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Medizin

Aktuelle Therapie-Ansätze bei neurogener Detrusorüberaktivität

Aktuelle Therapie-Ansätze bei neurogener Detrusorüberaktivität
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Aktuelle Ansätze für die Therapie der neurogenen Detrusorüberaktivität (Neurogenic Detrusor Overactivity, NDO) mit intravesikalem Oxybutynin wurden von Experten bei einem digitalen Pressegespräch vorgestellt.
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Anwendungsbereich

Oxybutynin (VESOXX®) wird angewendet zur Unterdrückung einer Detrusorüberaktivität aufgrund einer Rückenmarksverletzung oder Meningomyelozele (Spina bifida) bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen, die ihre Blase mittels sauberer intermittierender Katheterisierung entleeren und nicht adäquat mit oralen Anticholinergika eingestellt sind (1).

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Starke Nebenwirkungen

Patienten mit NDO leiden bei suboptimaler Therapie oft unter Folgeerkrankungen, zudem kann sich ihre Lebenserwartung verkürzen (2). Leitlinien empfehlen für die Erkrankung in erster Linie orale Anticholinergika als Erstlinientherapie (3), die Wirkstoffe rufen nicht selten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Obstipation hervor (4). Bei einer Dosiseskalation erhöht sich die Wirkung, aber auch die Nebenwirkungen nehmen zu (4). „Mit intravesikalem Oxybutynin steht eine Option für die Zweitlinien-Behandlung der NDO zur Verfügung, wenn Patienten nicht adäquat mit oralen Anticholinergika eingestellt sind oder nicht akzeptable Nebenwirkungen auftreten“, erklärte Dr. Almuth Angermund, Schön Klinik Vogtareuth.
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Multimodaler Wirkmechanismus

Intravesikales Oxybutynin blockiert Muskarinrezeptoren der Harnblase, verringert die prä-synaptische Ausschüttung von Acetylcholin und wirkt direkt spasmolytisch auf den Detrusormuskel (5, 6). Zusätzlich wirkt es direkt am Urothel und inhibiert C-afferente Fasern, wodurch eine lokalanästhetische Wirkung entsteht (6-8). Intravesikales Oxybutynin senkt den Detrusordruck, überführt ein Hochdrucksystem in ein Niederdrucksystem und schützt dadurch die Nieren langfristig (5, 9-12).

Höhere Bioverfügbarkeit

Eine offene, randomisierte, 3-Perioden-, Crossover-Studie mit 20 gesunden Erwachsenen zeigte, dass intravesikal verabreichtes Oxybutynin gegenüber oralem Oxybutynin eine höhere Bioverfügbarkeit aufweist (13). Die direkte Applikation über den Katheter in die Blase lässt durch die Umgehung des intestinalen First-Pass-Effekts im Vergleich zur oralen Therapie weniger Nebenwirkungen für Patienten erwarten (13).

Steigerung der Blasenkapazität

Die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von intravesikalem Oxybutynin bei NDO wurde in einer randomisierten, prospektiven, aktiv kontrollierten, offenen, multizentrischen Studie mit 35 erwachsenen Patienten über 28 Behandlungstage untersucht (12). Patienten im experimentellen Arm (n=18) erhielten dreimal täglich 10 ml 0,1% Oxybutyninhydrochlorid intravesikal, Patienten im Kontrollarm (n=17) dreimal täglich 5 mg Oxybutyninhydrochlorid oral (12). Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die Veränderung der maximalen Blasenkapazität zwischen dem Beginn der Studie und nach 4 Wochen, bewertet mittels urodynamischer Untersuchungen (12). Hier führte die intravesikale Gabe von Oxybutynin zu einer Steigerung der maximalen Blasenkapazität um 117 ml gegenüber 18 ml bei oraler Applikation. Die Differenz erwies sich als statistisch signifikant (p=0,0086) (12).

Früher Wechsel zu 2line-Behandlung mit intravesikalem Oxybutynin

Dr. Angermund präsentierte weitere Ergebnisse einer umfangreichen Meta-Analyse zu Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von anticholinergen Medikamenten bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit NDO, die zeigen, dass keines der untersuchten Anticholinergika einem anderen überlegen war (14). „Falls ein Patient mit neurogener Detrusorüberaktitivät ein Antimuskarinum nicht verträgt oder die Wirkung unzureichend ist, sollten Ärzte davon absehen, die oralen Substanzen mehrfach zu wechseln. Vielmehr empfiehlt sich eine schnelle Umstellung auf die intravesikale Behandlung“, führte Dr. Angermund aus.

Co-Medikation zur Botulinumtoxin-Behandlung

Daten einer Beobachtungsstudie mit dem Ziel, den Einsatz von oralem Oxybutynin nach der Verabreichung von Botulinumtoxin A bei Patienten mit NDO zu untersuchen, zeigen, dass der Gebrauch von Anticholinergika während der Botulinumtoxin-Behandlung der neurogenen Detrusorüberaktivität eine weitere Anwendungsmöglichkeit darstellt (15). In der Untersuchung wurden prospektive Daten von 105 Teilnehmern aus zwei italienischen Zentren behandelt (15). Die Patienten wurden im Rahmen der Studie 30, 120, 180 bzw. 270 Tage (Besuch 1, 2, 3 und 4) nach der Botulinumtoxin-Verabreichung nachbeobachtet (15). Es zeigte sich ein deutlicher Anstieg des Gebrauchs oraler Anticholinergika bei der Nachuntersuchung nach 180 Tagen von etwa 50 % im Vergleich zum vorherigen Besuch und nur noch 2,9 % der Patienten waren zu diesem Zeitpunkt ohne zusätzliche anticholinerge Co-Medikation (15).

Zeiträume zwischen Botulinumtoxin-Injektionen verlängern

„Mit individueller Dosierung und dem durch Studiendaten gezeigten günstigen Nebenwirkungsprofil verfügt intravesikales Oxybutynin über gute Eigenschaften, um die Anwendung von Botulinumtoxin bei NDO bedarfsgerecht zu begleiten. Die Instillation kann dazu beitragen, die Zeiträume zwischen den Botulinumtoxin-Injektionen zu verlängern“, erklärte Dr. Rahnama'i. Durch die Injektion von Botulinumtoxin in die glatte Muskulatur des Detrusors wird im Allgemeinen eine Wirkdauer von 8-9 Monaten erreicht (16). Bei wiederholter Anwendung kann in einzelnen Fällen die Wirkung nachlassen (17).
 

Quelle: Farco



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