Rheumatologie
David Meier M.Sc.Die Rheumatologie ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises befasst. Dazu gehören entzündliche und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie systemische Autoimmunerkrankungen. Die Rheumatologie ist ein Fachgebiet, das zwischen der Inneren Medizin und der Orthopädie angesiedelt ist.
Welche rheumatischen Erkrankungen gibt es?
Rheumatische Erkrankungen lassen sich grundsätzlich in zwei große Gruppen unterteilen:
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
Die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen. Sie entstehen durch fehlgeleitete Immunreaktionen, die eine chronische Entzündung der Gelenke, Sehnen oder Organe verursachen.
Rheumatoide Arthritis (RA): Eine Autoimmunerkrankung, die vorrangig die Gelenke betrifft und unbehandelt zu deren Zerstörung führen kann.
Spondyloarthritiden (z. B. Morbus Bechterew): Eine Gruppe entzündlicher Erkrankungen, die vor allem die Wirbelsäule, aber auch periphere Gelenke betreffen.
Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Eine Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe wie Haut, Nieren und das Nervensystem angreifen kann.
Gicht: Eine entzündliche Gelenkerkrankung, die durch erhöhte Harnsäurewerte und die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken verursacht wird.
Degenerative-rheumatische Erkrankungen
Diese Erkrankungen entstehen durch den fortschreitenden Verschleiß von Gelenken, Knorpeln und Sehnen:
Osteoarthritis (Arthrose): Eine degenerative Erkrankung, bei der der Knorpel in den Gelenken abgebaut wird, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen: Hierzu gehören Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen und Spondylose, die durch altersbedingten Verschleiß oder Fehlbelastungen verursacht werden.
Epidemiologie
Rheumatische Erkrankungen sind weltweit verbreitet und betreffen Millionen von Menschen. In Deutschland haben etwa 2,6 % der erwachsenen Bevölkerung eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, was ungefähr 1,8 Millionen Betroffenen entspricht (1). Die häufigste entzündliche Erkrankung, die rheumatoide Arthritis, tritt bei etwa 0,8 % bis 1,2 % der Erwachsenen auf, was 560.000 bis 830.000 Menschen entspricht (1). Osteoarthritis, eine degenerative Form, betrifft bis zu 17,1 % der Erwachsenen, wobei Frauen (21,6 %) häufiger betroffen sind als Männer (12,4 %) (2).
Diagnostik
Die Diagnosestellung rheumatischer Erkrankungen erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und weiterführenden diagnostischen Verfahren:
Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Entzündungswerten (CRP, BSG) und Autoantikörpern (z. B. Rheumafaktor, Anti-CCP, ANA, HLA-B27).
Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT und Ultraschall zur Beurteilung von Gelenkveränderungen und entzündlichen Prozessen.
Gelenkpunktion zur Analyse der Gelenkflüssigkeit bei unklaren Gelenkentzündungen.
Wie werden rheumatische Erkrankungen behandelt?
Medikamentöse Therapie zur Reduktion von Entzündungen, Schmerzen und zur Symptomkontrolle.
Bewegungstherapie und Sport zur Verbesserung der Gelenkfunktion und Vorbeugung von Muskelabbau.
Diätetische Maßnahmen, insbesondere bei Gicht, um Harnsäurespiegel zu senken.
Psychosoziale Unterstützung, da chronische Erkrankungen oft mit psychischen Belastungen einhergehen.
Literatur:
(1) Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie: Rheuma in Zahlen.
(2) Robert Koch Institut: Arthrose: Prävalenz (ab 18 Jahre)