Tanzen hält rundum gesund
Birgit Frohn Dipl. biol.Fitness-Studio, Laufband, Gymnastikübungen? Tanzen ist spaßiger und mindestens genauso effektiv. Denn man verpasst sich damit perfekte Trainingseinheiten für Körper, Geist und Seele. Nicht umsonst wird Tanzbeinschwingen inzwischen auch als Therapie eingesetzt.
Einerlei, ob man Hand in Hand über das Parkett schwebt oder alleine für sich zur Musik groovt: Stets tut Tanzen physisch wie psychisch enorm gut. Denn außer vital und fit zu halten, schickt es die Emotionen auf die Reise. Zu Recht wird Tanzen deshalb auch oftmals als „Träumen mit den Beinen“ bezeichnet.
Tanzbeinschwingen wirkt wie Medizin
Mit jedem Tanz, ob klassisch, folkloristisch oder modern, lässt sich umfassend etwas für die Gesundheit tun. Insofern sollte es Tanzen eigentlich auf Krankenschein geben. Hier ein Überblick über die vielen positiven Effekte.
Tanzen steigert nachhaltig die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels, senkt den Blutdruck und bringt den Kreislauf in Schwung, womit es Durchblutungsstörungen vorbeugt und bereits bestehende lindert. Weiterhin stärkt es die Schlagkraft des Immunsystems. Das Bewegen zur Musik aktiviert die Muskulatur der Beine, des Rückens sowie die Arm- und Schultermuskeln und schult die Feinmotorik und Bewegungskoordination. Das verbessert das Körperbewusstsein und den Gleichgewichtssinn. Was nicht nur den Körper beweglicher macht und sich positiv auf die Körperhaltung auswirkt, sondern auch die Sturzgefahr im Alter vermindert. Auch Verspannungen und Rücken- oder Nackenschmerzen werden im wahrsten Wortsinn „weggetanzt“. Darüber hinaus erstarken beim Schwingen des Tanzbeines Gelenke und Sehnen sowie die gesamte Wirbelsäule. Tanzen sorgt zudem für mehr Gelassenheit, denn es drosselt die Bildung von Stresshormonen wie vor allem Kortison. Noch nicht alles: Tanzen hilft beim Abnehmen, da es die Fettverbrennung anregt. So verbrennt der Körper bei einer Stunde Wiener Walzer bis zu 350 Kalorien und bei manchen Tänzen wie Jive sogar bis zu 500 Kalorien.
Walzer: Im Dreivierteltakt zu starken Herzen
Richard Strauß hätte sich wahrscheinlich darüber gefreut: Eine Studie italienischer Kardiologen zeigte, dass regelmäßiges Walzertanzen bei Herzpatienten zur Rehabilitation genauso wirksam ist, wie trainieren mit Fahrrad oder Laufband [1]. Schließlich kamen die Walzertänzer auf Fitnesswerte wie durch klassische Trainingsmethoden. Die Herz-Lungen-Frequenz nahm zu und die Sauerstoffaufnahme des Herzens verbesserte sich. Klar besser schnitt das Walzertanzen bei der Kondition und der Dehnbarkeit der Arterien ab. Jenseits dieser medizinischen Werte gab es ohnehin keine Zweifel am positiven Walzer-Effekt: Die Runden auf dem Parkett sind hinsichtlich Stimmungslage und Spaß jenen auf dem Laufband klar überlegen.
Tango statt Medikamente
Er ist faszinierend anzusehen, in allen musikalischen Genres vertreten und gehört seit 2007 sogar mit zum Weltkulturerbe – die Rede ist vom Tango argentino. Bei dem um 1900 entstandenen Tanz gibt es keine starr vorgegebenen Schritte, so dass sich die Bewegungsabläufe jederzeit verändern können. Das fördert die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit. Zudem trainiert Tango das Gleichgewichtsvermögen, da sich die Tänzer viel auf einem Bein befinden. Gelenkigkeit, Koordinationsfähigkeit und Beweglichkeit profitieren ebenfalls vom argentinischen Tango.
