Journal MED
Medizin

Der Nutzen der ePA sei greifbarer geworden, konstatierte Annette Rennert, niedergelassene Hausärztin in Dortmund. „Die Medikationsliste ist ein Gamechanger für uns, gleichzeitig finde ich immer mehr Befunde von anderen Kolleg:innen darin“, sagte sie. Trotz des noch vorherrschenden „Chaos“, etwa bei der Dateibenennung und der Dokumentenstruktur, zeigte sie sich optimistisch. „Wir müssen uns diese Übergangszeit zugestehen, in der es einfach noch nicht rund und gut läuft. Wer schon einmal Marathon gelaufen ist, weiß, man hat zwischendurch Hänger, aber man muss weiterlaufen.“ Rennert hob den kollaborativen Charakter der ePA hervor und sah sie als Chance, Arbeitsprozesse zu hinterfragen. „Wenn jemand anderes ineffizient arbeitet oder schlechte Prozesse hat, fällt das auf mich zurück.“

Doppelstrukturen vermeiden

In den Kliniken habe die Implementierung der ePA bereits zu Prozessveränderungen geführt, berichtete Gudrun Liß, Abteilungsleitung eHealth bei den Asklepios Kliniken. Sie wurde jetzt aktiv genutzt, wenn auch auf der Basis eines geringen Datenbestands. Je mehr dieser zunimmt, desto wichtiger wird eine strukturierte Dokumentenansicht. Liß verdeutlichte dies am Beispiel der Patientenkurzakte. “Der Arzt hat sieben Minuten pro Patient für die Erstaufnahme”, sagte sie, und müsse daher schnell erfassen können, welche Dokumente für den aktuellen Fall relevant sind. Zudem warnte sie vor Doppelstrukturen, etwa wenn Funktionen wie die Terminbuchung sowohl in den bereits bestehenden Patientenportalen verankert sind und perspektivisch auch in die ePA integriert werden sollen.

Positive Effekte bei chronisch Erkrankten

Lena Dimde, bei der gematik verantwortlich für die ePA, bestätigte, dass die Kliniken stark aufgeholt haben. Pro Woche würden aus dem stationären Bereich 90.000 Dokumente in die ePA eingestellt. Vor ein paar Monaten seien es noch 2.000 gewesen. Auch die ersten Rückmeldungen von Ärzten aus dem Klinikbereich seien positiv: Demnach befänden sich bei chronisch kranken und geriatrischen Patienten schon heute 4-5 medizinisch wertvolle Dokumente in der ePA. Dimde betont, dass sich die ePA von einer dokumentenbasierten Sammlung hin zu einer datenbasierten Infrastruktur weiterentwickeln muss. „Wir sind gerade erst losgelaufen“, sagte sie, „und wahrscheinlich bei Kilometer drei, also noch relativ am Anfang.“

Stephan Neubauer, Abteilungsleitung Interoperabilität und Datenintegration bei medatixx, betonte, es gehe nun darum, ePA vom „Rohbau“ in ein voll funktionsfähiges Versorgungsinstrument zu überführen. Die Industrie wünsche sich mehr Offenheit bei Schnittstellen und Standards, um Innovation schneller umsetzen zu können. „Etwa 70% unserer Entwicklungsleistungen betreffen die Regulatorik.“ Selbstkritisch reflektierte er, es sei notwendig, noch stärker auf die Bedürfnisse der Ärzt:innen einzugehen. Zugleich wünschte er sich mehr Aufklärung über die ePA durch die Krankenkassen.

Strategischer KI-Einsatz für zukunftsfähige Krankenhäuser

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Strategischer KI-Einsatz für zukunftsfähige Krankenhäuser

Jetzt lesen
Quelle:

Der ePA 2026 Reality-Check: Status Quo, Learnings und Ausblick. DMEA, Berlin, 21.04.2026

Stichwörter