Donnerstag, 1. Dezember 2022
Navigation öffnen
Medizin

COVID-19: Andockstelle des Spikeproteins ist Achillesferse

COVID-19: Andockstelle des Spikeproteins ist Achillesferse
©Kateryna_Kon – stock.adobe.com
Rund 20% von an COVID-19 genesenen Menschen entwickeln keinen Immunschutz gegen SARS-CoV-2. Zu diesem Resultat kam ein Forschungsteam der MedUni Wien um den Allergologen und Immunologen Rudolf Valenta vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie. Es zeigte sich in einer Studie, dass der entscheidende Immunschutz, der das Andocken und Eindringen in die Körperzellen verhindert, nur dann entsteht, wenn man Antikörper speziell gegen die gefaltete Rezeptorbindungsdomäne (RBD) des Spikeproteins bilden kann. Diese Andockstelle ändert sich auch bei Virusmutanten nicht wesentlich. Manchen Menschen ist das jedoch aus unterschiedlichen Ursachen nicht möglich. Abhilfe könnte ein Antigen-basierter, auf RBD abzielender Impfstoff schaffen, der aber noch nicht zur Verfügung steht. Die Studie wurde im jetzt Top-Journal „Allergy“ publiziert.

Viele Infizierte bilden keine Antikörper

Vor einem Jahr untersuchte ein Forschungsteam um den Studienleiter Rudolf Valenta und Winfried F. Pickl vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien anhand einer ersten Kohorte genesener COVID-19-PatientInnen mit mildem Krankheitsverlauf den Status ihrer Immunität. Damals zeigte sich unter anderem, dass ein beträchtlicher Teil der Infizierten keine schützenden Antikörper gegen SARS-CoV-2 bilden konnte.
 
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

COVID-19: Quo vadis, Impfung und Arzneimitteltherapie?

Erschienen am 01.06.2021Welche Impfstrategie ist die richtige? Welche Medikamente können einen Beitrag zur Senkung der Sterblichkeit leisten? Hier ein Überblick!

Erschienen am 01.06.2021Welche Impfstrategie ist die richtige? Welche Medikamente können einen Beitrag zur Senkung der...

© Simon Lehmann - PhotoGranary / Fotolia.com

SARS-CoV-2-Virus benötigt 3-dimensional gefaltetes Protein

In der nun publizierten Folgestudie analysierten Valenta und sein Team die Antikörperantwort einer größeren Kohorte nach milder und schwerer SARS-CoV-2 Infektion. Die Studie erfolgte mit Hilfe der an der MedUni Wien entwickelten Mikroarray (Chip)-Technologie, wobei eine Vielzahl an Virus-Antigenen auf einen Chip in mikroskopischer Größe maschinell aufgebracht werden. Zusätzlich wurden überlappende Eiweißbruchstücke (Peptide) dieser Virusantigene darauf fixiert, die das ganze Spikeprotein abdecken, auf dem die Rezeptorbindungsdomäne (RBD) sitzt. Mit dieser bindet das SARS-CoV-2-Virus an den ACE2-Rezeptor der menschlichen Zellen.
 
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

COVID-19: Janssen veröffentlicht Daten zu Auffrischungsimpfung

Erschienen am 16.09.2021Einen Überblick über die neuen Studiendaten zum COVID-19-Impfstoff von Janssen und eine Einschätzung zur Auffrischungsdosis finden Sie hier!

Erschienen am 16.09.2021Einen Überblick über die neuen Studiendaten zum COVID-19-Impfstoff von Janssen und eine Einschätzung zur...

©terovesalainen – stock.adobe.com
Die Erwartung der Forschenden war, dass eine Immunreaktion auf die Peptide erfolgen würde, jedoch kam es nur gegenüber dem intakten, 3-dimensional gefalteten Spikeprotein zu Antikörperbildung. Proteine erhalten ihre 3-dimensionale Gestalt nämlich durch den physikalisch bedingten Prozess der Eiweiß-Faltung. Das SARS-CoV-2-Virus benötigt zum Andocken an die Körperzellen offenbar das 3-dimensional gefaltete Protein. Ausschließlich eine Antikörper-Antwort gegen das gefaltete Protein, nicht aber gegen Teile davon, schützt gegen die Infektion.

Nur gefaltete RBD erzeugen Immunschutz

Daraus ergibt sich eine wesentliche Schlussfolgerung: Hohe Antikörperspiegel gegen das gefaltete Spikeprotein und insbesondere gegen die darin enthaltene RBD verhindern die Bindung des Virus an die menschlichen Körperzellen. Wenn jemand jedoch keine Antikörper gegen die gefaltete RBD bilden kann, ist er wenig geschützt. Die Forschenden zeigten auch, dass nur die gefaltete RBD, nicht aber ungefaltete RBD bei Immunisierung einen Immunschutz erzeugt. Da die derzeit in Verwendung stehenden genetischen Impfstoffe eine Infektion nachahmen, ist es daher möglich, dass Impfdurchbrüche durch mangelnde Entwicklung von Antikörpern gegen gefaltetes RBD erklärbar sind.
 
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

„Adaptive Toleranz“ balanciert Autoimmunreaktion aus

Erschienen am 08.09.2021Einen Überblick über den Paradigmenwechsel in der Immunologie und die „Adaptive Toleranz“ erhalten Sie hier!

Erschienen am 08.09.2021Einen Überblick über den Paradigmenwechsel in der Immunologie und die „Adaptive Toleranz“ erhalten Sie hier!

©fotomek – stock.adobe.com

Ziel: „Achillesferse“ des Virus nutzen

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass Menschen, die in ausreichender Menge Antikörper gegen die gefaltete RBD bilden, gegen SARS-CoV-2 Infektionen geschützt sind. Diese Antikörper sind im Blut durch Neutralisationstests gut messbar. Leider funktioniert die Produktion dieser Antikörper bei 20% der Genesenen – und wahrscheinlich auch Geimpften – nicht. Valenta: „Die Entwicklung eines mittels Helfer-Eiweißes verstärkten, auf RBD basierenden Antigen-Impfstoffes ist dringend erforderlich. Dieser würde in großer Effektivität RBD-spezifische und damit neutralisierende Antikörper induzieren, deren Spiegel durch Auffrischungsimpfungen hochgehalten werden könnte.“ So ließe sich auch die „Achillesferse“ des Virus ausnützen, dessen Andockstelle sich bei Mutationen nicht wesentlich ändere, so Valenta weiters.

Quelle: Medizinische Universität Wien



Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"COVID-19: Andockstelle des Spikeproteins ist Achillesferse"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der MedtriX GmbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.