Der kann allerdings noch mehr. So haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass der Tanz bei Morbus Parkinson zu deutlichen Verbesserungen führt [2, 3]. Bei dieser Erkrankung besteht ein Mangel an dem Nervenbotenstoff Dopamin. Regelmäßiges Tangotanzen kurbelt dessen Produktion und Ausschüttung messbar an – so sehr, dass die tanzenden Parkinson-Patienten sogar die Dosierung ihrer Dopamin-Medikamente reduzieren konnten. In weiteren Forschungen zeigte sich, dass Tango auch das Demenzrisiko senken kann [4]. Das gilt selbst für jene, die erst im fortgeschrittenen Alter mit diesem Tanz beginnen.
Rundum ideal für Senior:innen
Tanzen ist mit Abstand die beste Aktivität für ältere Menschen, da es sich besonders in jenen Bereichen positiv auswirkt, die im fortgeschrittenen Alter wichtig sind. Denn die Bewegungen beim Tanzen erfordern einiges an Geistesgegenwart – schließlich gilt es, sich an die richtigen Tanzschritte zu erinnern und alles genau zu koordinieren. Das hält das Gehirn fit und stärkt das Gedächtnis, indem die Verknüpfungen der Gehirnzellen untereinander verbessert und weiter ausgebaut werden. Auch das Konzentrations- und Lernvermögen steigert sich durch regelmäßiges Tanzen. Dass dieses die Beweglichkeit erheblich fördert und den Gleichgewichtssinn schult, ist ebenfalls gut für Senior:innen.
Ein wichtiger weiterer Pluspunkt ist das gesellige Zusammensein. Viele Ältere sind bekanntlich alleine und fühlen sich oftmals einsam. Da ist Tanzen, wo man gemeinsam mit anderen in Aktion ist und sich auf die Musik und den Partner oder die Partnerin einstellt, ein willkommener Ausgleich. Der sich übrigens auch medizinisch messbar bemerkbar macht, indem sich Bildung und Ausschüttung von Serotonin und Endorphinen erhöhen. Beides sind körpereigene Botenstoffe, die unser Stimmungsbarometer in die Höhe steigen lassen und uns damit zufriedener machen.
Seitwärts, vorwärts – ab in die Tanzschule
Wenn der Tanzkurs bereits eine Weile zurück liegt, lassen sich die Fertigkeiten auf dem Parkett einfach wieder auffrischen. Oder aber, man macht die ersten Tanzschritte. Beim Tanzunterricht kommt neben der Pflicht auch die Kür nicht zu kurz. Soll heißen, die Kurse sind sehr unterhaltsam. Denn vom „Drill“ von einst ist heute in Tanzschulen nichts mehr zu spüren. Statt Anstand und Benimm stehen Freude an der Bewegung und sozialer Austausch im Vordergrund. So besuchen viele, die eigentlich bereits routinierte Tänzer sind, regelmäßig einen Tanzkurs. Übrigens muss, wer seinen Partner oder seine Partnein nicht zum Tanzen motivieren kann oder keine:n hat, nicht darauf verzichten: Tanzschulen bieten auch Kurse für Singles an.
Literatur:
- (1)
Belardinelli R. et al. Waltz dancing in patients with chronic heart failure: new form of exercise training. Circ Heart Fail. 2008; 1(2): 107 – 114.
- (2)
Lötzke D. et al. Argentine tango in Parkinson disease - a systematic review and meta-analysis. BMC Neurol. 2015; 15: 226.
- (3)
Hackney M. et al. Effects of tango on functional mobility in parkinson’s disease: A preliminary study. J Neurol Physical Training 2007; 31: 173 – 179.
- (4)
McKinley P. et al. Effect of argentine tango dance on functional balance and confidence in older adults. J Aging Physical Activity 2008; 16(4): 435 – 453.