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Medizin

22. Oktober 2020 Rheumatoide Arthritis: JAK-Inhibitor wirkt stärker analgetisch als Biologikum

Baricitinib, ein kleinmolekularer, selektiver, kompetitiver Inhibitor der Januskinasen JAK1 und JAK2, hat sich bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA) einen festen Platz erobert. RA-Experten stellten Daten zum JAK-Inhibitor (JAKi) vor und besprachen Besonderheiten dieses Small molecules, wie etwa die exzellente analgetische Wirkung. Auf einem Satellitensymposium von Lilly während des Rheumakongresses 2020 wurde zudem die Sicherheit von Baricitinib thematisiert.
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Prof. Dr. med. Eugen Feist, Vogelsang-Gommern, referierte zunächste eine von vier Studien, die zur Zulassung in der Indikation RA führte, nämlich die RA-BEAM-Studie. Sie verglich Baricitinib (Olumiant®) mit dem TNF-Alpha-Blocker Adalimumab (ADA) und Placebo bei Patienten, die vorher unzureichend auf eine Therapie mit MTX angesprochen hatten sowie Biologika-naiv waren. Alle Patienten erhielten weiterhin MTX als Basistherapie.
Nach zwölf Wochen zeigte die Baricitinib-Gruppe im primären Endpunkt (ACR20) ein signifikant höheres Ansprechen gegenüber Placebo als auch versus ADA (70% gegenüber 40% und 61%). Ebenso war der JAKi beim ACR50 dem Biologikum signifikant überlegen (1).
Neben diesen Rheuma-spezifischen Parametern legte Feist besonderes Augenmerk auf die analgetische Wirkung von Baricitinib. Auch hierbei wirkte der JAKi schneller und besser als ADA. Vor allem bei hoher Entzündungsaktivität (CRP>10 mg/l) erlangte Baricitinib erneut signifikante Vorteile gegenüber ADA. „Offenbar wirkt Baricitinib nicht nur über die Hemmung der Inflammation schmerzstillend, sondern die Analgesie läuft wohl außerdem noch über andere Pathways“, schlussfolgert Feist.

Sicherheit: Nur bei H. zoster auffällig

Prof. Dr. med. Klaus Krüger, München, diskutierte die Sicherheit von Baricitinib. „Schwere Infektionen treten selten auf“, hält er fest. Sollte es doch einmal dazu kommen, kann der JAKi einfach abgesetzt werden. Er ist aufgrund der geringen Halbwertzeit schnell eliminiert. Ein Signal gibt es bezüglich H. zoster. Daher empfiehlt der Rheumatologe eine Impfung vor Beginn der Therapie. „Ansonsten gibt es keine sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten“, konstatiert Krüger.
Hinsichtlich thrombembolischer Ereignisse fand eine Metaanalyse für JAKi kein erhöhtes Risiko. Aber in diese, gibt Krüger zu bedenken, „wurden nur RCTs mit kurzer Behandlungsdauer und ausgesuchtem Patientengut einbezogen.“ Daher ist zunächst einmal die Fachinformation zu beachten und insbesondere bei Frauen mit entsprechender Kontrazeption Vorsicht geboten.
Prof. Dr. med. Thorsten Witte, Hannover, stellte erste Daten aus dem RABBIT-Register zu Baricitinib vor. Beim Erreichen des ACR20 waren die Zahlen aus der RA-Beacon Studie zwar besser (56 vs 46%). Aber in den Treat-to-target Zielen Remission und niedrige Krankheitsaktivität waren die Real-World-Daten den Studienergebnissen überlegen (2, 3). Nach Betrachtung anderer, nationaler und internationaler Register-Auswertungen, bestätigen JAKi im allgemeinen und Baricitinib im Besonderen zumindest die Studienergebnisse im Real-World-Setting. „Oftmals sind die Ergebnisse sogar noch besser.“ Damit seien die JAKi im Therapie-Algorithmus der RA weit nach vorne gerutscht – und sind vielleicht sogar noch vor den Biologika einsetzbar.

Reimund Freye

Quelle: Live-Symposium: Baricitinib – Prime Time in der Rheumatologie, im Rahmen des Deutschen Rheumatologiekongresses 2020, 11. Sept. 2020; Veranstalter: Lilly

Literatur:

(1) Taylor PC et al., N Engl J Med 2017;376:652-62
(2) Genovese MC et al., N Engl J Med 2016; 374(13): 1243-52
(3) Meißner Y et al., Poster DGRh 2018; Abstract RA.05


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