Freitag, 7. Mai 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
23. April 2021

Hauterkrankungen als lebenslange Begleiter: Wie moderne Medikamente die Lebensqualität bei chronisch-entzündliche Dermatosen erhöhen

Von Schuppenflechte und Neurodermitis sind hierzulande Menschen allen Alters betroffen. Für viele wird die chronisch-entzündliche Hauterkrankung zum lebenslangen Begleiter, der nicht nur durch Symptome wie Juckreiz und Schuppung belastet, sondern auch die Lebensqualität mindert. Die Sichtbarkeit dieser Dermatosen führt oft zu einer Stigmatisierung. Welche Erkenntnisse zur Entstehung dieser Hautkrankheiten die Behandlungsoptionen maßgeblich verändert haben und wie Patientinnen und Patienten von der Therapie mit Biologika profitieren, erläutern Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) auf der Pressekonferenz am 14. April 2021 zum Auftakt der 51. virtuellen DDG-Tagung (14. bis 17. April 2021).
Anzeige:
Eigenwerbung
 

Stigmatisierung und Diskriminierung als Folge von Hauterkrankungen

Chronisch-entzündliche Hauterkrankungen mit Symptomen wie Juckreiz, Schuppung und Brenngefühlen sind an und für sich schon belastend. Menschen mit Psoriasis oder Neurodermitis erleben zudem häufig auch noch Ablehnung und Distanz in ihrem Umfeld. „In unseren Breiten dominiert ein bestimmtes Ideal von Schönheit, zu dem helle, glatte und makellose Haut gehört. Für Menschen mit Hauterkrankungen – vor allem an sichtbaren Stellen wie Gesicht, Hände oder Haaransatz – bedeutet das oft, dass sie aufgrund der ‚anders aussehenden Haut‘, der Rötungen oder Schuppungen stigmatisiert werden“, erklärt Professor Dr. med. Michael Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Marburg/UKGM. Aus dem Prozess der Stigmatisierung folge dann meist auch eine Diskriminierung, so der Generalsekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).
 
Dem Deutschen Psoriasis Bund e.V. zufolge ist die Ablehnung aufgrund der Hautveränderung durch Schuppenflechte sehr hoch. Bei einer Fragebogenerhebung im Jahr 2020, an der 630 Personen teilnahmen, gaben 9 von 10 Befragten (87,1%) an, abfälligen Blicken oder abwertenden Bemerkungen ausgesetzt zu sein. Über 3 Viertel der Befragten (77,4%) widerfuhr dies bis zu viermal jährlich. Negative Erfahrungen, die mit dem Empfinden einhergehen, gemieden oder ausgegrenzt zu werden, wirken sich langfristig auf das Leben der an Psoriasis erkrankten Menschen aus: Sie beschränken sich aus Scham in ihren sozialen Kontakten, was wiederum zu sozialer Isolierung, Stimmungsschwankungen und bis hin zu Depressionen führen kann.
„Die sozialen Folgen der Erkrankung senken die Lebensqualität der Betroffenen. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit den Biologika Medikamente bei Psoriasis und bei Neurodermitis einsetzen können, die nicht nur das klinische Bild verbessern und die Symptome lindern, sondern auch die Lebensqualität erhöhen“, betont Hertl.

Biologika Medikamente lindern Symptome und erhöhen die Lebensqualität

Intensive Forschungen zur Pathogenese beider Erkrankungen haben die Entwicklung moderner, systemischer Medikamente vorangetrieben. So gab es bis vor etwa 20 Jahren bei der Schuppenflechte vor allem eine sogenannte Lokaltherapie, also eine rein äußerliche Behandlung der Haut. Mittlerweile gibt es sehr wirksame, systemische Behandlungsmöglichkeiten der Psoriasis mit zielgerichteten, entzündungshemmenden Medikamenten, den Biologika.

