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Medizin

15. September 2014 Heiserkeit: Differentialdiagnose und Therapieoptionen

Eine Heiserkeit, die länger als 10 Tage besteht, sollte auch vom HNO-Arzt oder vom Phoniater abgeklärt werden. Chronische Heiserkeit kann vielfältige funktionelle und organische Ursachen haben, von Atemwegsinfekten über irritative Reize, psychische Belastungen bis zur Überforderung des Stimmapparats in Sprechberufen.  Gemeinsamer Befund sind häufig Pharyngitiden mit gestörter Sekretbildung und Austrocknung der Schleimhäute. Ergänzend zur adäquaten Behandlung einer Grunderkrankung, z. B. einer Infektion, werden häufig lokaltherapeutische Maßnahmen empfohlen. Einen belegten Nutzen haben mucilaginöse Lutschtabletten mit Hydrogel-Komplex, welche reizlindernd wirken und die Regeneration der Schleimhaut beschleunigen. So das Fazit der Podiumsdiskussion "Heiserkeit: Differentialdiagnose und Therapie" am 25. Juni in Hamburg.

Unter dem Begriff Heiserkeit werden alle Stimmklänge mit pathologischen Geräuschanteilen zusammengefasst. Den Zusammenhang zwischen Heiserkeit und Entzündungen im Mund-Rachenraum beschrieb plastisch Dr. med. Jan Baade, Facharzt für Phoniatrie, Pädaudiologie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Kiel. An der physiologischen - und pathologischen - Stimmbildung sind Lunge, Larynx und Pharynx beteiligt. Die Lunge als „Motor“ der Stimme sorgt zunächst für einen kontinuierlichen Luftstrom, der jedoch noch keinen Klang hat. Hauptorgan der Stimmerzeugung (das „Getriebe“ der Stimme) ist der rein muskulär aufgehängte Kehlkopf. Er modifiziert den steten Ausatemstrom der Lunge zu einer diskontinuierlichen Grundfrequenz. Die differenzierte Feingestaltung dieser Schwingung im Mund-Rachenraum mit dem Ansatzrohr als Resonator lässt die kunstvollen Endprodukte "Sprechstimme" und "Singstimme" entstehen.

Heiserkeit im Sinne von Reinheitsstörungen der Stimme kann vielfältige funktionelle und organische Ursachen haben: Dazu zählen z. B. der falsche Einsatz der Stimme, Schleimhautentzündungen durch Infektionen oder Austrocknung der Schleimhaut durch trockene Raumluft. Funktionelle Dysphonien sind insofern bedeutsam, als dass die Stimme zwar vom Stimmapparat gebildet wird, dieser jedoch in hohem Maße auf psychische Einflüsse reagiert. Eine gestörte Stimmbildung besteht häufig bei infektiös bedingten Schleimhautentzündungen im Bereich von Rachen (Pharyngitis), Mandeln (Tonsillitis) und/oder Kehlkopf (Laryngitis).

Lokaltherapie

Zur Behandlung von Halsweh und Heiserkeit werden rezeptfrei eine Vielzahl von Lutschtabletten, Gurgellösungen und Rachensprays angeboten. Synthetische "Rachentherapeutika" enthalten Antiseptika, Lokalanästhetika oder beides, manche lokal wirksame Antibiotika. Unter anderem die DEGAM-Leitlinie (1) "Halsschmerz" verneint die Sinnhaftigkeit dieser Antiseptika (z. B. Chlorhexidin), da sie an der Oberfläche wirken, während sich die wesentliche Infektion in der Tiefe des Gewebes abspielt. Mögliche bakterizide oder bakteriostatische Effekte der Substanzen sind bei viralen Racheninfektionen ohnehin irrelevant. Hingegen haben mucilaginöse (schleimhautauskleidende) Halstabletten positive Effekte durch die Stimulation der Speichelbildung und die Befeuchtung der Schleimhäute.

Einen besonders prolongierten Effekt entfalten Halstabletten, in denen Hyaluronsäure, Carbomer und Xanthan kombiniert sind (GeloRevoice® Halstabletten) Die physiologisch vorkommende Hyaluronsäure hat die Fähigkeit, relativ zu ihrer Masse ein Vielfaches an Wasser zu binden. Zusammen mit den Hydrogelbildnern Carbomer und Xanthan bildet sich beim Lutschen ein viskoelastischer Hydrogel-Komplex, der die trockene oder entzündete Schleimhaut mit einem Schutzfilm überzieht. Mineralstoffe und ein leichter Brauseeffekt stimulieren zusätzlich die Speichelbildung. Unterm Strich werden Missempfindungen und Irritationen gelindert, gereizte Schleimhautbereichen werden geschützt und können sich regenerieren.

Belegte Wirksamkeit

Nach Behrbohm‘s Worten handelt es sich bei GeloRevoice® Halstabletten um das  mucilaginöse Präparat mit belegtem Wirknutzen. Beispielhaft referierte er eine multizentrische prospektive klinische Studie (2), an der 958 Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege im Winter 2010/2011 teilnahmen. Bei jedem Patienten wurden in 326 HNO-Praxen vor Behandlungsbeginn (Visite 1) und nach 5 +/- 2 Tagen Behandlung (Visite 2) Vorkommen und gegebenenfalls Intensität der folgenden Symptome erfasst: Heiserkeit, Halsschmerzen, Kratzen im Hals, Hustenreiz, „trockener Hals“ und Schluckbeschwerden. Zusätzlich wurde bei Visite 1 und 2 ein Patientenfragebogen ausgefüllt. Die Patienten lutschten nach Bedarf täglich alle 2 bis 3 Stunden eine Tablette GeloRevoice®. Im Ergebnis verzeichnete man am Beobachtungsende im Vergleich zum ersten Tag bei den meisten Symptomen etwa eine Halbierung der durchschnittlichen Intensität. Nahezu 39% der Patienten und 37% der Ärzte schrieben der Therapie einen sehr guten Wirknutzen zu. 43% bzw. 48% beurteilten ihn mit "gut". Jeweils etwa 41% der Patienten gaben eine Wirkdauer der Lutschtablette (Verbleib auf der Schleimhaut) bis zu 30 Minuten bzw. bis 60 Minuten an, 18% eine längere Zeitspanne.

Literaturhinweise:
(1) Wächtler H, Chenot JF (2009) Halsschmerzen. DEGAM-Leitlinie Nr. 14. omikron publishing, Düsseldorf
(2) Hydrogel-Komplex bei Halsbeschwerden, Forum Kompakt HNO, 05/2011

Quelle: Pohl-Boskamp


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