Montag, 2. August 2021
Navigation öffnen
SchwerpunktOktober 2019
01. Oktober 2019
Seite 1/4

Arzt-Patienten-Kommunikation: Komplexe Diagnosen

Komplexe Diagnosen zu erklären ist wesentlicher Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation. Das Gespräch sollte sich keinesfalls auf einen Monolog beschränken, sondern interaktiv gestaltet werden. Damit hat der Patient die Möglichkeit, Fragen zu stellen, seine eigenen Gedanken und Sorgen zu äußern und an der Entscheidungsfindung teilzuhaben. Gute Gesprächsführung wirkt sich positiv auf das Gesundheitsverhalten von Patienten aus, sprich auf die Adherence und die Compliance, auf den Gesundheitszustand der Patienten, die Patientenzufriedenheit und die Patientensicherheit. So sind etwa 80% der Klagen wegen Behandlungsfehlern auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen. Auch die Arbeitszufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiter stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Qualität der Gesprächsführung (1). Das heißt, gute Gesprächsführung ist kein „nice to have“, sondern ein zentrales Werkzeug in der Medizin, ein wesentlicher Punkt für Gesundheits-Outcomes.
Anzeige:
OFEV
OFEV
Gelingt es, dem Patienten die Erkrankung verständlich zu machen, all seine Fragen zu beantworten, auf seine Emotionen, Sorgen, Zweifel und Erwartungen einzugehen und schließlich ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Entscheidungsfindung zu erzielen, ist der Patient ziemlich sicher mit an Bord, wenn es an die Umsetzung des Behandlungsplans geht.

Den Patienten abholen

Eine der großen Herausforderungen des Erklärens von komplexen Diagnosen ist es, das richtige Maß und die richtige Art der Information für jeden einzelnen Patienten bereitzustellen und in adäquater Weise zu vermitteln. Die Mehrzahl der Patienten will mehr wissen, als allgemein angenommen wird. Wenige Patienten möchten lieber nur das Nötigste an Information bekommen. Um nicht Gefahr zu laufen, zu viel oder zu wenig zu erklären, sollte man zunächst danach fragen, was der Patient bereits über seine Erkrankung weiß.
Sprich, man holt den Patienten dort ab, wo er sich im Moment befindet. Aber Achtung vor voreiligen Schlüssen: Das Milieu, aus dem ein Patient stammt, sagt manchmal nur wenig darüber aus, wie viel er über seine Erkrankung weiß! Nehmen wir das Beispiel Diabetes: Ein Universitätsprofessor für Physik hat unter Umständen weniger Ahnung von der Zuckerkrankheit als ein Bauarbeiter, der bereits sein halbes Leben mit der zuckerkranken Mutter verbracht hat. Eine Möglichkeit herauszufinden, was ein Patient bereits weiß, ist es, einfach danach zu fragen:
 
  • Arzt: „Ich würde gerne erfahren, was Sie bereits über Diabetes wissen.“
  • Patient: „Ich weiß ein bisschen darüber. Meine Mutter hat, seit ich ein Teenager war, Diabetes.“
  • Arzt: „Es wäre sehr hilfreich für mich zu erfahren, was genau Sie über die Erkrankung wissen und welche Fragen Ihnen auf der Zunge brennen“ (2).
Ebenfalls muss geklärt werden, wie viel ein Patient – im Moment – über seine Erkrankung erfahren will. Nehmen wir ein anderes Beispiel – einen Patienten mit neu diagnostiziertem Morbus Parkinson:
 
  • Arzt: „Es gibt sehr viel Information zum Thema Morbus Parkinson. Einige Patienten wollen gleich alles wissen, andere würden sich gerne auf das Wesentliche beschränken. Wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?“
  • Patient: „Im Moment bin ich etwas überfordert. Ich glaube nicht, dass ich jetzt besonders viel aufnehmen kann.“
  • Arzt: „Dann schlage ich vor, dass ich heute nur ein paar wenige Punkte mit Ihnen durchgehe und wir einen weiteren Termin ausmachen, bei dem vielleicht auch Ihre Frau dabei sein kann.“
Beim nächsten Termin hat der Patient den ersten Schock vielleicht schon verdaut und ist aufnahmefähiger.
Außerdem ist es wahrscheinlich hilfreich für den Betroffenen, wenn eine Person seines Vertrauens anwesend ist, für die die Informationen zur Erkrankung genauso relevant sind wie für ihn selbst.
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa
 

Das könnte Sie auch interessieren

An die Leber denken und Experten befragen: Kostenfreie Telefonaktion zum Deutschen Lebertag am 20. November

An die Leber denken und Experten befragen: Kostenfreie Telefonaktion zum Deutschen Lebertag am 20. November
© ag visuell / Fotolia.com

Bei einer großen Telefonaktion am 18. Deutschen Lebertag, der unter dem Motto „An die Leber denken!“ steht, beantworten sechs erfahrene Ärzte alle Anrufer-Fragen rund um die Themen Leber, Lebergesundheit und Lebererkrankungen. Am Montag, 20. November 2017, sind die Leber-Spezialisten von 14:00 bis 16:00 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 666 39 22 für jeden Interessierten und Betroffenen erreichbar. Mit diesem Angebot möchten die Ausrichter des 18. Deutschen Lebertages – Deutsche Leberstiftung, Deutsche Leberhilfe e. V. und Gastro-Liga e....

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen

Mehr allergische Reaktionen nach Wespenstichen
© abet - stock.adobe.com

Experten warnen in diesen Tagen in den Medien vor einem extremen Wespen-Sommer 2019. Normalerweise gehen uns die schwarz-gelben Insekten erst im August und September auf die Nerven, doch dank der Saharahitze gehen Fachleute nun von einer verfrühten Saison mit mehr Wespen aus. In den vergangenen beiden Sommern hielt sich die Plage laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse dagegen in Grenzen: Demnach wurde knapp jeder Fünfte von rund 1.000 Befragten mindestens einmal von einer Wespe gestochen. Nur 13 Prozent der Betroffenen sagten, dass...

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen
© Halfpoint - stock.adobe.com

Auch wenn es so klingt: Bei Angeboten einer „24-Stunden-Betreuung“ zu Hause kann die Pflegekraft nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es gilt das Arbeitszeitgesetz, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin. Somit sei ein Arbeitstag in der Regel nach maximal 10 Stunden zuzüglich Pause vorbei, auch wenn die Pflegekraft mit im Haus wohnt. Wer tatsächlich auf 24 Stunden Betreuung Wert legt, muss für die Ruhe- und Pausenzeiten der Pflegekraft genügend Ersatz einplanen.

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen

Lymphknoten–Transplantation: Hilfe bei Lymphödemen
© pixologic / fotolia.com

Neues Verfahren bietet erstmals Heilungschance bei Lymphstauungen. Vor allem Krebspatienten haben darunter zu leiden: Zwar ist der Krebs erfolgreich behandelt, doch zurück bleiben Folgen wie beispielsweise Lymphstauungen an Armen und Beinen. Meist handelt es sich um geschwollene, schmerzende Extremitäten, in denen die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen kann, weil das feine System der dafür nötigen Kanäle beschädigt wurde. Bisher konnten nur die Symptome gelindert werden, oft eine unbefriedigende und lebenslang leidvolle Situation für die Betroffenen. Die plastischen Chirurgen am...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Arzt-Patienten-Kommunikation: Komplexe Diagnosen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)