Mittwoch, 11. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

22. November 2018 Morbus Fabry: Up-Date zu Diagnostik und Behandlung

Im Jahr 1898 wurde Morbus Fabry erstmals und zeitgleich von 2 Ärzten beschrieben. 120 Jahre später wissen wir viel über diese Krankheit und deren vielfältige, unspezifische und im Verlauf variablen Symptome. Doch genau dies macht die frühzeitige und korrekte Diagnose der Betroffenen nach wie vor zu einer Herausforderung. Shire möchte diesen Jahrestag daher zum Anlass nehmen, um auf die progrediente und folgenschwere Krankheit aufmerksam zu machen und Ärzte bei der frühzeitigen Diagnose zu unterstützen.
Vor 120 Jahren beschrieben unabhängig voneinander 2 Ärzte eine Krankheit, die sich äußerlich durch gut sichtbare Angiokeratome zeigte und einen erblichen Charakter vermuten ließ (1,2). Was der deutsche Dermatologe Johannes Fabry, Dortmund, und der englische Professor für Anatomie, Pathologie und Chirurgie, William Anderson, London, nicht wussten: Sie beschrieben erstmals Symptome der heute als Anderson-Fabry-Krankheit oder Morbus Fabry bekannten Multisystemerkrankung.

Symptomatik

Heute wissen wir, dass es sich um eine X-chromosomal vererbte lysosomale Speicherkrankheit handelt. Durch den Mangel des Enzyms α-Galactosidase A (α-Gal A) kommt es zur progredienten Akkumulation von Glycosphingolipiden, insbesondere Globotriaosylceramid (Gb3), im Gewebe und den Organen des gesamten Körpers. Die lysosomale Akkumulation von Gb3 tritt insbesondere in den Nieren, im Herzen, im Nervensystem sowie in den Gefäßen auf, was mit entsprechenden multisystemischen Konsequenzen für die Betroffenen verbunden ist (3-7). Seit einigen Jahren stehen verschiedene therapeutische Optionen zur Verfügung, die Patienten bei frühzeitigem Therapiebeginn ein weitestgehend normales Leben ermöglichen (7).

Fehldiagnosen vermeiden – frühzeitig diagnostizieren

Aber auch 120 Jahre nach der Erstbeschreibung ist es immer noch eine Herausforderung, die Krankheit frühzeitig und korrekt zu diagnostizieren, weil die Symptome vielfältig sowie unspezifisch sind (Abb. 1) und der klinische Verlauf variabel ist (4,7,8). Dies hat in der Praxis vor allem 2 Konsequenzen: Fehldiagnosen sind häufig und Patienten warten oft Jahre oder sogar Jahrzehnte auf die korrekte Diagnose. Es gilt daher vor allem, Fehldiagnosen zu vermeiden und die Patienten frühzeitig(er) zu diagnostizieren:
 


Zu den häufigen Fehldiagnosen bei Morbus Fabry gehören rheumatologische Erkrankungen und rheumatisches Fieber, Arthritis, neuropsychologische Erkrankungen und Multiple Sklerose. Bei diesen Krankheitsbildern sollte ein Morbus Fabry immer differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden (4,9).

Eine frühzeitige Diagnose ist Voraussetzung für eine spezifische Behandlung und eine symptomatische Versorgung mit dem Ziel, möglicherweise irreversible Organschäden zu begrenzen. Eine schnelle Diagnose kann auch Verwandten des Patienten zugutekommen, bei denen die Krankheit noch nicht diagnostiziert wurde. Mit Hilfe einer Stammbaumanalyse über bis zu 3 Generationen können meist weitere Fälle von Morbus Fabry identifiziert werden. Zu dem multidisziplinären Team, das an der Betreuung eines Patienten mit Morbus Fabry beteiligt ist, gehört daher immer auch ein Genetiker (6,10,11).

Diagnostik beginnt in der Pädiatrie

Häufig treten erste Fabry-Symptome bereits in der Kindheit auf. Daher sind insbesondere Pädiater gefragt, wenn Akroparästhesien oder Angiokeratome auftreten. Auch Neurologen, Kardiologen und Dermatologen sollten bei spezifischen Symptomen an Morbus Fabry denken und betroffene Patienten möglichst frühzeitig an ein Zentrum für lysosomale Stoffwechselerkrankungen überweisen. (Typische Symptome s. Abb. 1 und Tab. 1).

