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Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
©psdesign1 / Fotolia.de
70.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen würde. Die neuen und in dieser Woche publizierten internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung unterstreichen: Auf die ersten Minuten kommt alles an! Daher müssen mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. So fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC): 1. Mehr Schülerinnen und Schüler in Wiederbelebung schulen. 2. Telefonreanimation und Ersthelfersysteme flächendeckend etablieren. 3. Patienten in entsprechend qualifizierten Krankenhäusern, so genannten Cardiac Arrest Zentren, behandeln. 
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Professor Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des GRC sagt: „Unsere neuen Leitlinien haben klare Empfehlungen für jeden von uns und für die Politik. Es gibt einiges zu tun mit Blick auf einen frühen Beginn von Wiederbelebungsmaßnahmen. So können wir in jedem Jahr 10.000 Menschenleben zusätzlich retten.“

Was ist neu in 2021?

Der Europäische Rat für Wiederbelebung und der GRC veröffentlichen alle 5 Jahre – basierend auf der gesamten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz – aktuelle internationale Leitlinien für die Wiederbelebung. Zentrale Aussagen zur Durchführung einer Wiederbelebung wurden in 2021 weitgehend beibehalten. Gleichzeitig wurden viele Empfehlungen durch neue Literatur und wissenschaftliche Evidenz noch besser begründet. So gilt nach wie vor: Fest und schnell drücken, ohne Pausen, Beatmen, wenn möglich auch durch Laien, frühe Defibrillation, Kinder im Zweifelsfall reanimieren wie Erwachsenen.

In den Leitlinien 2021 neu hinzugekommen sind die Kapitel „Epidemiologie“ und „Systeme, die Leben retten“. Dadurch rücken zentral wichtige Themen wie Laienreanimation, Telefonreanimation, Ersthelfersysteme z.B. durch Apps, „KIDS SAVE LIVES“ – die Schülerausbildung in Wiederbelebung – und Cardiac Arrest Zentren mehr in den Vordergrund. „Immer noch beginnen bei uns nur in 40% Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen, der Durchschnitt der europäischen Länder liegt hier bei 58%“, weiß Böttiger. „Und in einigen Ländern liegt diese Quote sogar bei über 80%! Deutschland ist hier deutlich unter dem Durchschnitt, obwohl hierdurch das Überleben der Betroffenen um das Dreifache verbessert wird.“

Was muss getan werden, um das Überleben deutlich zu verbessern?

„Die konsequente bundesweite Umsetzung der Schülerausbildung in Wiederbelebung, der Telefonreanimation – also die telefonische Anleitung zur Wiederbelebung durch die Leitstelle – und die Etablierung von sogenannten Ersthelfersystemen können in Deutschland sogar kurzfristig die Kehrtwende bringen,“ sagt Dr. Dr. Burkhard Dirks, Generalsekretär des GRC. „Hierzu braucht es endlich klare gesetzliche bundesweite Vorgaben durch die Politik. All das kostet kaum etwas und bringt unglaublich viel.“

Entstehung und Publikation der Leitlinien zur Wiederbelebung  

Die neuen Leitlinien sind das Ergebnis jahrelanger intensiver internationaler Analyse aller verfügbaren Daten. Am 27.03.2021 wurden die Leitlinien auf dem GRC-Reanimationsdialog auch in deutscher Sprache vorgestellt. Die deutschsprachige Kurzfassung „Leitlinien Kompakt“ ist bereits auf der Homepage des GRC verfügbar – und bald auch die gesamten Leitlinien. Sie bestehen aus insgesamt 11 Kapiteln und stellen detailliert und umfassend die gesamte wissenschaftliche Basis und die daraus abgeleiteten Therapieempfehlungen dar: 

1. Epidemiologie
2. Systeme, die Leben retten
3. Basismaßnahmen zur Wiederbelebung Erwachsener (BLS)
4. Erweiterte Reanimationsmaßnahmen für Erwachsene (ALS)
5. Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen
6. Postreanimationsbehandlung
7. Erste Hilfe
8. Die Versorgung und Reanimation des Neugeborenen nach der Geburt (NLS)
9. Lebensrettende Maßnahmen bei Kindern (PLS)
10. Ethik
11. Ausbildung

Professor Dr. Bernd Böttiger, der auch Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Uniklinik in Köln ist, schlussfolgert: „Nun ist jede und jeder Einzelne von uns und ein besonderes Engagement der Politik gefordert. Es geht um sehr viele Menschenleben, die gerettet werden könnten. Erfreulicherweise sind wir in Deutschland bei der Etablierung und Zertifizierung von Cardiac Arrest Zentren und auch bei nationalen und weltweiten Aktivitäten zur Laienausbildung in Wiederbelebung bereits vorne mit dabei.“

Deutscher Rat für Wiederbelebung


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