Donnerstag, 29. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
FSME
FSME
Praxismanagement
14. April 2020

Zunahme häuslicher Gewalt: Handlungsempfehlungen für medizinisches Fachpersonal

Durch die Ausgangsbeschränkungen, die den deutschen Bürgern aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie auferlegt wurden, mehren sich die Hinweise auf einen Anstieg häuslicher Gewalt – der Berliner Verein S.I.G.N.A.L. hat als Service für Ärzte und Pschotherapeuten praxisnahe Tipps zum Umgang mit häuslicher Gewalt veröffentlicht.
Anzeige:
Trelegy
Trelegy
Die Maßnahmen zur Verhütung einer raschen Ausbreitung von SARS-CoV-2 erfolgen, um einer Überlastung des Gesundheitssystems und damit einer unzureichenden Versorgung und dem möglichen Tod von Menschen vorzubeugen. Durch die erhebliche Einschränkung des öffentlichen und sozialen Lebens verbringen viele Familien seit Wochen notgedrungen zusammen mehr Zeit denn je auf engem Raum.

Die Situation kann zu Stress, Konflikten, Übergriffen und Gewalthandlungen führen. Für Menschen, für die ihr Zuhause bereits jetzt ein von Angst und Gewalt geprägter Ort ist, kann es zu Eskalationen und damit einer massiven Erhöhung der Gefährdung kommen. Neben der Einschränkung des Bewegungsradius können die Maßnahmen weiteren Stress zur Folge haben: Ökonomischer Druck, Existenzängste, soziale Isolation, das Gefühl von Kontrollverlust oder andere hohe (Arbeits-)Belastungen.

Zahlreiche Studien zeigen, dass ökonomische Krisen und sozialer Stress die Zunahme häuslicher Gewalt begünstigen (1). In China zeigt sich bereits jetzt, dass seit Inkrafttreten der Ausgangssperren Frauen doppelt so häufig wegen häuslicher Gewalt die Polizei rufen. Laut der Pekinger Frauenrechtsorganisation „Weiping“ hat sich die Zahl der Beschwerden von Betroffenen sogar verdreifacht (2). Wir gehen davon aus, dass es auch in Deutschland vermehrt zu Übergriffen und Gewalttaten in Familien und vor allem gegenüber Frauen, Kindern und Schutzbedürftigen kommen wird. Betroffene häuslicher Gewalt benötigen auch jetzt Ihre Solidarität und Unterstützung!

Daher bitten wir Sie dringend auch und gerade in Zeiten dieser Pandemie:

Machen Sie Informationen für Betroffene in Ihrer Einrichtung zugänglich!
  • Hängen Sie Plakate auf, legen Sie Informationsmaterialien aus – am besten auf den Toiletten.
  • Vermitteln Sie Gewaltbetroffene bei Bedarf weiter! Die wichtigsten Anlaufstellen finden Sie am Ende dieses Artikels!
Achten Sie auf Hinweise für häusliche Gewalt!
  • Auffälligkeiten im Umgang des Patienten mit Verletzungen, Beschwerden oder Schwangerschaft?
  • Kontrollverhalten der Begleitperson? Mehrzeitige Verletzungen? Abwehrverletzungen?
Sprechen Sie Patienten bei Verdacht auf häusliche Gewalt aktiv und konkret an!
  • „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich kenne solche Verletzungen auch als Folge von Schlägen.“
  • „Sie wirken ängstlich. Was macht Ihnen Angst? Fürchten Sie sich vor Ihrem Partner?“
Unterstützen Sie Betroffene, wenn sie Ihnen von häuslicher Gewalt berichten!
  • Hören Sie zu. Seien Sie verständnisvoll und machen Sie nicht den Betroffenen verantwortlich.
  • Positionieren Sie sich klar: Gewalt ist nie in Ordnung!
Die wichtigsten Anlaufstellen
  • Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000/116 016 (24h) – Für Betroffene, Bezugspersonen und Fachpersonen
  • WEISSER RING e.V. – Opfer-Telefon 116 006 (7-22 Uhr täglich)
  • Medizinische Kinderschutzhotline 0800/19 210 00 (24h )Für Fachpersonen bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Kindesmissbrauch
  • Gewaltschutzambulanz  030 450570270 (Mo-Fr 8:30-15 Uhr) Für gerichtsfeste Dokumentation und Spurensicherung
Suchmaschinen für Angebote in Ihrer Nähe
  • Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html
  • Frauenhäuser https://www.frauenhauskoordinierung.de/hilfe-bei-gewalt/frauenhaussuche/
Materialien

S.I.G.N.A.L. stellt umfangreiche Materielien für Fachkräfte und Betroffene zur Verfügung: info@signal-intervention.de / 030 275 95 353
 

Quelle: S.I.G.N.A.L. e.V.

Literatur:

(1) Siehe z.B. Renzetti, C.M. (2009): Economic Stress and Domestic Violence, Fisher, S. (2010). Violence Against Women and Natural Disasters: Findings From Post-Tsunami Sri Lankaund Svarna, F.(2014): Financial Crisis and Domestic Violence –The Case of Greece.
(2) Kretschmer, F.: Zu Hause gefangen, taz vom 9.3.2020


Anzeige:
OFEV
OFEV

Das könnte Sie auch interessieren

EMAH-Ratgeber: Leitfaden für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler

EMAH-Ratgeber: Leitfaden für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler
©CLIPAREA.com - stock.adobe.com

Noch vor etwa 80 Jahren verstarben fast alle Kinder mit komplexen angeborenen Herzfehlern (AHF) in den ersten Lebensjahren. Heute erreichen dank der Behandlungsfortschritte mehr als 95% von ihnen das Erwachsenenalter. Heute leben bis zu 330.000 Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler (EMAH) in Deutschland. Allerdings erfordert ein AHF für die Betroffenen eine lebenslange regelmäßige Nachsorge bei einem Spezialisten. „EMAH-Patienten müssen wissen, dass alle Behandlungen Rest- und Folgezustände hinterlassen können und dass im Langzeitverlauf durchaus auch Komplikationen auftreten. Umso...

Neue Richtlinien für die sogenannte 24-Stunden-Pflege

Neue Richtlinien für die sogenannte 24-Stunden-Pflege
© Küffel, Markus

Schätzungsweise 600.000 osteuropäische Betreuungskräfte arbeiten in Deutschland in der sogenannten 24-Stunden-Pflege und leben im Haushalt des Pflegebedürftigen. Experten sind sich einig, dass sie bei über 4,1 Millionen Pflegebedürftigen und bestehendem Pflegekräftemangel unverzichtbar sind. Die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit dieser Betreuungsdienstleistung hat die Corona-Krise nochmals ganz deutlich gezeigt. Trotz dieser Erkenntnisse ist diese Branche gesetzlich noch größtenteils unreguliert.

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Pilzinfektionen innerer Organe – Oft übersehen und gefährlich!

Pilzinfektionen innerer Organe – Oft übersehen und gefährlich!
©sinhyu - stock.adobe.com

Menschen, deren Immunsystem erheblich geschwächt ist, tragen ein hohes Risiko für schwerwiegende Infektionen. Bei Lungen- und Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung stehen in der Regel Bakterien, seltener Viren unter Verdacht. Pilze werden als mögliche Auslöser dagegen meist übersehen – mit fatalen Folgen. Unerkannt und somit gar nicht oder falsch behandelt, sind solche invasiven Pilzinfektionen meist tödlich.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zunahme häuslicher Gewalt: Handlungsempfehlungen für medizinisches Fachpersonal"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)