmt wird. Doch körperliche Aktivität ist wichtig für den Stoffwechsel. Bereits zehn Minuten mehr...

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?
© BillionPhotos.com - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag von Millionen Herz-Kreislauf-Patienten in Deutschland vor große Herausforderungen mit vielen Ängsten und offenen Fragen. Wie gefährlich eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, variiert von Fall zu Fall. Zuverlässige Daten darüber, welche Auswirkungen Art und Schweregrad der Vorschädigung haben, gibt es zwar noch keine. Allerdings beläuft sich die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei schweren Verläufen nach Schätzungen derzeit auf 5-10% der...

Das könnte Sie auch interessieren

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?

Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?
© freshidea / Fotolia.com

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 440.000 Patienten mit Herzschwäche in eine Klinik eingewiesen, weil bei ihnen ihr Herz entgleist ist. Damit zählt die Herzschwäche zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt. „Ganz konkrete Warnsignale zeigen das Entgleisen des Herzens an. Für diese müssen Betroffene wachsam sein, insbesondere für Wassereinlagerungen im Körper, an den Knöcheln, den Unterschenkeln oder im Bauchraum. Diese sogenannten Ödeme sind leicht zu erkennen, wenn man sich täglich wiegt....

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen
© Halfpoint - stock.adobe.com

Auch wenn es so klingt: Bei Angeboten einer „24-Stunden-Betreuung“ zu Hause kann die Pflegekraft nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es gilt das Arbeitszeitgesetz, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin. Somit sei ein Arbeitstag in der Regel nach maximal 10 Stunden zuzüglich Pause vorbei, auch wenn die Pflegekraft mit im Haus wohnt. Wer tatsächlich auf 24 Stunden Betreuung Wert legt, muss für die Ruhe- und Pausenzeiten der Pflegekraft genügend Ersatz einplanen.

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse
© Sandor Kacso / Fotolia.com

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"10 populäre medizinische Irrtümer des Volksmundes"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • STIKO-Chef: Knappheit beim Impfen wird bald vorbei sein
  • STIKO-Chef: Knappheit beim Impfen wird bald vorbei sein