Journal MED
Hepatitis D

Was ist Hepatitis D?

Die Hepatitis D ist eine durch das Hepatitis-D-Virus (HDV) verursachte Leberentzündung, die eine einzigartige Abhängigkeitsbeziehung zum Hepatitis-B-Virus aufweist. Das HDV ist ein defektes RNA-Virus, das für seine Replikation zwingend auf die Anwesenheit des Hepatitis-B-Virus angewiesen ist – eine HDV-Infektion ist daher ausschließlich als Koinfektion oder Superinfektion bei Patient:innen mit chronischer Hepatitis B möglich. Die HDV-HBV-Koinfektion gilt als die schwerwiegendste Form der chronischen Virushepatitis mit signifikant beschleunigter Progression zum hepatozellulären Karzinom und erhöhter leberbezogener Mortalität.

Wie häufig ist Hepatitis D und wer ist betroffen?

Wie ist die weltweite Situation?

Das Hepatitis-D-Virus betrifft weltweit etwa 5% aller chronisch HBV-infizierten Patient:innen. Die HDV-Koinfektion erklärt dabei etwa jeden fünften Fall von Lebererkrankungen und Leberkarzinomen bei HBV-infizierten Patient:innen. Weltweit sind mehr als 10 Millionen Menschen mit HDV infiziert. Geografische Hotspots mit hoher HDV-Prävalenz umfassen die Mongolei, die Republik Moldau sowie Länder in West- und Zentralafrika. Die Verbreitung folgt zwei charakteristischen epidemiologischen Mustern: Während im mediterranen Raum die HDV-Infektion endemisch unter HBV-Träger:innen auftritt und über engen persönlichen Kontakt übertragen wird, konzentriert sich die Verbreitung in Westeuropa und Nordamerika auf vulnerable Gruppen mit Blutexpositionen, insbesondere Menschen mit intravenösem Drogenkonsum.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland sind HDV-Neuinfektionen selten. Im Jahr 2023 wurden 129 Hepatitis-D-Virus-Infektionen aus 15 Bundesländern übermittelt. Die Geschlechterverteilung zeigt eine männliche Dominanz mit 69% der Fälle, während 83% der Infektionen in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen auftraten – hier lag auch die höchste Inzidenz mit 0,2-0,4 Infektionen pro 100.000 Einwohner:innen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Auf Virushepatitis testen: Hepatitis-Vorsorge ist Krebs-Vorsorge

Jetzt lesen

Wie wird Hepatitis D übertragen?

Die Übertragung erfolgt primär parenteral sowie per- und mukokutan durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Zu den Risikogruppen zählen:

  • Indigene Bevölkerungsgruppen mit hoher HBV-Prävalenz

  • Menschen mit intravenösem Drogenkonsum durch gemeinsame Nutzung von Injektionsutensilien

  • Patient:innen mit Hepatitis-C- oder HIV-Koinfektion

  • Dialysepatient:innen aufgrund wiederholter Blutexpositionen

  • Männer, die Sex mit Männern haben

  • Sexarbeiter:innen durch erhöhte Exposition

Welche Symptome hat eine Hepatitis D?

Koinfektion

Bei einer gleichzeitigen Infektion mit HBV und HDV entwickelt sich typischerweise eine akute Hepatitis mit mildem bis schwerem Verlauf. Die klinischen Symptome sind nicht von anderen akuten Virushepatitiden zu unterscheiden und manifestieren sich üblicherweise drei bis sieben Wochen nach der Erstinfektion. Charakteristische Symptome umfassen:

  • Allgemeinsymptome: Fieber, Fatigue und Appetitlosigkeit

  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen

  • Dunkler Urin, heller Stuhl, Ikterus

Die Prognose bei Simultaninfektion ist günstig: Eine vollständige Ausheilung ist die Regel, fulminante Verläufe sind selten, und die Progression zu einer chronischen Hepatitis D tritt in weniger als 5% der Fälle auf.

Superinfektion

Die HDV-Superinfektion bei bereits chronisch HBV-infizierten Patient:innen zeigt einen deutlich aggressiveren Verlauf. In 70-90% der Fälle führt die Superinfektion zu einer Krankheitsprogression mit beschleunigter Entwicklung schwerwiegender Komplikationen.

AdobeStock_508215111

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Hepatitis D: Wenn das Immunsystem aus dem Ruder läuft

Jetzt lesen

Wie diagnostiziert man eine Hepatitis D?