Wie wirkungsvoll die neuen Medikamente sind, lässt sich mit dem Psoriasis Area and Severity Index, kurz PASI, ermitteln. Dieser Messwert berücksichtigt die Symptomstärke sowie den prozentualen Anteil der betroffenen Körperoberfläche und wird zur klinischen Beurteilung einer Psoriasis eingesetzt. Die Zielgröße der Behandlung, der sogenannte PASI-90, bedeutet, dass sich die Hautveränderungen um 90% verbessern. Dieses Ansprechen wird durch monoklonale Antikörper gegen entzündungsfördernde Zytokine erreicht. 3 Substanzgruppen stehen zur Verfügung, die entsprechend den individuellen Verhältnissen der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können. „Die Bewertung des Therapieerfolges schließt heute neben den klinischen Parametern wie PASI zunehmend auch Parameter der Lebensqualität mit ein“, sagt Hertl.

Auch bei der Neurodermitis (dem atopischen Ekzem) und der Urtikaria (Nesselsucht) werden inzwischen Biologika erfolgreich eingesetzt, um das Krankheitsbild gezielter, wirksamer und nebenwirkungsärmer zu behandeln. Hier kommen Antikörper gegen entzündungsfördernde Zytokinrezeptoren und IgE-Antikörper zum Einsatz, die zu einer deutlichen Verbesserung des klinischen Bildes und der Juckreizhemmung führen.

Für Professor Dr. med. Peter Elsner, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), ist ein weiterer Aspekt wichtig. Patientinnen und Patienten sollten in ihrem Kampf gegen Stigmatisierung und Benachteiligung unterstützt werden. „Zusammen mit den Patienteninitiativen müssen wir Konzepte entwickeln, die im Arbeits- und im Freizeitbereich greifen. Medikamente allein, so gut sie auch sein mögen, reichen nicht aus, um die Lebensqualität der Erkrankten nachhaltig positiv zu beeinflussen“, erklärt der Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena. 

DDG


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Trotz Allergie mit Katzen leben
Trotz Allergie mit Katzen leben

Mit fast 15 Millionen Tieren sind Katzen die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Leider ist das Zusammenleben mit dem Schmusetiger nicht immer ungetrübt: Bei Allergikern kann schon der Aufenthalt im selben Zimmer gerötete Augen, Schnupfen, Asthma und Atemnot hervorrufen. Die wirksamste, aber auch schwerste Gegenmaßnahme ist es, das Tier abzugeben. Nun haben Wissenschaftler eine ganz neue Lösung für das Problem entwickelt: Ein allergenreduzierendes Katzenfutter. Was es damit auf sich hat, beschreibt ein neuer Ratgeber der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V.

Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
©Prostock-studio - stock.adobe.com

Mindestens jeder 5. Bundesbürger ist tätowiert, schätzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Doch auch wenn Tattoos inzwischen alltäglich erscheinen: Harmlos sind die Farbinjektionen nicht. Bei 0,5 bis 6% aller Tätowierten kommt es epidemiologischen Studien zufolge zu einer Infektion – mit mehr oder weniger schweren Folgen. Schwerwiegend können die Auswirkungen für Herzpatienten sein: Werden die Keime in die großen Blutbahnen gespült, können sie auch andere Organe wie das Herz angreifen. „Besonders leicht befallen...

Welt-Parkinson-Tag: AbbVie ruft Parkinson-Check ins Leben
Welt-Parkinson-Tag: AbbVie ruft Parkinson-Check ins Leben
©Alessandro Grandini - stock.adobe.com

Der Welt-Parkinson-Tag soll ein tieferes Verständnis für die Lebenssituation von Betroffenen und ihren Angehörigen schaffen, um die Versorgung von Menschen mit Parkinson weiter zu verbessern. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die rechtzeitige Anpassung der Behandlung im Verlauf der fortschreitenden Erkrankung. Zu verstehen, wann Parkinson als fortgeschritten eingestuft und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden sollten, ist dabei ausschlaggebend. Das Portal Parkinson-Check.de hilft PatientInnen bei der Einordnung und Vorbereitung auf das Arztgespräch.

