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Medizin

20. Januar 2020 Chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie: Gute Wirksamkeit von SCIg in Erhaltungstherapie

Die chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP) sollte so früh wie möglich diagnostiziert werden, um rechtzeitig eine adäquate Behandlung einleiten zu können. Nur so lassen sich irreversible Schädigungen der Axone vermeiden. Zur Erhaltungstherapie steht CIDP-Patienten, die bereits auf intravenöses Immunglobulin (IVIg) angesprochen haben, seit 1,5 Jahren alternativ das erste und einzige subkutane Immunglobulin (SCIg, Hizentra®) zur Verfügung. Die ersten Real-Life-Erfahrungen, die jetzt bei einer Veranstaltung von CSL Behring anlässlich des DGN-Kongresses in Stuttgart vorgestellt wurden, bestätigen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von SCIg aus der zulassungsrelevanten PATH-Studie (1).
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EFNS-Kriterien – Basis für die CIDP-Diagnostik

Die seltene Autoimmunerkrankung CIDP stellt zusammen mit Ihren Varianten die häufigste Form unter den immunvermittelten Neuropathien dar (2). Die Prävalenz liegt bei bis zu 9 Fällen pro 100.000 Einwohner (3, 4). Sie verläuft progressiv oder schubförmig und ist klinisch durch proximale und distale symmetrische Paresen der Arme und Beine sowie Sensibilitätsstörungen charakterisiert (2, 5). Zur CIDP-Diagnose haben sich die Kriterien der European Federation of Neurological Sciences (EFNS) etabliert. Liegt eine symmetrische oder asymmetrische Poly(radikulo)neuropathie mit schubförmigem Verlauf oder Progression über mehr als 2 Monate, insbesondere bei Vorliegen von positiven sensorischen Symptomen, proximaler Schwäche, Areflexie ohne Atrophie oder vornehmlichem Verlust des Vibrationssinnes oder des Lagesinnes vor, sollte eine CIDP in Betracht gezogen werden. Obligat ist eine neurophysiologische Untersuchung, wobei für die definitive Diagnose mindestens eines von sieben spezifischen Kriterien erfüllt sein muss (6, 7). „Auch ein Ansprechen auf eine Immuntherapie ist ein supportives diagnostisches Kriterium“, so Prof. Dr. JensSchmidt, Göttingen, im Rahmen der Veranstaltung.
 
CIDP-Therapie so früh wie möglich

Die Therapie sollte nach Diagnosestellung zeitnah erfolgen, um irreversible axonale Schädigungen möglichst zu vermeiden. Die aktuelle DGN-Leitlinie zu immunvermittelten Neuropathien empfiehlt für die Akuttherapie 3 ähnlich wirksame Optionen: intravenöse Immunglobuline (IVIg), Glukokortikosteroide und Plasmapherese (8). In der Langzeittherapie sind Steroide allerdings meist keine Option und gerade bei Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose problematisch. Und die Plasmapherese ist für die Langzeitanwendung nicht geeignet.
In der Erhaltungstherapie steht jetzt für eine wirksame Symptomkontrolle – alternativ zu IVIg – erstmalig eine subkutane Ig-Applikation, SCIg, zur Heimselbsttherapie zur Verfügung (9, 10). Die Zulassung des 20%igen subkutanen Immunglobulins gründet auf den Ergebnissen der PATH-Studie (1). „Sie ist die bisher größte internationale, doppelblinde Phase-III-Studie in dieser Indikation“, erläuterte Schmidt. „Die Daten sprechen dafür, dass die Erhaltungstherapie mit SCIg gut vertragen wird und zur Stabilisierung der Erkrankung beiträgt“. Während IVIg alle 3-4 Wochen in einer Dosis von 1 g/kg Körpergewicht (KG) stationär oder ambulant in einem Therapiezentrum intravenös infundiert wird, kann SCIg in der Regel wöchentlich und dann in niedrigerer Dosierung bei gleichbleibender monatlicher Gesamtdosis zuhause vom Patienten selbst appliziert werden (9). Die wöchentliche SCIg-Gabe führt zu gleichmäßigeren IgG-Spiegeln, wodurch der unter IVIg am Ende des Dosierungsintervalls mögliche „Wear-off-Effekt“ (Nachlass-Effekt) vermieden werden kann (1, 9). Im EuroQoL-Fragebogen der PATH-Studie zeigte sich außerdem eine Steigerung der Lebensqualität der Patienten unter SCIg in den Dimensionen Mobilität, Selbstfürsorge, Angst/Depression, Alltagsaktivitäten und Schmerzen/Unwohlsein im Vergleich zur Placebogruppe (1).
 
