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Die Leber, außer zur Entgiftung für zahlreiche weitere essentielle Abläufe im Organismus unersetzlich, ist hart im Nehmen. Trotz Einschränkungen ihrer Funktion und selbst bei fortgeschrittenen pathologischen Veränderungen arbeitet sie meist standhaft weiter und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. Stattdessen leidet sie stumm vor sich hin, bevor sie irgendwann Alarm schlägt. Vielfach erst dann, wenn bereits starke und mitunter irreversible Schäden entstanden sind. Dieses Durchhaltevermögen ist indessen riskant. Denn obwohl bereits eine relevante Lebererkrankung besteht, fühlen sich viele der Betroffenen vor deren Erkennung oft noch gesund.

So weit der Epilog zu einem sukzessive wachsenden Problem: der Fettleber. Wobei die nicht-alkoholische Form NAFLD inzwischen deutlich häufiger auftritt, als die durch Alkohol bedingte Steatosis hepatis.

Erschreckende Zahlen mit fatalen Folgen 

Weltweit leidet etwa jeder dritte Erwachsene unter einer Fettleber [1], hierzulande weisen rund 30 Millionen Menschen Fetteinlagerungen in der Leber auf [1]. Diese jetzt bereits hohe Zahl der Betroffenen wird in den kommenden zehn Jahren sukzessive weiter ansteigen, warnen Expert:innen [2]. Was diese Zunahme noch problematischer macht, ist das enorme Risikopotential von Fettlebererkrankungen. So entwickeln bis zu 20% der Betroffenen eine aggressivere nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) und haben dadurch ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose mit all den damit verbundenen Komplikationen [3]. Damit ist die NAFLD außer in den USA auch in Europa zum Hauptgrund für eine Lebertransplantation avanciert [4]. Weiteren schweren Folgeerkrankungen wird ebenfalls der Weg geebnet. So tragen NAFLD-Patient:innen unabhängig vom Vorliegen einer Leberzirrhose ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines primären Leberzellkarzinoms [5].

Die Epidemie der Fettleber steht vor der Türe und wird total unterschätzt.

Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover

Symptomatische und diagnostische Grauzone

Da die Leber aufgrund fehlender Nervenzellen keine Schmerzsignale senden kann, bleiben Erkrankungen wie eine Fettleber oftmals lange unentdeckt. Zumal Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, fehlender Appetit oder Konzentrationsprobleme wenig hilfreiche, weil unspezifische Anzeichen sind. Auch Übelkeit, Erbrechen und Druckschmerzen im rechten Oberbauch weisen nur sehr vage den richtigen Weg zum Befund. Das gilt auch für die Laborergebnisse. Denn erhöhte Gamma-GT-, GOT- und GPT-Werte können Indiz für jedwede Leberfunktionsstörung sein und sind somit nicht unbedingt klare Indizien für eine Fettleber. Mehr Klarheit kann eine Ultraschalluntersuchung liefern. Zu den Königsdisziplinen der Diagnose einer Fettleber gehört neben der Magnetresonanzspektroskopie jedoch die Elastographie – sie wird allerdings kaum angewandt.

Niedriger Stellenwert in Primärversorgung

In Deutschland werden Fettlebererkrankungen in der Primärversorgung derzeit noch immer vielfach bagatellisiert und kaum beachtet. Eine für Allgemeinmediziner einfache Identifikation von Patient:innen mit einem Risikoprofil basierend auf Routinelaborparametern ist nicht etabliert. Der GKV Check-Up zur Vorsorge beinhaltet keine Parameter, die eine Identifizierung von Patient:innen mit einer potentiellen NAFLD ermöglichen. Selbst nach gestellter Diagnose gibt es zurzeit keine bestehende Struktur zur gezielten Behandlung dieses Krankheitsbildes [6].

