Dienstag, 27. Juli 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
Neue internationale Studie empfiehlt Umdenken bei herzgesunder Ernährung: 28. August 2018

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Was herzgesunde Ernährung wirklich ist, unterscheidet sich häufig von dem, was viele dafür halten, sagt Prof. Dr. Salim Yusuf (McMaster University, Hamilton, Canada) auf dem Europäischen Kongress für Kardiologie bei der Präsentation der PURE-Studie, die zeitgleich in The Lancet publiziert wird: „Zum Beispiel zeigen unsere Ergebnisse, dass Milchprodukte und Fleisch herzgesund sind und zur Langlebigkeit beitragen. Das weicht von herkömmlichen Ernährungsempfehlungen ab.“

Allerdings sei nur nicht-verarbeitetes Fleisch Teil einer herzgesunden Ernährung, so Prof. Yusuf. Außerdem sollte die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate begrenzt werden. Raffinierte Kohlenhydrate wurden industriell verarbeitet, wobei zumeist die Ballaststoffanteile entfernt werden. Derart wird Vollkornmehl zu Weißmehl und Zuckerrohr bzw. Zuckerrüben zu Haushaltszucker.

Das sind die Ergebnisse einer Gesamtanalyse von fünf Studien mit mehr als 218.000 Teilnehmern, die aus über 50 Ländern in fünf Kontinenten kamen. Diese Ergebnisse, so Prof. Yusuf, treffen auf Menschen aus unterschiedlichen Gegenden der Welt zu und seien global gültig. Ziel der PURE-Studie sei, Bestandteile einer modernen und internationalen Diät zu identifizieren, die Herzgesundheit und Langlebigkeit fördert. Fazit: Menschen mit einer Diät, die Obst, Gemüse, Nüsse, Fisch, Milchprodukte und Fleisch betont, hatten das niedrigste Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder daran zu versterben.

Prof. Landmesser: Kein Freibrief für exzessiven Fleischkonsum – viel fetter Käse nicht ideal

„Diese Ergebnisse dürfen aus kardiologischer Sicht nicht als Freibrief für einen exzessiven Fleischkonsum interpretiert werden – von übermäßigen Fleisch- und Wurstwaren wird ohnehin ausdrücklich abgeraten – sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung“, kommentiert Prof. Dr. Ulf Landmesser (Charité, Berlin) diese Ergebnisse. „Bei dieser international angelegten Studie müssen jedenfalls auch regionale Unterschiede bei der Ernährung und bei der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln berücksichtigt werden. In den wohlhabenden Ländern ist insgesamt aus herzmedizinischer Sicht der Fleischkonsum tendenziell viel zu hoch, hier sollte ein höherer Anteil der in der Studie von Prof. Yusuf genannten Bestandteile einer herzgesunden Diät abgestrebt werden: Also Obst, Gemüse, Nüsse, Fisch und Milchprodukte, wobei bei letzteren der Fettanteil nicht zu hoch sein sollte. Zuviel fetter Käse zum Beispiel ist nicht ideal.“

Jedenfalls sollten die Ergebnisse nicht überinterpretiert werden, so Prof. Landmesser: „Es handelt sich hier um eine Beobachtungsstudie. Diese haben eine geringere Aussagekraft als Interventionsstudien, in denen die Effektivität einer bestimmten Intervention – etwa einer Ernährungsintervention – untersucht und zum Beispiel mit einer Kontrollgruppe ohne diese Intervention verglichen wird.“

Hohe Qualität der Ernährungsform – niedrige Rate an kardiovaskulären Events und Tod

Von Prof. Yusuf und seinem Team wurde für die Studie ein spezieller Ernährungsqualitäts-Score entwickelt und die Teilnehmer von insgesamt fünf internationalen Studien wurden, je nach der Qualität ihrer Ernährung, in fünf Gruppen aufgeteilt. Verglichen wurde schließlich das Risiko der einzelnen Gruppen, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu erkranken oder daran zu versterben. Die Zusammenhänge zwischen Nahrungsqualität, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Tod wurden zunächst bei 138.527 Menschen zwischen 35 und 70 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Krankheit in der PURE-Studie untersucht. Anschließend wurden die Ergebnisse überprüft bei 31.546 Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Krankheit aus der ONTARGET und der TRANSCEND-Studie, 27.098 Patienten mit einem ersten Herzinfarkt aus der INTERHEART-Studie, und 20.834 Patienten mit einem ersten Schlaganfall aus der INTERSTROKE Studie.

Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 9,1 Jahren gab es 6.821 Todesfälle und 5.466 kardiovaskuläre Ereignisse wie Tod durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, nicht tödliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzschwäche. Fazit: Die Ernährungsform mit der höchsten Qualität war assoziiert mit der niedrigsten Rate an kardiovaskulären Events, Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und nicht-kardiovaskulärem Tod. Die anderen Studien zeigten vergleichbare Ergebnisse.

„Empfehlungen für eine qualitätsvolle Diät zur Vorbeugung von kardiovaskulären Krankheiten basieren häufig auf Studien, die vor Jahrzehnten in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt wurden, sagt Prof. Yusuf. Es gab bisher wenige Informationen darüber, was die Menschen heute weltweit essen und wie sich das auf die Herzgesundheit auswirkt.

