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Medizin
17. Dezember 2020
Endogenes+Cushing-Syndrom%3A+Neue+therapeutische+Perspektive+Cortisolsynthese-Hemmer+Osilodrostat
© Recordati

Endogenes Cushing-Syndrom: Neue therapeutische Perspektive Cortisolsynthese-Hemmer Osilodrostat

Das Cushing-Syndrom (CS) ist eine seltene Erkrankung mit einem heterogenen Krankheitsbild und hoher Krankheitslast (1). Der Cortisolsynthese-Hemmer Osilodrostat (Isturisa®) stellt eine vielversprechende, neue medikamentöse Therapieoption für erwachsene Patienten mit endogenem Cushing-Syndrom dar (2, 3). Ergebnisse der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie LINC-3 zeigen, dass Osilodrostat die Cortisolspiegel rasch und anhaltend senkt, zu Verbesserung der klinischen Symptome, der Begleiterkrankungen und der Lebensqualität führt und zudem gut verträglich ist (2, 4).
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Wie entsteht das endogene Cushing-Syndrom und welchen Beitrag kann der Cortisolsynthese-Hemmer Osilodrostat als neue therapeutische Option zur Linderung der Symptome leisten? Diese und zahlreiche weitere Fragen diskutierten die Experten Professor Dr. med. Christof Schöfl, Erlangen und Professor Dr. med. Heiner Mönig, Kiel, im Rahmen einer Web-Pressekonferenz.

Cushing-Syndrom: Eine seltene Erkrankung, die sich heterogen und unspezifisch manifestiert

Das Cushing-Syndrom wird durch einen chronisch erhöhten Cortisolspiegel verursacht, der endogen (vom eigenen Körper) oder exogen (d.h. durch Medikamente) bedingt sein kann. Ursache des endogenen CS ist entweder die übermäßige Cortisolsekretion aufgrund eines Nebennierentumors
(zu ca. 15%) oder die autonome überschießende Produktion des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) durch einen Tumor der Hypophyse (Morbus Cushing, zu ca. 70%) bzw. ektopen Ursprungs (zu 15%) (1, 5, 6). „Mit einer Prävalenz von 40 Fällen pro Million Einwohner und einer Inzidenz von 1,2 bis 2,4 pro Million pro Jahr ist der Morbus Cushing eine seltene Erkrankung“, erläuterte Professor Christof Schöfl (1, 6). Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer (1, 7). Der Altersgipfel liegt zwischen der 4. und 6. Lebensdekade (6).

Typische klinische Symptome

Das Krankheitsbild wird durch die vielfältigen langfristigen Einflüsse von Glukokortikoiden in Organen und Geweben geprägt und kann daher sehr heterogen erscheinen. Zu den typischen klinischen Symptomen zählen u.a. Dehnungsstreifen der Haut (Striae rubrae), Stammfettsucht, Atrophie der Extremitätenmuskulatur, Vollmondgesicht, allgemeine Schwäche, Osteoporose, Glukoseintoleranz, arterielle Hypertonie, Wundheilungsstörungen sowie verstärkte Blutungsneigung und thromboembolische Komplikationen. Viele Symptome sind jedoch unspezifisch und treten auch bei anderen Erkrankungen wie etwa Alkoholsucht, Adipositas oder (schlecht eingestelltem) Diabetes mellitus auf. „Aufgrund der teils unspezifischen Symptomatik wird ein CS häufig erst spät im Krankheitsverlauf diagnostiziert“, unterstrich Schöfl (5, 8).

Hohe Krankheitslast und Beeinträchtigung der Lebensqualität

Der Morbus Cushing, die häufigste Form des endogenen CS, geht mit einer hohen Morbidität und Krankheitslast einher (1), was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Darüber hinaus sind die exzessiv erhöhten Cortisolspiegel mit einer Vielzahl bedeutsamer Begleiterkrankungen assoziiert (1). Dazu zählen das metabolische Syndrom sowie u.a. Schlafstörungen, Osteoporose, erhöhte Infektanfälligkeit und/oder neuropsychiatrische Störungen wie Depressionen und Angst (1). Dementsprechend ist die Letalität – insbesondere aufgrund kardiovaskulärer Komplikationen – erhöht. Ohne adäquate therapeutische Maßnahmen zur Normalisierung des Cortisolspiegels ist das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit Morbus Cushing bis zu 5-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung (1). Darüber hinaus gibt es Hinweise dafür, dass negative physische und psychosoziale Folgen des chronischen Hypercortisolismus selbst noch lange Zeit nach einer Remission erhalten bleiben (1). „Aufgrund dieser potenziell lebensbedrohlichen Risiken ist eine rasche und gezielte Diagnostik und Behandlung notwendig“ resümierte Schöfl (1, 8).

Multidisziplinäre Behandlung mit Optimierungsbedarf

CS bzw. Morbus Cushing erfordern ein erfahrenes und multidisziplinäres Team sowie eine individuelle Behandlung (1, 7). Therapieziele sind die Normalisierung des Cortisolspiegels, die Verbesserung der klinischen Symptomatik und der Lebensqualität sowie die Senkung der Risiken durch Begleiterkran-kungen (9, 10).
Die primäre Behandlung des Morbus Cushing besteht in der chirurgischen Resektion des für die Erkrankung ursächlichen Hypophysen-Tumors. „Ein signifikanter Anteil der Patienten erreicht dadurch jedoch keine Remission bzw. erleidet langfristig ein Rezidiv und benötigt daher eine weitere Therapie“ unterstrich Professor Heiner Mönig.
Mögliche Optionen sind erneute Resektion, Radiotherapie, bilaterale Adrenalektomie oder medika-mentöse Therapien. Diese werden zur Überbrückung bis zur Operation oder Radiotherapie bzw. deren Wirkungseintritt eingesetzt, oder wenn eine chirurgische Behandlung nicht infrage kommt (1, 8-10). Man unterscheidet zwischen Steroidsynthese-Hemmern, die primär an der Nebenniere wirken und Substanzen, deren Wirkung zentral an der Hypophyse ansetzt (8, 10).

Mit dem Cortisolsynthese-Hemmer Osilodrostat steht seit 15. Juli 2020 in Deutschland eine vielversprechende neue Therapieoption zur medikamentösen Behandlung von erwachsenen Patienten mit endogenem Cushing-Syndrom (CS) zur Verfügung (2, 3). IOsilodrostat wird 2-mal täglich eingenommen und ist als Filmtablette in einer Dosierung von 1 mg, 5 mg und 10 mg erhältlich (2).

Quelle: Recordati

Literatur:

(1) Pivonello R et al. Endocrine 2017; 56: 10–18
(2) Isturisa® Fachinformation, April 2020
(3) Ferriere A, Tabarin A. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab 2020; 34 (2): 101381
(4) Biller BMK et al. Journal of the Endocrine Society 2019; 3 (Supplement 1): OR16–2
(5) Nieman LK et al. Am J Med 2005; 118: 1340–1346
(6) Pivonello R et al. Endocrine Reviews 2015; 36: 385–486
(7) Lacroix A et al. Lancet 2015; 386: 913
(8) Petersen S. Diagnostik und Therapie des Cushing-Syndroms. In: Endokrinologie Informationen; Sonderheft März 2017: 38–43
(9) Broersen LHA et al. Pituitary 2018; 21: 631
(10) Nieman LK et al. J Clin Endocrinol Metab 2015; 100: 2807


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