Umstellung von IVIg auf SCIg

Medizinische und psychosoziale Kriterien entscheiden darüber, welcher CIDP-Patient für eine Umstellung geeignet ist. Eine Umstellung empfiehlt sich Experten zufolge z.B. bei Patienten mit „Wear-off-Effekt“ oder ausgeprägten Nebenwirkungen unter IVIg-Gabe oder schlechtem Venenstatus (9). „Vor der Umstellung ist die Aufklärung, eine gründliche Einweisung und das Erwartungsmanagement im Rahmen einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Kommunikation wichtig“, betonte Prof. Dr. Min-Suk Yoon, Hattingen. „Die Patienten müssen vor der Umstellung darauf vorbereitet werden, dass der von manchen Patienten unter IVIg durch den initial hohen IgG-Spiegel erlebte ‚Kick‘ ausbleibt“, so Yoon weiter. Dafür ist aufgrund des gleichmäßigen IgG-Spiegels unter SCIg aber auch nicht mit einer Verschlechterung im Intervall bis zur nächsten Ig-Gabe zu rechnen. Da es einige Zeit dauern kann, bis sich ein stabiler IgG-Spiegel unter SCIg eingependelt hat, ist ein gutes Monitoring in der Umstellungsphase wichtig.  
 
SCIg bei CIDP: Gute Erfahrungen aus der Praxis

„An der Medizinischen Hochschule Hannover drängen viele unserer CIDP-Patienten auf eine Umstellung ihrer Therapie – sie hören von den sehr guten Erfahrungen anderer Patienten auf SCIg“, berichtete Prof. Dr. Martin Stangel, Hannover. Eine Auswertung der Daten von 74 CIDP-Patienten auf Heimselbsttherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ergab folgende 3 Hauptgründe für eine Umstellung: ‚Krankenhausaufenthalte vermeiden‘, ‚Anreise vermeiden‘ und ‚Wear-off-Effekte bei IVIg-Therapie‘. Gegen einen Wechsel sprachen: ‚Sicherheitsgefühl im Krankenhaus‘, ‚IVIg-Wirksamkeit noch nicht ausreichend bestätigt‘ und ‚traut es sich nicht zu‘. Die Experten waren sich einig, dass es sich bei der Entscheidung für die subkutane Therapie um eine gemeinsame Arzt-Patienten-Entscheidung handelt. Die Lebensqualität der Patienten kann von den diversen Vorteilen profitieren. „CIDP-Patienten können ihren Alltag wieder besser planen ­– dank geringerer Fluktuationen und flexiblem Therapiemanagement“, so Stangel abschließend.

Quelle: CSL

Literatur:

(1)   van Schaik IN et al., Lancet Neurol 2018, 17: 35-46 (PATH-Studie).
(2)   Grimm A et al., Fortsch Neurol Psychiatr 2018, 86: 439-452.
(3)   Laughlin RS et al., Neurology 2009, 73: 39-45.
(4)   Hughes RA, J Clin Immunol 2010, 30 (Suppl 1): 70-73.
(5)   Mäurer M, Immunneuropathien, aus: Autoimmunerkrankungen in der Neurologie, Hrsg. Stangel, Mäurer, 2012, Springer Verlag, S. 134.
(6)   van den Berg PY et al., Eur J Neurol 2010; 17: 356-363.
(7)   Stangel M, Kieseier BC, Akt Neurol 2011, 38: 284-291.
(8)   Sommer C et al., DGNeurologie 2018, 1: 89-103.
(9)   Aktuelle Neurologie, Blickpunkt Medizin: Therapie mit Immunglobulinen bei CIDP. Empfehlung zum Vorgehen bei der Umstellung von IVIg auf SCIg in der klinischen Praxis, Heft 8, Oktober 2018.
(10) Fachinformation Hizentra®, Stand Februar 2019.


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