Dienstag, 4. Oktober 2022
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Medizin

Hauttumoren seit Pandemie-Beginn später diagnostiziert

Hauttumoren seit Pandemie-Beginn später diagnostiziert
© Damian Gretka - stock.adobe.com
Die Inanspruchnahme der gesetzlichen Hautkrebsfrüherkennungsuntersuchung ist in der Coronapandemie stark eingebrochen. Die Folgen werden langsam sichtbar: Größere Tumoren bei der Erstdiagnose mit schlechteren Heilungschancen, warnt BVDD-Vizepräsident Dr. Thomas Stavermann. Über diese Entwicklung diskutieren Expert:innen auf der Pressekonferenz von BVDD und Deutscher Dermatologischer Gesellschaft (DDG) am 18. Februar 2022 auf der Dermatologie KOMPAKT & PRAXISNAH.

Verspätete Diagnose erhöht Risiko für Metastasenbildung

„Eine verschleppte Diagnose birgt insbesondere beim malignen Melanom das hohe Risiko, dass der Tumor bereits gestreut hat, was die Prognose deutlich verschlechtert“, warnt der Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen, Dr. Thomas Stavermann. Beim malignen Melanom ist unter anderem die Tumordicke ein wichtiger Parameter für die Überlebenschance der Betroffenen. Bereits ab einer Dicke von 1,01 Millimeter erhöht sich das Risiko für die Entstehung von Metastasen.

Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom seit Pandemie später diagnostiziert

Doch auch der weniger gefährliche, dafür aber viel häufigere helle Hautkrebs, der insbesondere als Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom auftritt und nur sehr selten metastasiert, sollte möglichst frühzeitig erkannt werden, um die häufig notwendigen Operationen ohne Komplikationen durchführen zu können. Dies gilt vor allem für Tumoren im Gesicht sowie in anderen sichtbaren Körperarealen. „Gerade beim hellen Hautkrebs sehen wir – beispielsweise im Augenbereich – häufiger größere Tumoren bei der Erstdiagnose als vor der Pandemie. Dies erfordert wiederum häufiger eine Überweisung in die Klinik, was wegen mangelnder Kapazitäten schwierig ist“, erläutert Dr. Stavermann die Erfahrungen aus seiner Berliner Großpraxis mit rund 6.500 Patient:innenkontakten pro Quartal. Außerdem sind während der Pandemie Patient:innen verzögert zu Befundbesprechungen und auch seltener zur Nachsorge erschienen. „Insbesondere die Älteren und Ängstlichen sind bei den Früherkennungsuntersuchungen zurückhaltender geworden“, so Dr. Stavermann.
 
 

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Quote bei Hautkrebsvorsorge seit Pandemie drastisch gesunken

Diese Entwicklung bestätigen die Abrechnungsdaten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach sank in der letzten Märzwoche 2020 mit Beginn der Pandemie die Fallzahl beim gesetzlichen Hautkrebsscreening drastisch um rund 70% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch in den anschließenden Quartalen verharrte die Inanspruchnahme der Hautkrebsfrüherkennungsuntersuchung unter dem Vorjahresniveau. Dieser Trend setzte sich im ersten Halbjahr 2021 mit einem durchschnittlichen Minus von 14,3 % im Vergleich zu 2019 fort.

Mangel an Dermatolog:innen senkt Quote bei Hautkrebsvorsorge

Für die geringere Inanspruchnahme des gesetzlichen Hautkrebsscreenings, das alle GKV-Versicherten ab 35 Jahren alle 2 Jahre nutzen können, ist aber nicht nur die Pandemie verantwortlich. Da es bundesweit nur rund 4.700 ambulant tätige Dermatologi:nnen gibt, führen seit seiner Einführung 2008 auch Allgemeinmediziner das gesetzliche Hautkrebsscreening durch. Dies geschieht häufig im Rahmen der Allgemeinen Gesundheitsuntersuchung (ehemals Check-up 35). Der Check-up stand allen Versicherten ab 35 Jahren alle 2 Jahre zu, sodass das Hautkrebsscreening passenderweise gleichzeitig durchgeführt werden konnte. Die 2019 eingeführte Allgemeinen Gesundheitsuntersuchung dürfen gesetzlich Versicherte aber nur noch alle 3 Jahre in Anspruch nehmen. „Das reißt die beiden Untersuchungen zeitlich auseinander, wodurch das gesetzliche Hautkrebsscreening sicherlich auch seltener in Anspruch genommen wird“, erläutert Dr. Stavermann. „Insgesamt stellen wir fest, dass deutlich weniger Patientinnen und Patienten zur Abklärung einer Hautveränderung mit einer Überweisung vom Hausarzt zum Dermatologen kommen.“

Quelle: Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD)



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