Mittwoch, 17. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

16. Mai 2017 Medizinstudentinnen schneiden bei Reanimationsmaßnahmen schlechter ab als männliche Kollegen

Spielt es eine Rolle, ob Wiederbelebungsmaßnahmen von einer Frau oder einem Mann durchgeführt werden? Forschender konnten zeigen, dass weibliche Reanimationsteams die Herzdruckmassage weniger effizient ausführen als männlichen Testpersonen. Die Studie sieht Handlungsbedarf bei der Ausbildung junger Ärztinnen.
Anzeige:
Bei einem Herzkreislaufstillstand zählt jede Sekunde. Wissen, Können und Zusammenspiel des Reanimationsteams sind für eine schnelle und erfolgreiche Behandlung entscheidend. Aus früheren Studien ist bekannt, dass eine effiziente und starke Führungskommunikation die Überlebenschancen des Patienten verbessert. Eine entsprechende Kommunikation wird deshalb auch in der medizinischen Ausbildung gelehrt.

Wie sich allerdings das Geschlecht auf die Reanimationssituation auswirkt, ist bisher wenig erforscht. Eine Studie der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel hat nun die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Medizinstudierenden bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung bezüglich Durchführung und Führungskommunikation untersucht.

Männer zeigen stärkere Führungsleistung in Notfallsituationen

216 Medizinstudierenden (108 Frauen und 108 Männer) wurden für die Studie in Dreiergruppen eingeteilt. Ein Basler Forschungsteam dokumentierte und untersuchte die Leistung der einzelnen Gruppen während eines simulierten Herzkreislaufszenarios. Der Fokus lag dabei einerseits auf der sogenannten "hands-on time", also der ununterbrochenen Herzdruckmassage während den ersten drei Minuten nach Auftreten des Herzkreislaufstillstandes. Andererseits hielten die Basler Forscher fest, wie häufig die Testpersonen deutliche Führungsaussagen machten, also verbale Äußerungen, die beispielsweise die Aufgabenverteilung festlegen oder die korrekte Durchführung sicherstellen.

"Verglichen mit reinen Männerteams zeigten die Frauengruppen weniger hands-on time und brauchten insgesamt länger, bis sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begannen", sagt Prof. Sabina Hunziker, Studienleiterin. Außerdem gab es in reinen Frauenteams weniger Führungskommunikation verglichen mit reinen Männerteams. Auch in gemischten Teams machten Frauen signifikant weniger klare Führungsaussagen als Männer.

Geschlechterspezifische Ausbildung

Die Resultate zeigen, dass es wichtige Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Reanimierenden gibt. Obwohl die Medizinstudentinnen über mindestens das gleiche theoretische Wissen verfügen wie ihre männlichen Kollegen, haben sie insgesamt eine schlechtere Leistung gezeigt. "Dies legt nahe, dass Frauen für Notfallsituationen gezielter vorbereitet und geschult werden müssten", so Hunziker. Angesichts der Zunahme des Frauenanteils im Medizinstudium zeigt die Studie auch die Wichtigkeit der Genderforschung für eine gezielte und effektive Ausbildung.

Quelle: Universität Basel

Literatur:

Simon Adrian Amacher, Cleo Schumacher, Corinne Legeret et al.
Influence of Gender on Team Performance of Cardio Pulmonary Rescuers: A Randomized Prospective Simulator Study
Critical Care Medicine (2017) | DOI: 10.1097/CCM.0000000000002375
http://journals.lww.com/ccmjournal/Abstract/publishahead/Influence_of_Gender_on_the_Performance_of.96610.aspx


Das könnte Sie auch interessieren

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz

Es ist mehr als nur eine Ausrede: Migräne am Arbeitsplatz
© deagreez / fotolia.com

Mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit zur Arbeit? Für viele Migränepatienten ist das Alltag. Ein Großteil der 900.000 an Migräne leidenden Deutschen schleppt sich trotz starker Schmerzen zur Arbeit – aus Angst einen schlechten Eindruck bei Arbeitskollegen und Vorgesetzten zu hinterlassen. Denn wer über Kopfschmerzen klagt, trifft immer noch auf Vorurteile. Nicht selten wird Migräne belächelt und als Ausrede abgetan. Zum Tag der Arbeit berichten Migränepatienten und Nutzer der Kopfschmerz- und...

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Fast jeder kennt Kreuzschmerzen. Sie sind in den meisten Fällen harmlos und gehen nach kurzer Zeit von alleine wieder weg. Halten die Schmerzen jedoch länger an, fragen sich viele Betroffene, woher ihre Beschwerden kommen. Wichtig für Sie zu wissen ist: Auch alltägliche, seelische oder berufliche Probleme können Kreuzschmerzen hervorrufen und deren Verlauf beeinflussen. Deshalb soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie vor und während der Behandlung gezielt auf Belastungen im Privatleben und am Arbeitsplatz ansprechen.

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente – welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz". Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Medizinstudentinnen schneiden bei Reanimationsmaßnahmen schlechter ab als männliche Kollegen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.