Donnerstag, 18. Juli 2019
Navigation öffnen

SchwerpunktMai 2019

01. Mai 2019
Seite 1/3
Allergische Reaktionen auf Insektenstiche – Potentiell schwerwiegende Erkrankungen

Insektenstiche können bei Patienten mit Hymenopterengift-Allergien zu ausgeprägten und lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen führen. Seit fast 70 Jahren erfolgt bei diesen Patienten die spezifische Immuntherapie (SIT) (1-3). Allerdings wurde diese zunächst mit Extrakten aus homogenisierten  Bienen- oder Wespenkörpern durchgeführt, wodurch lediglich ein der Plazebobehandlung vergleichbarer Therapieerfolg erreicht werden konnte (1,4). Erst die von Hunt 1978 beschriebene SIT mit Reingift-Extrakten ermöglichte bei nahezu allen Patienten einen wirkungsvollen Schutz vor anaphylaktischen Reaktionen bei erneuten Stichen (5).
Anzeige:
Epidemiologie

Bei bis zu 25% der Bevölkerung findet sich eine allergische Sensibilisierung gegenüber Hymenopterengift (nachweisbar in Hauttests oder In-vitro-Verfahren),  bis zu 5% der Bevölkerung reagieren auf einen Stichvorfall mit einer systemischen Reaktion (6-9). Diese ist in der Regel eine IgE-vermittelte allergische Reaktion vom Soforttyp (Typ I nach Coombs und Gell) und wird vor allem durch Honigbienen (Apis melliferra) oder Faltenwespen (Vespula vulgaris) ausgelöst. Seltener führt das Gift anderer Insekten wie Hummeln, Hornissen, Ameisen o.a. zur Ausbildung anaphylaktischer Reaktionen. Zwischen Bienen- und Hummelgift sowie zwischen Wespen- und Hornissengift findet sich eine nahe biologische Verwandschaft.

In Deutschland werden jährlich 10-20 Todesfälle infolge systemischer Reaktionen nach Hymenopterengift-Stichen erfasst, die tatsächliche Häufigkeit allerdings dürfte durchaus höher liegen (10).

Anamnese

Anhand der Ausbildung von systemischen Reaktionen nach dem Stichvorfall in der Eigen- oder Fremdanamnese lässt sich auf den Schweregrad der anaphylaktischen Reaktion rückschließen (Tabelle 1). Auch das zeitliche Auftreten dieser Symptome – als allergische Sofort-Typ-Reaktion – meist nach wenigen Minuten, selten nach Stunden oder Tagen, lässt auf eine Hymenopterengift-Allergie schließen.


 
Tab. 1: Skala zur Klassifizierung des Schweregrades anaphylaktoider Reaktionen nach (42). Nicht alle genannten Symptome treten obligat auf; die Klassifizierung erfolgt nach dem weitreichendsten Symptom.
Grad Haut GI-Trakt Respirations-Trakt Herz-Kreislauf
I -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
     
II -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Nausea -Dyspnoe -Tachykardie(Δ>20/mi)
-Hypotension (Δ>20 mm Hg systolisch)
III -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Bronchospasmus -Schock, Bewußtlosigkeit
-Zyanose
IV -Juckreiz
-Urtikaria
-Flush
-Erbrechen
-Defäkation
-Atemstillstand -Herz-/Kreislauf-Stillstand



Fehlen allerdings diese objektiven Symptome, so lassen subjektive Beschwerden wie Schwäche, Schwindel oder Angst nur unzureichend Rückschlüsse ziehen auf eine echte anaphylaktische Reaktion. Auch sind toxische Reaktionen, z.B.durch eine Vielzahl von Stichen, anamnestisch abzugrenzen. Der Patient wird nur bedingt zuverlässig das ursächliche Insekt nennen können, hier können speziellere Fragen, z.B. nach dem Verhalten der Tiere, von weiterführendem Nutzen sein (Tabelle 2).


 
Tab. 2: Mögliche Unterschiede zwischen Bienen- und Wespenstichen.
Biene Wespe
Eher friedlich (Stich erst bei Reizung;
Ausnahme: Unmittelbare Nähe zum Bienenstock)
Eher agressiv (z.B. Stich im Vorbeiflug)
Flugzeit Frühjahr bis Spätherbst
(auch an warmen Wintertagen)
Flugzeit vorwiegend Sommer bis Herbst
Stachel verbleibt oft in der Haut Stachel verbleibt seltener in der Haut
In Umgebung eher Blüten
(z.B. Barfußlaufen in blühendem Klee),
Nähe zu Bienenstöcken
Bei Essen und Trinken im Freien,
Nähe zu Abfallkörben oder Fallobst,
Küchenarbeit,Tätigkeit an Obststand,
Bäckerei usw.


 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

An die Leber denken und Experten befragen: Kostenfreie Telefonaktion zum Deutschen Lebertag am 20. November

An die Leber denken und Experten befragen: Kostenfreie Telefonaktion zum Deutschen Lebertag am 20. November
© ag visuell / Fotolia.com

Bei einer großen Telefonaktion am 18. Deutschen Lebertag, der unter dem Motto „An die Leber denken!“ steht, beantworten sechs erfahrene Ärzte alle Anrufer-Fragen rund um die Themen Leber, Lebergesundheit und Lebererkrankungen. Am Montag, 20. November 2017, sind die Leber-Spezialisten von 14:00 bis 16:00 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 666 39 22 für jeden Interessierten und Betroffenen erreichbar. Mit diesem Angebot möchten die Ausrichter des 18. Deutschen Lebertages – Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe e. V. und Gastro-Liga e....

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko
© BillionPhotos.com / fotolia.com

Gute Nachrichten für alle, die das ganze Jahr über in die Sauna gehen: Wer mehrmals wöchentlich sauniert, kann das Schlaganfallrisiko um bis zu 61 Prozent senken. Zu diesem Ergebnis kommen ForscherInnen der Medizin Uni Innsbruck und der Universität Ostfinnland in einer gemeinsamen Studie, die das Sauna-Verhalten von über 1.600 Männern und Frauen unter die Lupe genommen hat. Das renommierte Fachjournal Neurology berichtet.

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein
@ Von Schonertagen / Fotolia.com

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen (1). Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Allergische Reaktionen auf Insektenstiche – Potentiell schwerwiegende Erkrankungen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.