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Medizin

25. Oktober 2018 Deutschlands größte Biobank offiziell eröffnet

In Oberschleißheim bei München lagern Millionen Blut-, Stuhl- und Urinproben in einem neuen, riesigen Kühltresor. Wissenschaftler erhoffen sich dort weitere Schritte auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin - und stellen sich die ganz großen philosophischen Fragen.
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Blut, Stuhl und Urin bei bis zu minus 180 Grad tiefgefroren - und von Robotern bewacht. In Oberschleißheim bei München steht Deutschlands größtes Lager für menschliche Bioproben. Das «Nako Biorepository» des Helmholtz Zentrums München wurde am 24.10.2018 offiziell eröffnet. Von einem "Schatz für die deutsche Forschung und Wissenschaft" sprach der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München, Matthias Tschöp - und von einem "Meilenstein".

Insgesamt rund 21 Millionen Proben in kleinen Röhrchen sollen in riesigen Tanks bei minus 80 oder minus 180 Grad Celsius gefroren lagern. Gekühlt wird mit Stickstoff. Das hat den Vorteil, dass die Tanks ihre Temperatur bis zu 2 Wochen lang halten können, sollte der Strom einmal ausfallen. "Das größtmögliche Level der Vorsicht", sagte Andreas Hörlein, Chef der neuen Biobank.

Das Lager ist vollautomatisiert. Einsortiert und bei Bedarf wieder herausgesucht werden die Proben computergesteuert von einem Roboter. "Das Problem ist der Mensch", sagte Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums. "Beim Einsortieren sind die Roboter überlegen."

"Ein Probenspeicher der Superlative", sagte Johannes Eberle aus dem bayerischen Wissenschaftsministerium in Vertretung für seine Chefin, Ministerin Marion Kiechle. In dem Tresor können große Probenmengen bis zu 30 Jahre lang gelagert werden. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es in Deutschland nicht.

Die Proben, die nun bei München im Riesenkühlschrank stehen, stammen aus der Nako-Gesundheitsstudie, einer bundesweiten Untersuchung mit 200.000 Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 69 Jahren, die 2014 startete. Eberle nennt die auf 30 Jahre angelegte Studie, die in 10 Jahren rund 255 Millionen Euro kostet, "das zentrale Projekt der epidemiologischen Forschung in Deutschland" und einen "Beitrag für die Gesundheit künftiger Generationen."

Seine Chefin Kiechle ließ mitteilen: "Wir müssen Antworten finden auf die drängenden Fragen unserer Zeit." Von der Nako-Gesundheitsstudie erwartet sie viele wertvolle Erkenntnisse zur Früherkennung und Prävention der großen Volkskrankheiten. Denn Ziel der Studie ist es, die Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt besser zu verstehen und herauszufinden, warum der eine krank wird und der andere gesund bleibt und was genetische Veranlagung und Umweltfaktoren damit zu tun haben.

"Wir wollen zum Beispiel die Frage beantworten, warum der Anteil an Diabetikern im Nordosten von Deutschland doppelt so hoch ist wie im Südwesten", sagte Peters, die auch Vorsitzende der Nako-Gesundheitsstudie ist, die ursprünglich übrigens "Nationale Kohorte" hieß, nach Irritationen aber umbenannt wurde.

Die Wissenschaftler hätten mit dem Lager in Oberschleißheim nun eine "neue Verantwortung für Daten und Bioproben", sagte Peters. Die Proben und die Adressen der Probanden würden beispielsweise getrennt aufbewahrt, um zu gewährleisten, dass die Ergebnisse nicht in falsche Hände kommen.

Die Forscher erhoffen sich von der Untersuchung und den großen, zentral gelagerten Probenmengen auch weitere Schritte auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin, die Risikofaktoren für jeden Einzelnen anhand der Daten aus seinem Blut, Urin, Stuhl und weiteren Untersuchungsergebnissen analysiert. Damit sollen Krankheiten im besten Fall erkannt werden, bevor sie überhaupt entstehen.

"Der Wissenschaft stellen sich dadurch Fragen, die eigentlich bislang der Philosophie vorbehalten waren. Wie viel kann ich selbst bestimmen und wie viel ist schon festgelegt?», sagte Peters. Völlig unklar ist auch noch eine Finanzierung für jeden einzelnen Menschen. Wie kann sichergestellt werden, dass nicht nur reiche Menschen es sich leisten können, Prognosen erstellen zu lassen, ob und wann sie an Krebs erkranken oder wie hoch ihr ganz persönliches Herzinfarkt-Risiko ist? Und was sagen eigentlich die Krankenkassen dazu?

Quelle: dpa


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