Montag, 5. Dezember 2022
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Medizin

Eingriffe am Herzen: Ältere Herzpatient:innen sollen durch ein neues Projekt besser vorbereiten werden

Eingriffe am Herzen: Ältere Herzpatient:innen sollen durch ein neues Projekt besser vorbereiten werden
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Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fördert das Projekt „PRECOVERY“ („Prehabilitation mit Schwerpunkt auf kardiale und kognitive Funktionen vor Eingriffen am Herzen: eine Analyse des Gesundheitszustands“) unter der Leitung der Klinik für Geriatrie der Universitätsmedizin Göttingen mit 5,3 Millionen Euro. Ziel des Projekts ist es, den Gesundheitszustand von Patient*innen über 75 Jahren vor einem geplanten Eingriff am Herzen zu verbessern.

Bundesweites Projekt untersucht Verbesserungen des Gesundheitszustands von älteren, herzkranken Patient:innen vor operativem Eingriff

Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen stetig an. Inzwischen leidet bundesweit fast jede 2. Person über 75 Jahren an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Wie sich der Gesundheitszustand von älteren, herzkranken Patient:innen bereits vor einem geplanten operativen Eingriff am Herzen durch eine gezielte und ganzheitliche Vorbereitung langfristig verbessern lässt, untersucht ein bundesweites Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Christine von Arnim, Direktorin der Klinik für Geriatrie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundessausschuss (G-BA) fördert das innovative Prähabilitationskonzept im Bereich neuer Versorgungsformen. Das Projekt PRECOVERY wird mit insgesamt 5,3 Millionen Euro unterstützt. Davon gehen rund 2 Millionen Euro an Einrichtungen der UMG. Das Vorhaben ist am 1. November 2022 gestartet. Die ersten Patient:innen können ab April 2023 in die Studie aufgenommen werden.

2-wöchige Prähabilitation umfasst verschiedene psychische, physio- und ergotherapeutische Ansätze sowie Gespräche mit Angehörigen

„Neueste Studien zeigen, dass nicht nur eine Rehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt, sondern insbesondere eine Vorbereitung, eine sogenannte Prähabilitation auf den Eingriff am Herzen, das Ergebnis erheblich verbessern kann. Aus den Erkenntnissen der Studien haben wir ein innovatives Therapiekonzept für die praktische Patientenversorgung entwickelt. Das soll nun wissenschaftlich überprüft werden“, sagt Prof. Dr. Christine von Arnim. Herzstück des Konzepts ist eine 2-wöchige Prähabilitation. Das Programm umfasst unter anderem psychische, physio- und ergotherapeutische Aspekte sowie Ernährungsberatung. Auch Gespräche mit den Angehörigen der Patient:innen sind Bestandteil der Vorbereitung auf den Eingriff am Herzen.

Risiken bei Eingriffen am Herzen sowie Erholungsphasen nehmen im höheren Alter zu

„Die operativen und minimal-invasiven Eingriffe bei altersabhängigen Herzerkrankungen bringen zwar zunehmend bessere Behandlungserfolge, jedoch nimmt im höheren Alter auch das Risiko zu. Zudem dauert die Erholungsphase nach dem Eingriff deutlich länger an, Langzeitfolgen sind möglich“, sagt Prof. Dr. Ingo Kutschka, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG.

An dem Projekt sind deutschlandweit 8 Herzzentren beteiligt

Deutschlandweit nehmen 8 Herzzentren an dem Projekt teil. Neben dem Herzzentrum der UMG mit seinen Mitgliedern, der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, sind sämtliche Herzzentren in Niedersachsen (Medizinische Hochschule Hannover, Städtisches Klinikum Braunschweig, Schüchtermann-Schiller’sche Kliniken Bad Rothenfelde, Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, Klinikum Oldenburg) sowie das Herzzentrum Brandenburg und das Universitätsklinikum Ulm in Kooperation mit den jeweiligen Rehabilitationszentren (Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg, Kirchberg-Klinik Bad Lauterberg, Klinik Fallingbostel, Schüchtermann-Schiller’sche Kliniken Bad Rothenfelde, Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, Rehabilitationszentrum Oldenburg, ZAR Ulm, Branden-burg-Klinik) beteiligt. Unterstützt werden die Zentren durch die AOK Niedersachsen und die AOK Baden-Württemberg sowie durch die Deutsche Sporthochschule Köln und die Deutsche Herzstiftung.

