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Medizin

23. Oktober 2019 Patientenzentrierte Schmerztherapie: Individuelle Bedürfnisse herausfinden und befriedigen

Bei der Schmerztherapie gibt es keine Standardlösung im Sinne von „One Size fits all“, sondern vielmehr muss sie stets die individuelle Situation und Wünsche des Patienten berücksichtigen. Darin waren sich Schmerzexperten bei einem von dem Unternehmen Aristo Pharma unterstützten Symposium im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses 2019 in Mannheim einig.
Engmaschige Beobachtung vonnöten

Gerade bei älteren Patienten, sei es jedoch oft schon eine Herausforderung herauszufinden, ob und wo sie Schmerzen haben, berichtete Prof. Dr. Sylvia Kotterba, Leer. Zwar sei bekannt, dass rund 80% aller Pflege- und Altenheimbewohner unter chronischen oder rezidivierenden Schmerzen litten, viele würden sie aber nicht als solche benennen. Weniger explizite Fragen wie „Quält Sie etwas?“ oder „Ist Ihnen nicht wohl?“ könnten hier hilfreich sein. Darüber hinaus ist aus ihrer Sicht das genaue Beobachten der Patienten im Stationsalltag unerlässlich. Pflegepersonen sollten etwa stets darauf achten, ob sich Patienten überall anfassen lassen und dabei auch ihren Gesichtsausdruck im Blick haben. Prinzipiell könnten hinter so unterschiedlichen Dingen wie aggressivem Verhalten, Unruhe, Rückzug, Depressivität, aber auch Suche nach Zuwendung, Sprachlosigkeit oder Veränderungen des Schlafes Schmerzen als mögliche Ursache stecken.
Kotterba hat zudem die Erfahrung gemacht, dass andersherum manche Patienten starke Schmerzen angeben, die sich bei genauerem Nachfragen gar nicht als Schmerzen im engeren Sinn, sondern vielmehr als Ausdruck der Verzweiflung, beispielsweise aufgrund von fehlenden weiteren Therapiemöglichkeiten bei einer schweren Erkrankung, herausstellen.

Bewertung der DGHO-Leitlinie

Die Expertin empfahl zudem, prinzipiell die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten zu überprüfen. Hier könnten sich auch bei Patienten, die im Leben und auf der Station scheinbar gut zurechtkommen, unerwartete Defizite auftun – die bei einer Therapie berücksichtigt werden müssen.
Auch bei der Tumorschmerztherapie ist der Patient stärker ins Zentrum gerückt, konstatierte Dr. Johannes Horlemann, Kavelaer, mit Blick auf die neue Leitlinie der WHO. Er begrüßte, dass nicht mehr nur die Schmerzreduktion, sondern auch die Lebensqualität des Patienten als Therapieziele definiert wurden. Dagegen monierte er, dass aus seiner Sicht die Nebenwirkungen der Schmerzmittel nicht ausreichend Beachtung in den Empfehlungen gefunden haben. Denn diese unterscheiden sich zwischen den einzelnen Präparaten durchaus und könnten wesentlich dazu beitragen, dass Patienten eine dringend benötigte Schmerztherapie – ohne Rücksprache mit dem Arzt – absetzen.

Dr. rer. nat. Anne Benckendorff

Quelle: Symposium „Patientenzentrierte Schmerztherapie – was, wann und bei wem?“, 11.10.19, im Rahmen des Deutschen Schmerzkongresses; Veranstalter: Aristo Pharma


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