B&K – Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Kinder und Sport: Alarmzeichen Rückenschmerz
Kinder und Sport: Alarmzeichen Rückenschmerz
©Dusan Kostic - stock.adobe.com

Bei Kindern und Jugendlichen, die intensiv Sport treiben, sollte man auf Alarmzeichen wie Kreuz- und Rückenschmerzen unbedingt achten. Bei der noch wachsenden Wirbelsäule kann es – im Unterschied zum Erwachsenen – zu echten strukturellen Problemen kommen. Werden diese nicht erkannt und therapiert, sind Schäden im Erwachsenen-Alter vorprogrammiert. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) beleuchtet dieses Thema intensiv auf ihrem 36. Jahreskongress am 1. und 2. Juli. In Live-Streams und „on demand-Sitzungen“ tauschen sich Hunderte Ärzte, Physiotherapeuten und...

Sport für Kinder: Warum richtiges Training und die vernünftige Dosis so wichtig sind
Sport für Kinder: Warum richtiges Training und die vernünftige Dosis so wichtig sind
©Pixel-Shot - stock.adobe.com

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Knochen, Muskeln, Sehnen sowie ihr Stoffwechsel, „ticken“ im Alter des Heranwachsens noch anders. Deshalb sollte beim Sport explizit darauf geachtet werden, kind- und entwicklungsgerechtes Training anzubieten und kein reduziertes Erwachsenen-Training durchzuführen. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) widmet sich als Partner auf dem Sports, Medicine and Health Summit 2021 unter anderem diesem Thema.

Helm auf beim Fahrradfahren
Helm auf beim Fahrradfahren
© Rido / Fotolia.de

Helm auf beim Fahren mit dem Fahrrad, E-Bike oder E-Scooter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Kommt es zu einem Unfall, sind Zweiradfahrer besonders verletzungsgefährdet. Denn das Zweirad bietet keine Knautschzone wie etwa ein Pkw. „Fahrradhelme können Unfälle nicht vermeiden, aber die Verletzungsfolgen deutlich verringern. Kopf- und insbesondere Gehirnverletzungen können irreversible Schäden verursachen. Im Gegensatz dazu können wir heute Knochenbrüche so gut behandeln, dass diese meist...

Hornhautveränderungen bei Liderkrankungen
Hornhautveränderungen bei Liderkrankungen
©Vera Kuttelvaserova - stock.adobe.com

Die Augenoberfläche ist ein sensibles System. Jedes einzelne ihrer Bestandteile – die Lider, die Bindehaut, die Hornhaut und der Tränenfilm – spielt eine wichtige Rolle. So lange alles funktioniert, ist uns gar nicht bewusst, wie komplex dieses Zusammenspiel ist. Doch eine Störung an einem Teil wirkt sich auf alle anderen aus. Das kann gravierende Folgen für das Sehvermögen und das Wohlbefinden des Betroffenen haben.

Frühlingssonne genießen – Hautkrebs vermeiden: Deutsche Krebshilfe und ADP einfache Tipps gegen Hautkrebs
Frühlingssonne genießen – Hautkrebs vermeiden: Deutsche Krebshilfe und ADP einfache Tipps gegen Hautkrebs
©Brian Jackson / Fotolia.de

Warmes, sonniges Frühlingswetter: „Balsam für die Seele“ nach entbehrungsreichen Winterwochen im Pandemie-Lockdown. Neben wohltuender Wärme und sichtbarem Licht gehören allerdings auch unsichtbare ultraviolette (UV-) Strahlen zum Spektrum der Sonne. Viele Menschen unterschätzen gerade im Frühjahr die Gefahren der schon jetzt intensiven Sonnenbestrahlung. Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP) raten daher: Gewöhnen Sie Ihre Haut behutsam an die sonnenreiche Jahreszeit und vermeiden Sie...

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung
© pikselstock - stock.adobe.com

Was ist bloß mit der Politik los?! Das fragen sich kopfschüttelnd immer mehr Patienten mit Diabetes, Angehörige und Risikopatienten. Laut einer aktuellen Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mit mehr als 1500 Menschen fühlen sich 86 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht angemessen in der Politik vertreten. Das will die neue „Digitale Allianz Diabetes Typ 2“, ein Bündnis aus 16 Diabetesorganisationen und Fachverlagen, ändern! 

Erstes digitales DGU-Patientenforum

Erstes digitales DGU-Patientenforum
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de

Auch in Zeiten digitaler Kongresse kümmert sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) um Patientinnen und Patienten: Statt der traditionell angebotenen Vor-Ort-Patientenveranstaltung anlässlich einer jeden DGU-Jahrestagung geht die PatientenAkademie der Fachgesellschaft neue Wege und bietet nun kostenlos und frei verfügbar das erste digitale Patientenforum in der Deutschen Urologie an. „Im Rahmen des 72. DGU-Kongresses, der vom 24. bis 26. September 2020 als Live-Stream aus dem Congress Center Leipzig gesendet wurde, haben wir 6 ausgewiesene Experten...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)