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Medizin

28. Oktober 2020 Verbesserte Anfallskontrolle durch Perampanel: Gute Chancen auch bei speziellen Patientengruppen

„Umfangreiche Erfahrungen aus dem Praxisalltag und neue Studienergebnisse zeigen, dass es bei Einsatz geeigneter Antikonvulsiva im Rahmen einer individualisierten Epilepsietherapie möglich ist, die Anfallskontrolle nachhaltig zu verbessern“, konstatierte Prof. Dr. Bernhard J. Steinhoff, Epilepsiezentrum Kehl-Kork, Vorsitzender eines Symposiums im Rahmen der DGfE-Jahrestagung. Zu den häufigen Herausforderungen im Praxisalltag zählen die Behandlung von Epilepsiepatienten mit Schlafstörungen, idiopathisch generalisierten Epilepsien sowie die Therapieentscheidung bei Hirntumor-assoziierten epileptischen Anfällen.
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Epilepsie und Schlafstörungen – den Teufelskreis durchbrechen

Nächtliche Anfälle können den Schlaf von Menschen mit Epilepsie unterbrechen und die Schlafqualität beeinträchtigen. Aufgrund von Durchschlafstörungen ist die Gesamtschlafzeit zum Teil drastisch reduziert. Schlaffragmentierung, Insomnie und pathologische Arousals könnten wiederum die Anfalls-schwelle herabsetzen, so dass sich ein Teufelskreis ausbilde, erläuterte Dr. Berthold Voges, Hamburg. Die Folgen der Interaktion aus Schlafstörung und Epilepsie sind Tagesmüdigkeit, Leistungseinbrüche am Tage und psychische Komorbiditäten wie Depression, welche die Lebensqualität von Epilepsie-Patienten noch weiter verschlechtern (1, 2). Zusätzlich wird die Problematik dadurch verschärft, dass viele Antiepileptika die Schlafarchitektur und objektive Schlafparameter beeinträchtigen können (3, 4). „Bei Auswahl der antikonvulsiven Medikation sollten wir darauf achten, Schlafstörungen und Tagesschläfrigkeit zumindest nicht zu verstärken“, so Voges.

Somnografie-Studie mit Perampanel: Besserung objektiver Schlafparameter

Aktuelle Daten sprechen dafür, dass der Einsatz des AMPA-Rezeptor-Antagonisten Perampanel (Fycompa®) als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen eine effektive Therapieoption darstellt und positive Effekte auf die Schlafqualität haben kann (5, 6).
In einer multizentrischen prospektiven, offenen Studie bei 72 Patienten mit fokaler Epilepsie wurde 3 Monate nach Beginn der Zusatztherapie mit Perampanel (mediane Dosis: 4 mg/Tag) eine signifikante Verbesserung der subjektiven Schlafqualität (Pittsburgh Schlafqualitätsindex, PSQI) festgestellt (p=0,007 vs. Baseline). Die Verbesserung lag vor allem in einer verbesserten Schlafeffizienz begründet. Bei den Patienten, die nach 6 Monaten noch auf Therapie mit Perampanel waren, zeigte sich auch eine Verbesserung der Tagesschläfrigkeit (Epworth Schläfrigkeitsskala; ESS). Nach 3 Monaten zeigten 29,6% und nach 6 Monaten 47,5% der Patienten eine mindestens 50%ige Reduktion der Anfallsfrequenz (5).
Zusätzlich zu diesen Daten zur subjektiven Wahrnehmung zeigen die Ergebnisse einer Polysomnografie-Studie, dass Perampanel einmal täglich vor dem Schlafengehen die Anfallskontrolle verbessert und mit Verbesserungen der Schlafarchitektur verbunden sein kann. Die prospektive Open-Label-Studie untersuchte die Effekte von Perampanel bei 25 erwachsenen Patienten mit fokaler Epilepsie auf objektive Schlafparameter. Eine Woche vor und 12 Wochen nach Start der Zusatztherapie wurde eine Polysomnografie durchgeführt. Nahezu ein Drittel der Patienten wiesen zur Baseline-Untersuchung eine erhöhte Tagesmüdigkeit (ESS > 12) auf. Etwa jeder Zweite gab an, nachts schlecht zu schlafen. Vier Wochen nach Beginn der Zusatztherapie mit Perampanel (mediane Dosis 6 mg/Tag) hatten sich alle Schlafparameter – einschließlich der Gesamtschlafdauer (p=0,037), der Einschlaflatenz (p=0,022), der Schlafeffizienz (p=0,015), des Schlaferhaltungsindex (p=0,005) und der Dauer der Tiefschlafphase (p=0,026) signifikant verbessert. Der Anteil der Patienten mit normaler Schlafeffizienz stieg von 52,9% (Baseline) auf 82,4% (Woche 12). Etwa 3 von 4 Patienten (71%) erreichten eine Anfallsreduktion um mindestens 50%; 3 der insgesamt 25 Patienten wurden sogar anfallsfrei (6).

Praxisdaten bestätigen gute Wirksamkeit von Perampanel bei idiopathisch generalisierter Epilepsie

Die Behandlung von Patienten mit idiopathischer generalisierter Epilepsie kann aufgrund überschaubarer Evidenz und reduzierter Therapieoptionen in dieser Indikation in der Praxis häufig eine Herausforderung darstellen. Dr. Stodieck verdeutlichte anhand konkreter Fallbeispiele, dass sich durch die frühzeitige Hinzunahme von Perampanel zur bestehenden Medikation bei primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (pGTKA) auch im klinischen Alltag sehr gute Erfolge erzielen lassen und Perampanel vielfach eine sinnvolle Ergänzung, und in Kombinationstherapien eine Alternative zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten wie Valproinsäure oder Lamotrigin, darstellen kann.

Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Ergebnissen der GENERAL-Studie (7). An der multizentrischen, retrospektiven, nicht-interventionellen Studie nahmen insgesamt 149 Patienten im Alter ≥ 12 Jahre mit idiopathischer generalisierter Epilepsie teil, darunter eine Subgruppe von 51 ausschließlich von pGTKA betroffenen Patienten. In der Gesamtpopulation der GENERAL-Teilnehmer lag die 12-Monats-Retentionsrate bei 83% und war damit vergleichbar mit dem Ergebnis einer weiteren Beobachtungsstudie zum Einsatz des AMPA-Rezeptor-Antagonisten als erste Zusatztherapie (7, 8). Nach 12 Monaten waren über alle Anfallsformen hinweg insgesamt 59% der Patienten (88/149) anfallsfrei (7). Die höchsten Retentions- und Anfallsfreiheitsraten zeigten sich bei frühem Einsatz als Zusatztherapie, d.h. nach einer vorausgegangenen Behandlung mit 1 oder 2 Antiepileptika. Hier betrugen die Anfallsfreiheitsraten für PGTKA nach 12 Monaten ≥ 65% (7). Durch den frühzeitigen Start der Zusatztherapie mit Perampanel können demzufolge schon in geringen Dosierungen und bei guter Verträglichkeit hohe Retentions- und Anfallsfreiheitsraten erreicht werden

Epilepsie bei Hirntumoren: häufig und stark beeinträchtigend

„Epileptische Anfälle sind eine häufige Komorbidität bei Patienten mit Hirntumoren und führen zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität“, berichtete Prim. Priv.-Doz. Dr. Tim J. von Oertzen, Linz (Österreich). Tumor-assoziierte Epilepsien (TAE) treten bei mehr als zwei Drittel aller Gliome, insbesondere bei niedriggradigen, auf – meistens als Erstsymptom (9). Häufig werden die Patienten in Folge eines erstmaligen generalisiert tonisch-klonischen Anfalls vorstellig (10).
Bisher gibt es keine dezidierten randomisierten kontrollierten Studien zur Epilepsietherapie bei TAE, von daher orientieren sich die Therapieempfehlungen an denen zur Behandlung fokaler Anfälle aus den aktuellen DGN Leitlinien (11). Erste Daten aus kleineren prospektiven und retrospektiven Studien deuten darauf hin, dass Perampanel eine effektive Option für TAE-Patienten mit unkontrollierten Anfällen darstellt (12-15). Da Gliomzellen selbst Glutamat in den Extrazellularraum entlassen und in der Tumorumgebung die Aufnahme von Glutamat in Astrozyten reduziert ist, könnten antiglutamatergenen Substanzen wie Perampanel in dieser Konstellation erhöhter Glutamatkonzentration eine besondere Bedeutung zukommen (16). Weiterhin wurde in 2019 erstmals die Existenz neurono-gliomaler Synapsen nachgewiesen, die sich funktionell über AMPA-Rezeptorantagonisten modulieren lassen (17).

Fazit für die Praxis

„Perampanel ist ein Antikonvulsivum, das die Anfallskontrolle auch bei speziellen Patientengruppen effektiv verbessern kann“, resümierte Steinhoff. Dass der AMPA-Rezeptor-Antagonist die Anfallshäu-figkeit verringert und basierend auf seinem pharmakokinetischen Profil und dem Wirkmechanismus substanzspezifische Besonderheiten aufweist, seien relevante Vorteile für die Zusatztherapie. Der Einsatz von Perampanel sollte daher bereits im frühen Therapieverlauf in Erwägung gezogen werden.

Quelle: Eisai

Literatur:

(1)    Khatami R et al. Seizure 2006; 15: 299-306
(2)    Menghi V et al. Nat Sci Sleep 2018; 10:317-326
(3)    Jain S, Glauser T. Epilepsia 2014; 55: 26-37
(4)    Heidbreder A. Z Epileptol, 2019; 32: 41-46
(5)    Toledo M et al. Epilepsy Behav 2016; 63: 57-62
(6)    Rocamora R et al. Seizure 2020; 76: 137-142
(7)    Villanueva V et al. Epilepsia 2018; 59: 1740-1752
(8)    Bertol Alegre V et al. Annual Meeting of the American Epilepsy Society (AES) 2018; Abst. 1.307
(9)    van Bremen MSM et al. J Neurol 2009; 256: 1519-1526
(10)    Chang E F et al. J Neurosurg 2008; 108: 227-235
(11)   Elger et al 2017 S1 Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-041l_S1_Erster-epileptischer-Anfall_Epilespien_2018-05.pdf
(12)    Vecht C et al. J Neurooncol 2017; 133: 603-607
(13)    Maschio M et al. Int J Neurosci 2019; 129: 593-597
(14)    Izumoto S et al. Anticancer Res 2018; 38: 4361-4366
(15)    Coppola A et al. Front. Neurol 2020; 11:592.
(16)    Huberfeld G, Vecht CJ. Nat Rev Neurol 2016;12:204-16
(17)    Venkataramani V et al. Nature 2019; 573(7775):532-538


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