Donnerstag, 13. Juni 2024
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Medizin

Früherkennung von Typ-1-Diabetes: dringender Handlungsbedarf

von Birgit Frohn

Früherkennung von Typ-1-Diabetes: dringender Handlungsbedarf
© Kalim – stock.adobe.com
Das präsymptomatische Frühstadium von Typ-1-Diabetes lässt sich bereits im Kindesalter durch den Nachweis von Autoantikörpern feststellen – was viele Vorteile mit sich bringt. Das unterstreicht die Dringlichkeit der Einführung einer solchen Früherkennung.

Typ-1-Diabetes ist eine progressive Autoimmunerkrankung

Bereits 1974 entdeckte man laut Prof. Dr. Peter Achenbach, stellvertretender Direktor des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Munich, „dass Autoimmunität eine große Rolle bei Typ-1-Diabetes spielt“. Heute, ein halbes Jahrhundert später, hat sich das Krankheitsmodell entsprechend verändert: Typ-1-Diabetes (T1D) gilt nun als progressive Autoimmunerkrankung, die in späteren Stadien zu einer metabolischen Erkrankung mit absolutem Insulinmangel wird.
 
Aktuelle Fakten
Typ-1-Diabetes ist weltweit die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland leidet etwa eines von 425 Kindern und Jugendlichen darunter (1). Die Autoimmunität wird durch verschiedene Faktoren begünstigt – eine genetische Veranlagung ist nur einer davon (2). Eine alleinige Testung auf Basis familiärer Vorgeschichte ist deshalb nicht ausreichend, um alle Betroffenen zu identifizieren.

Präsymptomatischer Typ-1-Diabetes: Nachweis durch mindestens zwei Insel-Autoantikörper

Als erstes Krankheitsstadium wurde eine Insel-Autoimmunität, bestimmt durch zwei oder mehr T1D-spezifische Autoantikörper, identifiziert. Zu diesem Zeitpunkt existieren weder klinische Symptome noch erhöhte Blutzuckerwerte. Dieser präsymptomatische T1D lässt sich jedoch durch den Nachweis von mindestens zwei Insel-Autoantikörpern diagnostizieren. „Sie können bereits Jahre vor dem Auftreten der ersten Erkrankungssymptome im Blut festgestellt und die Betroffenen mithin im Frühstadium identifiziert werden“, so Prof. Achenbach.
 
 

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Früherkennung ermöglicht personalisierte Behandlung

Die flächendeckende Einführung dieser Untersuchung würde den Weg zu neuen präventiven und personalisierten Behandlungen ebnen. Denn wie eine kürzlich veröffentlichte Projektion eines solchen Screenings in Deutschland über die nächsten 20 Jahre zeigt, befänden sich dadurch langfristig annähernd 21.000 Kinder und Jugendliche mit T1D im Frühstadium in der pädiatrischen Versorgung (3). „So können bereits vor der klinischen Manifestation wichtige Maßnahmen eingeleitet und betroffene Familien entsprechend geschult werden“, betont Prof. Achenbach. Zudem kann eine solche Früherkennung die hohe Rate an mitunter lebensbedrohlichen Ketoazidosen und die Hospitalisierungsrate bei Diagnosestellung verringern (3).

Quelle: Pressefrühstück „Früherkennung in der Diabetologie und Pädiatrie von Typ-1-Diabetes“ im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, 09.05.2024, Berlin; Veranstalter Sanofi

Literatur:

(1) Buchmann M. et al. Inzidenz, Prävalenz und Versorgung von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2023;8: 59 - 81.
(2) Insel R. A. et al. Staging presymptomatic type 1 diabetes. Diabetes Care 2015;38: 1964 -1974.
(3) Bonifacio E. et al. Effect of population-wide screening for presymptomatic early-stage type 1 diabetes on paediatric clinical care. Lancet Diabetes Endocrinol. 2024;6: S2213 - 8587.



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