Ernährung ist der Schlüsselfaktor

Bewegungsarmut wird inzwischen als eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer NAFLD gewertet. Zudem ist diese pathogenetisch eng mit anderen extrahepatischen Manifestationen wie chronischen Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe und verminderter Lebensqualität assoziiert [7]. Als Hauptrisikofaktoren haben sich allerdings das metabolische Syndrom, bauchbetonte Adipositas sowie vor allem fett- und zuckerreiche Ernährung und damit verbunden erhöhte Blutfett- wie Blutzuckerwerte entpuppt. Wie bei so vielen anderen Erkrankungen, die massiv auf dem Vormarsch sind, spielt mithin auch bei der NAFLD die Ernährung eine zentrale ursächliche Rolle. Das gilt indessen jedoch nicht nur für die Entstehung dieser Fettlebererkrankung, sondern auch für deren Therapie und Prävention. Das birgt Chancen. Denn wie bei jeder anderen ernährungsbedingten Erkrankung kann auch bei der NAFLD der Hebel bei der Modifizierung der Ernährung angesetzt werden. Dazu gibt es bekanntlich verschiedene Möglichkeiten – die unterschiedlich und verschieden effektiv sind.

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NAFLD-Diät? Fehlanzeige

High carb, low fat oder high fat, low carb, Paleo… Zur Frage, was sich gesundheitlich sowie zum Abnehmen am besten auf dem Teller macht, gibt es bekanntlich mannigfache Theorien. Welche sich als wirksam bestätigt, wurde auch spezifisch für Menschen mit einer NAFLD untersucht – nämlich in einer großen randomisierten Studie aus Dänemark [8]. Sie kam zu dem Ergebnis, dass mit einer high fat- und low carb-Diät eine schnelle und starke Reduktion des HbA1c erreicht werden kann. Das galt insbesondere für NAFLD-Patient:innen mit Typ-2-Diabetes, die mit in der Studie eingeschlossen waren. Jedoch hielt dieser Effekt nicht langfristig an. Das noch ernüchterndere Resultat für alle, die unter einer NAFLD leiden ist jedoch: es ließen sich keine signifikanten Veränderungen für histologische Parameter der Fettleberhepatitis feststellen [8]. High fat und low carb ist also nicht die geeignete Strategie bei einer NAFLD. Denn sie zeigt keine langfristig anhaltenden Effekte und darüber hinaus konnten keine signifikanten Veränderungen für histologische Parameter festgestellt werden. Das gilt auch für die an sich bei so vielen Erkrankungen effektive mediterrane Ernährung. Es gibt mithin, zumindest derzeit noch, keine spezielle NAFLD-Diät, die offiziell empfohlen werden kann.

Kalorienreduktion steht im Zentrum

Die Grundlage jeder NAFLD-Therapie bildet eine gezielte Verringerung der Kalorienzufuhr und damit des Körpergewichts. Diese Maßnahme führt zu einer deutlichen Verbesserung der Fettleberhepatitis. Darüber hinaus kann sie die Progression einer Leberfibrose aufhalten. Entsprechend empfiehlt auch die aktualisierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) als Basis der Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber eine ausreichende Kalorienreduktion [7]. Zudem sollte eine Modifikation des Lebensstils erfolgen [7]. Der Fokus liegt hierbei auf einer regelmäßigen körperlichen Aktivität.

Gefahr der Mangelernährung berücksichtigen

Die angeratene Drosselung der Kalorienaufnahme kann allerdings oftmals zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen führen. Denn wie Expert:innen, etwa Prof. Wedemeyer warnen, können selbst adipöse Fettleberpatient:innen durchaus mangelernährt sein. Es ist mithin enorm wichtig, sich trotz Kalorienreduktion abwechslungsreich und bedarfsgerecht zu ernähren. So benötigen beispielsweise Menschen mit einer NAFLD-bedingten Leberzirrhose vermehrt Proteine. Des Weiteren ist gerade bei dieser Patientengruppe auf eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen wie ganz besonders dem Spurenelement Zink zu achten.

