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Medizin

13. Mai 2019 Chronische spontane Urtikaria: Symptomkontrolle mit Omalizumab

Jucken, Schmerzen, Hautnesseln und urtikarische Ödeme über viele Jahre hinweg: Chronische spontane Urtikaria (csU) kann die Betroffenen sehr viel länger belasten als bisher angenommen. Über die Hälfte (57%) der therapierefraktären Patienten leidet mehr als ein Jahr unter der csU, fast jeder Fünfte (18%) ist sogar mehr als 8 Jahre von der Erkrankung betroffen (1). Das zeigen Daten der AWARE-Studie.
Furcht vor Erstickung

Unabhängig von der Erkrankungsdauer ist bei einem Großteil der Patienten die csU zudem immer wieder aktiv und unzureichend kontrolliert. Eine permanent inaktive csU erreicht derzeit nur eine Minderheit der Betroffenen. Für viele bleibt die Erkrankung unberechenbar. Die juckenden, schmerzenden Hautnesseln und Schwellungen, die ohne erkennbaren Grund auftreten, belasten die Patienten oftmals schwer. Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände können die Folge sein. Zwei Drittel (67%) fürchten sich vor lebensbedrohlichen Ödemen, die zum Ersticken führen können (2).

Ursache

Die schwerwiegenden Symptome gefährden nicht nur die aktive Teilhabe am Leben, sondern ebenso die Arbeitsfähigkeit und die Produktivität der Betroffenen: Fast ein Drittel (27%) der Patienten fehlt bei der Arbeit aufgrund ihrer csU doppelt so häufig wie die Allgemeinbevölkerung (3). Heute wird die csU als Autoimmunerkrankung verstanden, bei der Immunglobulin E (IgE) im Wechsel zwischen aktiven und inaktiven Phasen die Mastzellen ohne erkennbaren Grund aktiviert und Histamin ins Gewebe treibt (4-6). Das Identifizieren und Vermeiden von Modulatoren führt daher nur selten zu Beschwerdefreiheit, sodass eine symptomatische Therapie notwendig ist. Die aktuellen Leitlinien sehen dabei ein 4-Stufen-Schema vor, um Patienten von Jucken, Schmerzen und Beschwerden zu befreien. Tritt auch unter 4-facher Dosierung von H1-Antihistaminika (off-label) keine Besserung ein, ist die zusätzliche Therapie mit Omalizumab (Xolair®) indiziert (7).

IgE-Hemmung durch Omalizumab

Omalizumab ist bei Patienten mit csU ab 12 Jahren zugelassen, die trotz Einnahme von H1-Antihistaminika weiterhin unter der Erkrankung leiden (8). Es wirkt dem für die Histaminausschüttung ursächlichen IgE gezielt entgegen und reduziert effektiv Hautnesseln, Jucken und Ödeme. „Omalizumab verhindert damit bereits im Vorfeld die Degranulation der Mastzellen. Im Gegensatz zu konventionellen Antihistaminika wirkt es damit nicht reaktiv, sondern proaktiv auf den zentralen Pathomechanismus der csU“, erläutert Privatdozent Dr. Karsten Weller, Charité-Universitätsmedizin Berlin. In der XTEND-Studie waren bereits nach 4 Wochen 38,2% der Patienten fast bzw. 17,6% der Patienten vollständig beschwerdefrei (9). Bis Woche 24 stieg dieser Anteil auf 73,0% bzw. 52,0% an, der UCT-Wert (Urtikariakontrolltest) von 12,1 spiegelt dies als gute Therapiekontrolle wider.

Studiendaten

Der wöchentliche Urtikaria-Aktivität-Score (UAS7) verringerte sich im Mittel um 80% (9). Die Lebensqualität gemessen anhand des Dermatology Life Quality Index (DLQI) verbesserte sich unter der Therapie erheblich, Schlafstörungen gemessen am Insomnia Severity Index (ISI) konnten mit Omalizumab deutlich reduziert werden (10). 80% der Patienten erzielten nach 48 Wochen eine Krankheitskontrolle gemäß des Urtikariakontrolltests (UCT) (10). Daten der X-ACT-Studie zeigten zudem, dass die Behandlung mit Omalizumab die Zahl der Ödem-freien Tage pro Woche verdreifachte und die Schwere der Schwellungen reduzierte. Die Patienten litten nach 28-wöchiger Therapie mit Omalizumab weniger häufig unter Angst vor Erstickung oder vor lebensbedrohlichen urtikarischen Ödemen (2). Omalizumab reduzierte zudem die Wahrscheinlichkeit von Depressionen (2). Im Dezember 2018 erhielt Omalizumab die Zulassung zur Selbstapplikation und kann Patienten mit csU damit eine flexiblere Behandlung in den eigenen 4 Wänden bieten.

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Maurer M et al. EAACI 2018. Abstract #814.
(2) Staubach P et al. Allergy. 2018; 73 (3): 576-584.
(3) Techniker Krankenkasse. Gesundheitsreport 2017.
(4) Kolkhir P et al. J Allergy Clin Immunol 2017; 139( 6): 1772-81.e1.
(5) Wernersson S et al. Nat Rev Immunol. 2014;14 (7): 478-94.
(6) Maurer M et al. ärztliches journal dermatologie. 2018; 2: 2-4.
(7) Zuberbier T et al. Allergy. 2018; 73 (7): 1393-1414.
(8) Fachinformation Xolair®.
(9) Casale TB et al. J Am Acad Dermatol. 2018; 78 (4): 793-795.
(10) Maurer M et al. J Allergy Clin Immunol. 2018; 141 (3): 1138-1139.e7.
 


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