Für gut befunden: App „Atemwege gemeinsam gehen“
Für gut befunden: App „Atemwege gemeinsam gehen“
©rh2010 - stock.adobe.com

Die App „Atemwege gemeinsam gehen“ (AGG) von AstraZeneca erhielt als eine der ersten pneumologischen Apps das kürzlich eingeführte PneumoDigital Siegel der Atemwegsliga e.V. Es ist die erste, gemeinsam mit LungenfachärztInnen und SportwissenschaftlerInnen speziell entwickelte Trainings-App für Menschen mit (schwerem) Asthma. Die Übungen für die NutzerInnen erläutert die sportliche AGG-Botschafterin Heike Drechsler in kurzen Videos. Das PneumoDigital Siegel stuft die App als übersichtlich gestaltet, gut anwendbar und motivierend ein.

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation
Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Die Publikation enthält zentrale Ergebnisse der Datenauswertung aus dem Jahresbericht 2020 – kurz und patientenverständlich zusammengefasst. Totalendoprothesen (vollständiger Ersatz des Gelenkes) stellen die am häufigsten verwendete Prothesenform bei Hüft- und Knieimplantationen dar. Bei künstlichen Kniegelenken wird zunehmend die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt. Patientenbezogene Faktoren wie Alter, BMI oder Vorerkrankungen beeinflussen das Risiko für eine Wechseloperation deutlich.

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!
Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben zur Folge, dass Bewegungsangebote wie Reha-Gruppen oder Aqua-Fitness nicht stattfinden. Fitnessstudios sind geschlossen. Auch Winter- und Vereinssport ist momentan nicht möglich. Nicht nur Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 fällt es aktuell schwer, sich weiterhin täglich ausreichend zu bewegen. Hinzu kommt, dass an den Weihnachtstagen und an Silvester traditionell ausgiebig geschlemmt wird. Doch körperliche Aktivität ist wichtig für den Stoffwechsel. Bereits zehn Minuten mehr...

Das könnte Sie auch interessieren

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt wird, der ist gerne zur Einnahme eines solchen Arzneimittels bereit. Das sind Ergebnisse einer...

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung

Lückenschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
© upixa - stock.adobe.com

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) erweitert sein Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen durch die Eröffnung einer neuen Schmerztagesklinik. Die Patienten kommen jeden Morgen zur Behandlung und erhalten nach einem individuellen Behandlungsplan ihre Therapien. In Seminaren erfahren sie Wissenswertes über krankheits- und schmerzbezogene Themen. Am Nachmittag gehen die Patienten dann wieder nach Hause. Sie bleiben somit in ihrem häuslichen Umfeld integriert – mit allen Aufgaben und Belastungen – und können beispielsweise ihre...

Rückenfit an der frischen Luft

Rückenfit an der frischen Luft
© AGR/BdR

Zum 17. Mal findet am 15. März 2018 der Tag der Rückengesundheit statt. Das diesjährige Motto „Rückenfit an der frischen Luft“ möchte dazu motivieren, sich mehr in der Natur zu bewegen und sportliche Aktivitäten im Freien zu genießen. Frische Luft belebt Körper und Geist und Tageslicht sorgt zusätzlich für gute Laune. Initiiert und organisiert wird der Aktionstag von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Rund um den 15. März finden bundesweit zahlreiche...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hauterkrankungen als lebenslange Begleiter: Wie moderne Medikamente die Lebensqualität bei chronisch-entzündliche Dermatosen erhöhen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • SARS-CoV-2: EMA startet Schnell-Prüfverfahren für Sinovac-Impfstoff
  • SARS-CoV-2: EMA startet Schnell-Prüfverfahren für Sinovac-Impfstoff