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Wie sich vorbeugen lässt

Die Präventionsmaßnahmen für die Entwicklung einer NAFLD sind eindeutig: Gewichtskontrolle, regelmäßige Bewegung und gesunde, ausgewogene Ernährung. Hinsichtlich Letzterer sollte Zucker in jeder Form gemieden werden; das gilt vor allem für Fruktose. Wichtig ist darüber hinaus, sich mit Gemüse und Vollkornprodukten ausreichend Ballaststoffe zuzuführen. Zwischen den Mahlzeiten sollten Pausen von mindestens vier Stunden liegen. Das gibt der Leber die Chance, sich zwischendurch von ihren Tätigkeiten zu regenerieren. Ein weiterer Aspekt ist die Nutzung der sogenannten guten Fette. Das bedeutet, pflanzlichen Ölen wie Oliven- oder Rapsöl den Vorzug zu geben sowie Transfetten in Fertiggerichten und Fastfood aus dem Weg zu gehen. Apropos Weg: Drei Stunden wöchentlich zügiges Gehen oder Radfahren helfen Fett in der Leber abzubauen. Diese Bewegungseinheiten können individuell je nach Vorliebe und Möglichkeiten absolviert werden. Zur Vorbeugung einer NAFLD gehört selbstverständlich auch, etwaiges Übergewicht zu vermeiden und zu reduzieren.

Kaffeetrinken explizit empfohlen

Dass das nach Tee weltweit beliebteste Getränk keinesfalls ungesund ist, sondern sich vielmehr auf vielen Ebenen positiv auswirkt, ist bereits länger und hinreichend belegt worden. Auch bei einer NAFLD empfiehlt sich der regelmäßige Genuss von Kaffee. Denn wie Studien zeigen, senkt der Wachmacher das Risiko für Leberzellkrebs und fortgeschrittene Leberfibrose [9]. Auch zum Schutz vor der NAFLD ist Kaffee angezeigt [10]. Allerdings sollte dieser am besten ohne Milch und natürlich ohne Zucker getrunken werden.

Literatur:

(1)

Riazi K. et al. The prevalence and incidence of NAFLD worldwide: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Gastroenterology & hepatology. 2022;7(9): 851 – 861.

(2)

Estes C. et al. Modeling NAFLD disease burden in China, France, Germany, Italy, Japan, Spain, United Kingdom, and United States for the period 2016-2030. Journal of hepatology. 2018; 69 (4): 896 – 904.

(3)

Geier A. et al. From the origin of NASH to the future of metabolic fatty liver disease. Gut. 2021; 70 (8): 1570 – 1579.

(4)

Belli L. S. et al. Impact of DAAs on liver transplantation: Major effects on the evolution of indications and results. An ELITA study based on the ELTR registry. Journal of hepatology. 2018; 69 (4): 810 – 817.

(5)

Anstee Q. M. et al. From NASH to HCC: current concepts and future challenges. Nature reviews Gastroenterology & hepatology. 2019; 16(7): 411 – 428.

(6)

Weiß J. et al. Non-alcoholic fatty liver disease: epidemiology, clinical course, investigation, and treatment. Deutsches Ärzteblatt international. 2014; 111 (26): 447 – 452.

(7)

Updated S2k Clinical Practice Guideline on Non-alcoholic Fatty Liver Disease (NAFLD); April 2022 - AWMF Registration No.: 021-025. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2022;60(9): e733 – e801.

(8)

Hansen C. D. et al. Effect of Calorie-Unrestricted Low-Carbohydrate, High-Fat Diet Versus High-Carbohydrate, Low-Fat Diet on Type 2 Diabetes and Nonalcoholic Fatty Liver Disease : A Randomized Controlled Trial. Ann Intern Med. 2023 Jan;176(1): 10 – 21.

(9)

Abenavoli L. et al. Beneficial effects of coffee in non-alcoholic fatty liver disease: a narrative review. Hepatoma Res 2020; 6: 69. DOI: 10.20517/2394-5079.2020.63

(10)

Müssig, K. Kaffee schützt tatsächlich vor Fettleber. MMW - Fortschritte der Medizin 165, 29 (2023). https://doi.org/10.1007/s15006-023-2860-9

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