PRECOVERY soll Studienergebnisse zur kardialen Prähabilitation umsetzen – Zahlreiche positive Effekte werden erwartet

PRECOVERY soll es ermöglichen, die körperliche und psychische Verfassung der Patient:innen vor einem minimal-invasiven oder operativen Eingriff am Herzen zu zu verbessern, um so die Risiken nach einer Operation zu senken und die Genesung zu beschleunigen. „Studien zur kardialen Prähabilitation zeigen zahlreiche positive Effekte. Dazu gehören eine verminderte Delir-Rate, bessere körperliche Fitness, verbesserte Lebensqualität, eine kürzere Aufenthaltsdauer auf Intensivstation und kürzere Liegedauer sowie eine verbesserte Mitarbeit der Patient:innen in der postoperativen Rehabilitation. Mit PRECOVERY können wir ein zukunftweisendes Konzept für die Versorgung in Deutschland evaluieren“, sagt Professorin von Arnim. Die Einbeziehung eines herzspezifischen Programms in die übergreifende ambulante und stationäre Krankenversorgung älterer Herzpatient:innen wird bisher in Deutschland nicht angeboten.

Studie zu PRECOVERY startet Anfang 2023

Geplant ist eine prospektive, randomisierte klinische Studie, um die Wirksamkeit des Konzepts zu prüfen. Anfang 2023 sollen die ersten Patient:innen in die Studie aufgenommen werden. Davor wird von den beteiligten Expert:innen das Therapiekonzept und ein einheitliches Schulungsprogramm federführend durch die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG (Direktor: Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen) entwickelt. Langfristig wird erwartet, dass sich neben dem Gesundheitszustand auch die Lebenserwartung und die Lebensqualität verbessern. Begleitend erfolgt eine gesundheitsökonomische Betrachtung durch das Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie eine Prozessevaluation durch das Institut für Allgemeinmedizin der UMG (Direktorin: Prof. Dr. Eva Hummers, sowie Dr. Christiane Müller). „Bei positiver Evaluierung und genauer gesundheitsökonomischer Betrachtung könnte die neue Versorgungsform in Zukunft auch flächendeckend in die Regelversorgung weiterer Herzzentren Deutschlands übernommen werden“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

Projekte wie PRECOVERY werden mit Mitteln des Innovationsfonds gefördert

Der G-BA erhielt im Jahr 2016 vom Gesetzgeber den Auftrag, mit den Mitteln des Innovationsfonds solche Projekte zu fördern, die über die bisherige regelhafte Gesundheitsversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland hinausgehen, und gezielte Impulse für die innovative Weiterentwicklung des Gesundheitswesens geben. Die Mittel werden von den gesetzlichen Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds getragen und vom Bundesamt für Soziale Sicherung verwaltet. Die gesetzlich vorgesehene Fördersumme für neue Versorgungsformen und Versorgungsforschung beträgt in den Jahren 2020 bis 2024 jeweils 200 Millionen Euro. 80% der Mittel sollen für die Förderung neuer Versorgungsformen verwendet werden, 20% der Mittel für die Förderung der Versorgungsforschung. Die Festlegung von Schwerpunkten und Kriterien sowie die Bewertung und Entscheidung von Anträgen obliegt dem beim G-BA eingerichteten Innovationsausschuss.

Ziel des Herzzentrums der UMG ist eine qualitativ hochwertige und patientenorientierte Medizin

14 Kliniken und Institute sowie die Geschäftseinheit Pflegedienst der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten auf dem Gebiet des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge eng zusammen, um eine optimale und effiziente Krankenversorgung, Forschung und Lehre zu gewährleisten. Wesentliches Ziel des Herzzentrums der UMG ist es, eine qualitativ hochwertige Medizin patientenorientiert, aufgeschlossen und transparent zu praktizieren.

Mit Herz und Hirn gesund ins Alter – PRECOVERY als Teil des neuen Heart & Brain Center Göttingen

Die Studie PRECOVERY ist Teil der Forschungsvorhaben im neuen Heart & Brain Center Göttingen (HBCG). Viele Erkrankungen von Herz und Gehirn können nur durch fächerübergreifende Forschung verstanden, diagnostiziert und behandelt werden. Das Heart und Brain Center bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Das HBCG ist ein Symbol für die Innovationskraft der UMG und zeigt beispielhaft, wie durch interdisziplinäre Ansätze völlig neue diagnostische und therapeutische Methoden an der Schnittstelle zwischen großen Forschungsbereichen zu Herz und Gehirn entwickelt werden.

Quelle: Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität



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