 
Tab. 1: Facharzt-spezifische Symptome eines Morbus Fabry (13-15).
Pädiatrie Akroparästhesie, Hypohidrose, Angiokeratome,
gastrointestinale Symptome, Cornea verticillata, Tinnitus
Neurologie Transitorische ischämische Attacken (TIA), juveniler Schlaganfall, neuro-
psychiatrische Probleme, Müdigkeit; Akroparästhesie, Temperaturempfindlichkeit
Kardiologie Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien, linksventrikuläre Hypertrophie
Nephrologie Albuminurie, Proteinurie, progrediente Niereninsuffizienz, Zysten
Gastroenterologie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall
Dermatologie Angiokeratome, ggf. Anhidrose/Hypohidrose
Ophthalmologie Cornea verticillata, geschlängelte retinale Blutgefäße
HNO-Heilkunde Schwerhörigkeit, Schwindel, Tinnitus

Bei Verdacht auf Morbus Fabry sollte bei Männern die α-Gal-A-Aktivität in den Leukozyten gemessen und bei Frauen die molekulare Analyse des GLA-Gens erfolgen (12). Shire bietet hierzu einen Diagnostikset mittels Trockenblutkarte (Abb. 2) an, mit dem die Labordiagnostik einfach durchgeführt werden kann.


 
Abb. 2: Trockenblutkarte zur Morbus Fabry-Diagnostik
Abb. 2: Trockenblutkarte zur Morbus Fabry-Diagnostik


Die frühzeitige Diagnose des Morbus Fabry ist Voraussetzung für den Beginn einer spezifischen Behandlung und einer symptomatischen Versorgung, um möglicherweise irreversible Organschäden zu begrenzen. Steht die Diagnose, sollten behandelnde Ärzte die betroffenen Patienten an ein spezialisiertes Zentrum überweisen, um dort eine multidisziplinäre Therapie einzuleiten. Weitere Informationen rund um Morbus Fabry finden Ärzte und Patienten unter www.fabry-wissen.de.

Quelle: Shire

Literatur:

(1) Fabry J. Arch Dermatol Syph. 1898;43(1):187-200.
(2) Anderson W. Br J Dermatol. 1898;10(4):113-117.
(3) Desnick RJ. In: Scriver, CR et al. editors. The Metabolic and Molecular Basis of Inherited Disease. 8th edition, New York: McGraw-Hill;2001;3733-74.
(4) Mehta A et al. Eur J Clin Invest 2004;34:236-42.
(5) Kolter T, Sandhoff K. Biochim Biophys Acta 2006;1758:2057-79.
(6) Germain DP. Orphanet J Rare Dis 2010;5:30.
(7) S2k-Interdisziplinäre Leitlinie für die Diagnose und Therapie des Morbus Fabry. AWMF Nr. 030/134, Stand 06/2013.
(8) Beck M. In: Mehta A et al. editors. Fabry disease: perspectives from 5 years of FOS. Oxford: Oxford PharmaGenesis Ltd; 2006; Chapter 16.
(9) Hoffmann B, Mayatepek E. Dtsch Arztebl Int 2009;106:440-7.
(10) Laney DA, Fernhoff PM. J Genet Couns 2008;17:79-83.
(11) Mehta A et al. Q J Med 2010;103:641-59.
(12) Hoffmann B. Orphanet J Rare Dis 2009;4:21.
(13) Mehta A. In: Mehta A et al. editors. Fabry disease: perspectives from 5 years of FOS. Oxford: Oxford PharmaGenesis Ltd; 2006; Chapter 19.
(14) Linhart A. In: Mehta A et al., editors. Fabry disease: perspectives from 5 years of FOS. Oxford: Oxford PharmaGenesis Ltd; 2006; Chapter 20.
(15) Kalkum G et al. Klin Padiatr 2011; 223-P118.


Das könnte Sie auch interessieren

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte

Pilotprojekt: Stuhlkarten-Screening mit einfacher Farbkarte
© jolopes / Fotolia.com

Genial einfach: Anfang Dezember 2016 wurden 100.000 so genannte Stuhlkarten zur Früherkennung der Gallengangatresie an alle stationären niedersächsischen Geburtskliniken verschickt und dort von Kinderärzten, Gynäkologen und Hebammen in das „Gelbe Heft“ eingelegt. „Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie mit einfachen Mitteln und ohne großen technischen Aufwand ein maximaler Erfolg erzielt werden kann. Mit übersichtlich gestalteten Karten wird es Eltern leicht gemacht, sich über die Gesundheit ihres neugeborenen...

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen
© psdesign1 / Fotolia.com

Dank moderner Medikamente können die rund 87.000 Menschen in Deutschland mit HIV beziehungsweise AIDS heute fast normal leben. Stattdessen belasten mitunter Ausgrenzung, Zurückweisung und Angst Betroffene heute schwerer als die eigentliche Erkrankung. „Vorurteile und mangelndes Wissen sind oft die Hauptursachen für Ausgrenzung und Zurückweisung von HIV-Positiven. Dem wollen wir unter anderem mit einer Telefon-Hotline entgegenwirken“, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der BARMER.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Morbus Fabry: Up-Date zu Diagnostik und Behandlung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.