Dienstag, 22. Juni 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
13. März 2020

Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin

Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) dazu auf, die Vorsorgekoloskopie besser zu nutzen. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Angebot gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die in der Medizin zu Verfügung stehen: In den ersten 10 Jahren nach Einführung der gesetzliche Darmkrebsfrüherkennung sank die Darmkrebssterblichkeit bei Männern ab 55 Jahren um fast 21 %, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um mehr als 26 %. Zukünftig werden Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) die Darmkrebsvorsorge noch verlässlicher machen. Offen ist derzeit jedoch noch, welche der KI-Anwendungen für Patienten entscheidende Vorteile bringen und wann diese in die breite Anwendung gehen werden.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 60 000 Menschen neu an Darmkrebs. Ein Großteil dieser Fälle wäre vermeidbar, wenn mehr Menschen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen würden. „Die Vorsorgekoloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die wir in der gesamten Medizin haben“, sagt Professor Dr. med. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen. Darmkrebs entwickelt sich meist sehr langsam. Bei einer Darmspiegelung kann der Arzt Vorstufen von Krebs entdecken und diese während der Untersuchung entfernen. 
 
Computergestützte lernfähige Systeme, die derzeit zunehmend in die klinische Anwendung gehen, unterstützen Ärzte, indem sie während der Untersuchung Live-Bilder aus dem Darm analysieren und mit hoher Treffsicherheit verdächtige Stellen auf dem Monitor markieren. Sie könnten die Darmkrebsvorsorge zukünftig noch verlässlicher machen, so Dr. med. Ulrich Rosien, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS und Leiter der Endoskopie am Israelitischen Krankenhaus Hamburg. Er schränkt jedoch ein: „Aktuell sind diese Systeme Ärzten vor allem beim Aufspüren sehr kleiner Polypen unter 5mm überlegen, bei denen unklar ist, ob sie jemals überhaupt entarten – deshalb können wir derzeit nicht sagen, ob sich aus deren besseren Erkennung mittels KI tatsächlich ein Vorteil für Patienten im Sinne der Krebsvermeidung oder einer höheren Überlebensrate ergibt.“ Auch sei aktuell noch offen, welche der KI-Anwendungen – diese arbeiten mit unterschiedlichen Mechanismen, etwa Algorithmen- oder aber „Deep-learning“-basiert – in der klinischen Praxis tatsächlich die besten Ergebnisse liefern. Die Systeme seien noch nicht oder nicht lange genug in der regulären Versorgung etabliert, um diese Frage zu beantworten. Dies müssten Untersuchungen der Zukunft zeigen.
 
Doch schon heute ist die Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung ein hocheffektives Instrument. „Deren Qualität hängt nicht allein von technischer Unterstützung des Arztes durch KI ab – ebenso wichtig ist beispielsweise, dass der Arzt über ausreichend Erfahrung verfügt, und sich für die Untersuchung Zeit lässt“, sagt Professor Dr. med. Helmut Messmann, Sekretär der Sektion Endoskopie der DGVS und Direktor der III. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Augsburg. Auch Patienten selbst können zur Qualität der Untersuchung beitragen: „Je sorgfältiger die Darmreinigung vorab durchgeführt wurde und je sauberer der Darm ist, desto besser können wir die Strukturen der Darmwand beurteilen und Polypen entdecken und entfernen.“
 
Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die DGVS dazu auf, die Darmkrebsfrüherkennung stärker in Anspruch zu nehmen. Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen mit dem immunologischen Stuhltest (iFOBT) jährlich ihren Stuhl auf verstecktes Blut untersuchen lassen. Zudem bietet das Früherkennungsprogramm Männern ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung an, die zuverlässigste Methode der Früherkennung. Sie sollte alle 10 Jahre wiederholt werden. Wer die Früherkennungskoloskopie nicht in Anspruch nehmen möchte, kann alternativ alle 2 Jahre einen iFOBT-Test durchführen lassen.
 

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
„Meine Patientenverfügung“: Vorsorge, Sterbehilfe und Organspende
„Meine Patientenverfügung“: Vorsorge, Sterbehilfe und Organspende
©Alexander Raths - stock.adobe.com

Eine Patientenverfügung ist das richtige Mittel, um im Fall der Fälle das Selbstbestimmungsrecht am Lebensende wahrzunehmen. „Meine Patientenverfügung“, der neue Ratgeber der Stiftung Warentest, informiert darüber, was in solch einem Dokument bestimmt werden kann und wie eine Patientenverfügung erstellt wird. Er beschreibt auch, wie man am Lebensende gut versorgt ist und selbstbestimmt sterben kann.