Da das Hepatitis-D-Virus ausschließlich bei bestehender HBV-Infektion replizieren kann, muss zunächst eine aktive oder chronische Hepatitis B nachgewiesen werden, bevor eine HDV-Diagnostik überhaupt sinnvoll ist. Die serologische Diagnostik bildet den ersten Schritt und erfolgt über den Nachweis von Anti-HDV-IgG-Antikörpern, die eine stattgehabte oder aktuelle HDV-Exposition anzeigen.

Die molekularbiologische Diagnostik mittels HDV-RNA-Nachweis durch RT-PCR stellt den zweiten Schritt dar. Durch den direkten Nachweis der viralen RNA kann eine aktive, virämische Infektion bestätigt werden, was sowohl für die definitive Diagnosestellung als auch für das Monitoring des Therapieansprechens unter antiviraler Behandlung essentiell ist. Nur die Kombination beider diagnostischer Ansätze ermöglicht eine vollständige Beurteilung des HDV-Infektionsstatus und bildet die Grundlage für therapeutische Entscheidungen.

Wie therapiert man Hepatitis D?

Bis vor kurzem stellte pegyliertes Interferon α (PEG-IFNα) die einzige verfügbare Behandlungsoption für chronische HDV-Infektionen dar. Diese Therapie wird in Hochdosierung empfohlen und kann bei einem Teil der Patient:innen Remissionen erzielen. Allerdings ist die Anwendung durch erhebliche Limitationen geprägt. Ein bedeutender Durchbruch gelang 2023 mit der Zulassung von Bulevirtid durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Der Entry-Inhibitor verhindert Eindringen von HDV in Hepatozyten und setzt damit direkt am Infektionszyklus des Virus. Das Medikament wird einmal täglich als subkutane Injektion verabreicht und ist für Erwachsene mit chronischer HDV-Infektion und kompensierter Lebererkrankung zugelassen. Ein wesentlicher Vorteil von Bulevirtide liegt in seinem günstigeren Nebenwirkungsprofil im Vergleich zu Interferon, was die Behandlung für Patient:innen deutlich verträglicher macht und neue Perspektiven für eine effektive HDV-Therapie eröffnet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

HDV: Schließt Bulevirtid die Versorgungslücke?

Jetzt lesen

Wie kann man einer Hepatitis D vorbeugen?

Die Prävention der Hepatitis D konzentriert sich primär auf die Verhinderung von HBV-Übertragungen, da eine HDV-Infektion ausschließlich bei bestehender Hepatitis-B-Infektion auftreten kann. Diese Präventionsstrategie macht die HBV-Impfung zur wirksamsten Maßnahme gegen beide Virusinfektionen. Ergänzend zur Immunisierung sind weitere Maßnahmen zur Reduktion der HBV-Transmission essentiell, darunter Blut- und Injektionssicherheit und Safer Sex.

Patient:innen-FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Hepatitis D

Rund um das Thema Hepatitis D stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.

Literatur:

(1)

RKI-Ratgeber: Hepatitis B und D, abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HepatitisB.html, zuletzt abgerufen am 21.08.2025.

(2)

WHO: Hepatitis D, abrufbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-d, zuletzt abgerufen am 21.08.2025.

Medizin

Hepatitis D: Ansätze der personalisierten Infektiologie

Hepatitis D ist die bei weitem schwerste Form der chronischen Virushepatitis, die häufig zu Leberversagen, Leberkrebs und zum Tod führt. Allerdings ist das Wissen über die Erkrankung bislang noch sehr begrenzt. Auch der Grund, weshalb Betroffene sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe haben, ist noch unbekannt. Das soll ein internationales Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), nun klären. Gemeinsam mit dem Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM), einer Einrichtung der MHH und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, will das Forschungsteam eine große multizentrische Kohorte von Hepatitis D Patient:innen untersuchen, um besser zu verstehen, welche persönlichen Merkmale den Ausgang der Infektion bestimmen. Das Projekt D-SOLVE („Understanding the individual host response against Hepatitis D Virus to develop a personalized approach for the management of hepatitis D“) wird von der Europäischen Union über 4 Jahre mit insgesamt 6,75 Millionen Euro gefördert. Davon gehen rund 2 Millionen Euro an die MHH.
Lesen Sie mehr