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01. November 2018
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Einfluss der Ernährung und des Mikrobioms bei Patienten mit Glutensensitivität

Kürzlich wurden FODMAPs (Fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole), neben Gluten, als Auslöser der sogenannten „Gluten- oder Weizensensitivität“ („Non-Coeliac-Gluten-Sensitivity (NCGS)“) identifiziert. Eine Studie zeigte, dass eine FODMAP-reduzierte Diät die Symptome bei NCGS verbessern kann und eine FODMAP-arme und glutenfreie Diät (GFD) im Besonderen zu einer deutlichen Reduktion von intraepithelialen Duodenal-Lymphozyten und Muzin-produzierenden Becherzellen führt. Zudem wurden zwischen NCGS- und Kontroll-Patienten signifikante mikrobielle Unterschiede festgestellt. Diesen neuen Erkenntnissen zufolge wird NCGS durch multifaktorielle Ursachen bedingt, nämlich durch FODMAPs kombiniert mit einer milden Gluten-ausgelösten Immunreaktion und einer Mikrobiom-Dysbalance.
Brot, Weizen, Gluten – die Prävalenz einer Unverträglichkeit gegenüber glutenhaltigen Lebensmitteln scheint in den letzten Jahren zu steigen. Dabei wird neben den bereits gut bekannten Krankheitsbildern, der Zöliakie und der Weizenallergie, immer öfter eine weitere Form der Gluten- bzw. Weizenunverträglichkeit beschrieben und differentialdiagnostisch in Betracht gezogen – die NCGS (1).

Anders als bei der Zöliakie und der Weizenallergie sind die Pathogenese und Auslöser dieses Krankheitsbildes noch weitgehend unklar. Die Symptome von Patienten mit NCGS, wie beispielsweise gastrointestinale (u.a. Diarrhö, Obstipation, abdominelle Schmerzen, Blähungen) und extraintestinale Beschwerden (u.a. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Depression), ähneln stark denen einer Zöliakie. Doch bei NCGS setzen diese bereits rasch nach dem Verzehr von weizen-/glutenhaltigen Lebensmitteln ein. Eine Karenz dieser Nahrungsmittel führt in der Regel zu einer schnellen Besserung der Symptome (2). Bisher liegen keine geeigneten laborchemischen und histologischen Biomarker für eine eindeutige Diagnose der NCGS vor, sodass diese derzeit eine Ausschlussdiagnose darstellt, klar abgegrenzt von einer Zöliakie oder Weizenallergie. Obwohl die Betroffenen zumeist auf weizen-/glutenhaltige Nahrungsmittel reagieren, ist unklar ob das Gluten der Auslöser für die Beschwerden ist oder ob eine Beteiligung anderer Weizenbestandteile vorliegt. Insbesondere stehen die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) im Fokus (3) eine systemische Entzündungsreaktion auszulösen und maßgeblich für die intestinalen und extraintestinalen Beschwerden verantwortlich zu sein.

Als Mitauslöser von abdominellen Beschwerden werden ferner die sogenannten FODMAPs diskutiert. Dabei handelt es sich um kurzkettige, schwer verdauliche Kohlenhydrate, u.a. Laktose, Fruktose, Sorbit, Fruktane und Galaktane, die durch ihre bakterielle Fermentation im Dickdarm sowie durch ihre osmotische Wirkung gastrointestinale Symptome, wie Blähungen, Durchfall und abdominelle Schmerzen auslösen können (4). Extraintestinale Beschwerden gehören jedoch nicht zu dem Beschwerdekomplex der FODMAPs. Doch abgesehen von verschiedenen Getreidebestandteilen ist auch ein Einfluss der Darmbakterien bei einer NCGS denkbar. So wird eine Verschiebung der Darmflora, eine sogenannte Dysbiose, als wichtiger Einflussfaktor bei zahlreichen Erkrankungen, wie Übergewicht, Diabetes mellitus, Krebs und Lebererkrankungen, aber v.a. auch bei gastrointestinalen Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom und Zöliakie diskutiert. Verschiedene Studien konnten in Patienten mit Zöliakie unterschiedliche Bakterienpopulation im Vergleich zu gesunden Personen nachweisen (5, 6). Auch bei Zöliakiepatienten unter einer glutenfreien Diät und mit persistierenden Symptomen wurde eine Verschiebung der Darmflora beobachtet (7). Dies umfasste nicht nur einen verminderten mikrobiellen Reichtum sondern auch ein signifikant erhöhtes Vorkommen von Proteobakterien sowie ein erniedrigter Anteil an Bacteroidetes und Firmicutes im Dünndarm. Obwohl die bisherige Datenlage noch unklar ist, besteht in einigen Subgruppen der Zöliakie somit ein Hinweis für eine Dysbiose als mögliche Ursache für fortbestehende Symptome trotz glutenfreier Diät.

Das Mikrobiom kann durch zahlreiche exogene und endogene Einflüsse verändert werden und besonders die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. In Mausstudien konnte gezeigt werden, dass eine Diät die intestinale mikrobielle Zusammensetzung innerhalb kurzer Zeit verändern kann (8). Weitere Studien haben gezeigt, dass NCGS-Patienten vermutlich nicht nur von einer glutenfreien sondern auch von einer FODMAP-armen Diät profitieren (4, 9). Dabei scheint eine Restriktion der FODMAPs jedoch vor allem zu einer Reduktion der gastrointestinalen Symptome zu führen, während sich unter einer glutenfreien Diät der gesamte Beschwerdekomplex, inklusive extraintestinalen Symptomen, zu bessern scheint. Insbesondere bei der FODMAP-armen Diät könnte die Restriktion bestimmter Nahrungsmittelgruppen zu einer Veränderung der intestinalen Bakterienzusammensetzung und deren Metabolismus führen und somit die gastrointestinalen Symptome positiv beeinflussen.

Diätetische und mikrobielle Einflüsse bei NCGS: FODMAP-arme und glutenfreie Diät verbessert klinische Beschwerden

Um mögliche Unterschiede in der bakteriellen Zusammensetzung der Darmflora sowie deren Veränderung durch eine Ernährungsumstellung zu detektieren, wurden in einer Studie 19 NCGS-Patienten (33,8 ± 11,9 Jahre, 78,9% weiblich) und 10 gesunde Kontrollen (32,8 ± 10,9 Jahre, 70% weiblich), angepasst an Alter und Geschlecht, in die Studie eingeschlossen (Tab. 1) (10). Studienteilnehmer mit positiven Zöliakie-spezifischen Antikörpern, unspezifischen Nahrungsmittel-abhängigen Beschwerden sowie einer positiven Allergietestung auf Weizen wurden aus der Studie ausgeschlossen.

 
Tab. 1: Patientencharakteristik und Laborparameter (Daten sind angegeben in Mittelwert ± Standardabweichung oder Anzahl n (%)).
Parameter NCGS Gesunde Kontrollen p-Wert
Anzahl [n] 19 10 -
Alter [Jahre] 33,8 ± 11,9 32,8 ± 10,9 0,820
Frauenanteil 78,9 (15/4) 70,0 (7/3) 0,593
BMI [kg/m²] 22,9 ± 4,7 20,9 ± 2,8 0,214


 
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