Intervallfasten könnte bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen helfen
Intervallfasten könnte Entzündungsprozesse im Darm eindämmen und den Ausbruch chronischer Krankheiten verzögern – zu diesem Ergebnis kommt eine an Mäusen durchgeführte Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart (1). Ein weiteres Ergebnis: Das Mikrobiom des Darms liefert schon vor dem Beginn erster Symptome Hinweise auf eine bevorstehende Kolitis.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind weit verbreitet. Die Behandlungsmöglichkeiten sind bisher jedoch unzureichend. Ob eine zeitlich begrenzte Ernährung, das sogenannte Intervallfasten, positive Effekte auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen haben kann, testeten die Forschenden an Mäusen. Zur Hälfte nutzten sie dabei Versuchstiere, die gentechnisch so verändert waren, dass sie eine Kolitis entwickelten. Die Mäuse – mit und ohne Genveränderung – teilten die Forschenden in je 2 Gruppen ein: Die eine Gruppe hatte unbegrenzt Zugang zu Nahrung. Bei der 2. Gruppe begrenzten sie die Fütterung auf 8 Stunden täglich.
Intervallfasten zeigt bei allen Tieren positive Wirkung
Das Intervallfasten wirkte sich bei allen Mäusen positiv auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms aus. Bei den Mäusen mit einer experimentell ausgelösten Darmerkrankung zeigte sich eine zusätzliche Verbesserung der Lebensqualität. „Das Intervallfasten verzögerte den Ausbruch der Kolitis und reduzierte die Entzündungsmarker im Darm“, erklärt Hannah Ruple, Doktorandin am Fachgebiet für Mikrobiom und Angewandte Bioinformatik und Co-Autorin der Studie. „Eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme könnte somit eine Möglichkeit sein der Krankheit entgegenzuwirken.“
Intervallfasten konnte die innere Uhr der Mäuse positiv beeinflussen
Außerdem wollten die Forschenden den Zusammenhang mit der inneren Uhr untersuchen. Viele zelluläre, biochemische und physiologische Funktionen folgen einem 24-Stunden-Rhythmus. Auch die Zusammensetzung der Darmflora ändert sich im Laufe des Tages. Im Versuch wurde je ein Teil der Mäuse – mit und ohne Veranlagung für Kolitis – unter Normalbedingungen gehalten und ein Teil einem veränderten Lichtrhythmus ausgesetzt. Mit diesem Versuchsaufbau sollte getestet werden, ob Mäuse, die einem veränderten Lichtrhythmus ausgesetzt waren, schneller Kolitis entwickeln. Das überraschende Ergebnis: Die Studie lieferte keine eindeutigen Hinweise, dass eine Störung der inneren Uhr das Auftreten von Kolitis fördert. Jedoch zeigte das Intervallfasten positive Effekte. „Durch das Intervallfasten konnte die gestörte innere Uhr der Mäuse wieder verbessert werden“, sagte Prof. Dr. Lorentz. „Für uns Menschen kann das insofern relevant sein, da unsere innere Uhr oft durch unseren Lebensstil gestört wird – etwa weil wir Schichtarbeit leisten oder spät am Abend noch etwas essen.“
Früherkennung von Darmerkrankungen möglich
Eine weitere Beobachtung könnte helfen, Darmerkrankungen künftig bereits im Frühstadium zu erkennen. Die Forschenden konnten feststellen, dass es in Mäusen bereits vor dem Auftreten erster Symptome zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms und Störungen der inneren Uhr kommt, die auf eine bevorstehende Erkrankung hinweisen. Da diese Veränderungen einem Muster folgen, konnten die Forschenden vorhersagen, wann sich die ersten Symptome der Erkrankungen zeigen. Dieses Ergebnis lasse sich künftig vielleicht auch auf den Menschen übertragen, so die Autor:innen.
Quelle:Universität Hohenheim
Referenzen
(1) Ruple H.K. et al. (2025) The gut microbiota predicts and time-restricted feeding delays experimental colitis. Gut Microbes, 17(1), DOI: 10.1080/19490976.2025.2453019.