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Medizin
15. Oktober 2020

Typ-2-Inflammation: Interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Asthma, Neurodermitis und Nasenpolypen

„Eine Typ-2-Entzündung, auch Typ-2-Inflammation genannt, kann sich unter anderem als Asthma, Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis bekannt, Nahrungsmittelallergie, chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) oder auch als chronische Speiseröhrenentzündung (eosinophile Ösophagitis (EOE)) manifestieren. Erkrankungen, zwischen denen es auf den ersten Blick keine Verbindung gibt“, erklärte Professor Dr. Jörg Kleine-Tebbe, Berlin, im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz und ergänzte: „Zu den zentralen ‚Unruhestiftern‘ dieser übertriebenen Immunreaktion gehören die Botenstoffe Interleukin 4 und Interleukin 13.“
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Gemeinsamer Nenner der Erkrankungen mit einer Typ-2-Entzündung ist Kleine-Tebbe zufolge, dass sie jeweils Grenzbarrieren betreffen – bei Asthma die Atemwege, bei Neurodermitis die Haut, bei CRSwNP die Nasenschleimhaut und bei EOE die Speiseröhre (1-3).

Symptome der Typ-2-Erkrankungen schränken die Lebensqualität ein

Die mit einer Typ-2-Entzündung verbundenen Symptome können sehr unterschiedlich sein. So leiden beispielsweise Menschen mit einer Neurodermitis unter starkem Juckreiz, entzündeten, teilweise blutenden Hautstellen und Hautverdickungen (4, 5), bei Asthma wiederum unter einer verminderten Lungenfunktion und dadurch unter Atemnot und Kurzatmigkeit (6, 7). Bei einer chronischen Nasen- und Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen können eine verstopfte Nase sowie Riechstörungen auftreten (8) und bei einer chronischen Entzündung der Speiseröhre stehen Schluckstörungen (9) im Vordergrund. Die durch die Symptome hervorgerufene Krankheitslast ist multidimensional (10). Insbesondere Menschen mit mittelschweren oder schweren Formen der Erkrankungen einer Typ-2-Entzündung leiden unter einer erheblichen Krankheitslast und sind in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt. So berichtet fast die Hälfte der betroffenen Jugendlichen von Fehltagen in der Schule und Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund ihrer Neurodermitis (10). Auch bei Erwachsenen hat die Erkrankung negativen Einfluss auf Berufsalltag und Freizeit. Schlafstörungen, Fehltage bei der Arbeit und Rückzug aus dem sozialen Leben gehören dazu (10). Auch bei Betroffenen mit schwerem Asthma berichten bis zu 50% von depressiven Symptomen (11) und bis zu 70% der Betroffenen mit einer CRSwNP leiden unter Schlafstörungen (12, 13). „Wochenlang nicht riechen zu können, keinen Spaß am Essen zu haben, die Umwelt nicht wahrnehmen zu können, das isoliert einen zusätzlich“, berichtet Rainer. Er ist seit seiner Kindheit von Neurodermitis betroffen. Darüber hinaus entwickelte sich im Alter von 4-5 Jahren eine chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) und ein Asthma bronchiale.
 
Komplexe Vorgänge im Immunsystem

„Die an der Typ-2-Entzündung beteiligten Signalkaskaden sind bis heute viel besser, wenn auch nicht vollständig verstanden. Man weiß aber u.a., dass neben den T-Helfer-Typ 2 (TH2)-Zellen auch die Vertreter des angeborenen Immunsystems – sogenannte innate lymphoide Zellen Typ 2 (ILC2) – eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Typ-2-Entzündung spielen“ (14), so Kleine-Tebbe und fügte hinzu: „Zentrale Vermittler der Immunantwort, die sich zu einer Typ-2-Entzündung steigern kann, sind die Botenstoffe Interleukin (IL)-4 und IL-13, insbesondere bei Asthma spielen auch IL-5 und Eosinophile im Gewebe eine wichtige Rolle.“ Moderne Antikörpertherapien ermöglichen heute die gezielte Blockade von Vermittlern der Typ-2-Entzündung, z. B. die kombinierte Blockade der Botenstoffe IL-4 und IL-13.
 
Patienten oft von mehr als einer Typ-2-Erkrankung betroffen

Die Vielfalt der Erkrankungen mit einer zugrundeliegenden Typ-2-Entzündung sowie die Tatsache, dass viele Menschen mehr als eine Ausprägung der Entzündung aufweisen, macht eine aufmerksame Diagnosestellung ebenso nötig wie eine adäquate Behandlung. Beispielsweise sind 35% der Patienten mit schwerem Asthma auch von einer Neurodermitis betroffen und bis zu 50% der Patienten mit einer Neurodermitis haben auch Asthma (15-17). Rund die Hälfte der Patienten mit CRSwNP weist gleichzeitig eine Asthma-Erkrankung auf und bis zu 43% jener mit schwerem Asthma leiden gleichzeitig unter einer CRSwNP (16-18).
 
Interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert


Diese häufigen Komorbiditäten von Patienten mit einer Typ-2-Erkrankung erfordern die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Facharztgruppen. „Im Normalfall behandeln Dermatologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Pneumologen usw. die ihr Fachgebiet betreffenden Erkrankungen unabhängig voneinander. Gerade mit Blick auf eine Typ-2-Entzündung kann der Austausch zwischen den verschiedenen Fachrichtungen dazu beitragen, durch eine optimale Diagnose und Therapie die Lebensqualität der Patienten zu verbessern“, betonte Kleine-Tebbe.

Quelle: Sanofi Genzyme

Literatur:

(1) Schleimer, RP et al. J Allergy Clin Immunol 2017; 139: 1752-1761.
(2) Saatian, B et al. Tissue Barriers 2013; 1: e24333.
(3) Sugita, K et al. J Allergy Clin Immunol 2018; 141: 300-310.
(4) www.aaaai.org//conditions-and-treatments/conditions-dictionary/atopic-dermatitis-(eczema); Zugriff September 2020.
(5) www.mountsinai.org/patient-care/health-library/diseases-and-conditions/atopic-dermatitis#risk; Zugriff September 2020.
(6) Haselkorn, T et al. J Allergy Clin 2009; 124(5): 895-902.
(7) O´Byrne, PM et al. Am J Respir Crit Care Med 2009; 179(1): 17-24.
(8) Fokkens, WJ et al. Rhinology 2012; 50(1): 1-12.
(9) http://dasgastroenterologieportal.de/Eosinophile_Oesophagitis.html; Zugriff September 2020 .
(10) Zuberbier, T et al. J Allergy Clin Immunol 2006; 118: 226-232.
(11) Rand, C et al. Allergy Clin Immunol 2012; 118(301): 136-141.
(12) Shedden, A. Treat Respir Med 2005; 4(6): 439-446.
(13) Serrano, E et al. J Lanryngo Otol 2005; 119(8): 543-549.
(14) Ebihara, T et al. Cell 2020; 9: 1193; doi: 10.3390/cells9051193.
(15) Silverberg, JM et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2018; 121(5): 604-612.
(16) Shaw, DE et al. European Respiratory Journal 2015; 46(5): 1308-1321.
(17) Heffler, E et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2019; 7(5): 1462-1468.
(18) Khan A et al. Rhinology 2019; 57: 32-42.


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