Algorithmus für schuhbasiertes Blindenassistenzsystem
Algorithmus für schuhbasiertes Blindenassistenzsystem
©Africa Studio - stock.adobe.com

Ein Schuh, der sagt wo’s lang geht: Die Niederösterreichische Firma Tec-Innovation hat einen intelligenten Schuh zur Erkennung von Hindernissen entwickelt. Der als „InnoMake“ bezeichnete Schuh ist seit kurzer Zeit als zugelassenes Medizinprodukt am Markt und soll die persönliche Mobilität von blinden und sehbeeinträchtigten Menschen sicherer gestalten. „Ultraschall-Sensoren an der Schuhspitze erkennen Hindernisse in bis zu 4 Metern Entfernung. Der Träger wird daraufhin per Vibration und/oder akustischen Signalen gewarnt. „Das funktioniert sehr gut und ist auch mir persönlich schon eine...

Diabetes Typ 2: Informationen und Unterstützung trotz Kontaktbeschränkungen
Diabetes Typ 2: Informationen und Unterstützung trotz Kontaktbeschränkungen
©fotomek - stock.adobe.com

Sie kann sich schleichend entwickeln, jahrelang keine Symptome hervorrufen und trotzdem bereits unbemerkt Organe schädigen: Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die häufig erst im Zusammenhang mit weiteren gesundheitlichen Beschwerden festgestellt wird, zum Beispiel am Herz-Kreislauf- oder Nervensystem. Über 90% der mehr als 8 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland weisen den Typ 2 auf. Viele neudiagnostizierte Betroffene fühlen sich nach der Diagnose zunächst von der Komplexität der Erkrankung und ihrer Therapie überfordert. Aufgrund der...

Trotz Allergie mit Katzen leben
Trotz Allergie mit Katzen leben

Mit fast 15 Millionen Tieren sind Katzen die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Leider ist das Zusammenleben mit dem Schmusetiger nicht immer ungetrübt: Bei Allergikern kann schon der Aufenthalt im selben Zimmer gerötete Augen, Schnupfen, Asthma und Atemnot hervorrufen. Die wirksamste, aber auch schwerste Gegenmaßnahme ist es, das Tier abzugeben. Nun haben Wissenschaftler eine ganz neue Lösung für das Problem entwickelt: Ein allergenreduzierendes Katzenfutter. Was es damit auf sich hat, beschreibt ein neuer Ratgeber der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V.

Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
©Prostock-studio - stock.adobe.com

Mindestens jeder 5. Bundesbürger ist tätowiert, schätzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Doch auch wenn Tattoos inzwischen alltäglich erscheinen: Harmlos sind die Farbinjektionen nicht. Bei 0,5 bis 6% aller Tätowierten kommt es epidemiologischen Studien zufolge zu einer Infektion – mit mehr oder weniger schweren Folgen. Schwerwiegend können die Auswirkungen für Herzpatienten sein: Werden die Keime in die großen Blutbahnen gespült, können sie auch andere Organe wie das Herz angreifen. „Besonders leicht befallen...

Das könnte Sie auch interessieren

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Für gut befunden: App „Atemwege gemeinsam gehen“

Für gut befunden: App „Atemwege gemeinsam gehen“
©rh2010 - stock.adobe.com

Die App „Atemwege gemeinsam gehen“ (AGG) von AstraZeneca erhielt als eine der ersten pneumologischen Apps das kürzlich eingeführte PneumoDigital Siegel der Atemwegsliga e.V. Es ist die erste, gemeinsam mit LungenfachärztInnen und SportwissenschaftlerInnen speziell entwickelte Trainings-App für Menschen mit (schwerem) Asthma. Die Übungen für die NutzerInnen erläutert die sportliche AGG-Botschafterin Heike Drechsler in kurzen Videos. Das PneumoDigital Siegel stuft die App als übersichtlich gestaltet, gut anwendbar und motivierend ein.

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung
© pikselstock - stock.adobe.com

Was ist bloß mit der Politik los?! Das fragen sich kopfschüttelnd immer mehr Patienten mit Diabetes, Angehörige und Risikopatienten. Laut einer aktuellen Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mit mehr als 1500 Menschen fühlen sich 86 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht angemessen in der Politik vertreten. Das will die neue „Digitale Allianz Diabetes Typ 2“, ein Bündnis aus 16 Diabetesorganisationen und Fachverlagen, ändern! 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Vorsorgekoloskopie gehört zu den effektivsten Maßnahmen in der Medizin"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Erstes Urteil im Rechtsstreit zwischen AstraZeneca und der EU
  • Erstes Urteil im Rechtsstreit zwischen AstraZeneca und der EU