Samstag, 18. Mai 2024
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Pneumonie (Lungenentzündung)

von Dr. rer. nat. Marion Adam

Pneumonie (Lungenentzündung)
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In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 400.000 bis 600.000 Menschen an der häufigsten Form der Pneumonie, der ambulant erworbenen Lungenentzündung. Sowohl die Erkrankungsrate als auch die Sterblichkeit an einer Lungenentzündung hängen vom Alter und von Begleiterkrankungen ab (1, 2). Erkranken ältere Menschen an einer Pneumonie, werden sie statistisch häufiger im Krankenhaus als ambulant behandelt .
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Was ist eine Pneumonie?

Eine Lungentzündung oder Pneumonie ist eine Infektion des Lungengewebes, bei der sich die Lungenbläschen einer oder beider Lungenflügel entzünden. Die Lungenbläschen können sich mit Flüssigkeit oder Eiter füllen, was zu schleimigem oder eitrigem Husten, Fieber, Schüttelfrost und Atemnot führt. Eine Vielzahl von Organismen, darunter Bakterien, Viren und Pilze, können eine Pneumonie verursachen. Die Symptome einer Pneumonie können variieren. Je nach Verlauf unterscheidet man typische von atypischen Lungenentzündungen. Typische Lungenentzündungen werden sehr häufig durch Pneumokokken verursacht und verlaufen in der Regel akut, meist mit Fieber, Husten und Auswurf. Atypische Pneumonien (interstitielle Pneumonie) werden z.B. durch Mykoplasmen oder Chlamydien verursacht und verlaufen oft eher unauffällig mit milderen Symptomen.

Liegt eine Vorerkrankung vor, spricht man von einer sekundären Pneumonie. Beispielsweise sind Erwachsene mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwachem Immunsystem oder ältere Menschen ab 65 Jahren gefährdeter an einer durch das RS-Virus verursachten Pneumonie zu erkranken.

Der Schweregrad einer Pneumonie kann von mild bis lebensbedrohlich reichen. Am schwersten verläuft die Erkrankung bei Säuglingen und kleinen Kindern, bei älteren Menschen über 65 Jahren und bei Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.

Vorbeugemaßnahmen einer Pneumonie sind eine Influenza- oder Pneumokokken-Impfung.

Ursachen: Wie entsteht eine Pneumonie?

Viele Erreger können eine Lungenentzündung verursachen. Die häufigsten sind Bakterien und Viren in der Luft, die durch Einatmen eine Infektion der Lunge verursachen. Lungenentzündungen können nach der Art des Erregers, Ort des Erwerbs, Vorerkrankungen und Symptomen eingeteilt werden.

Ambulant erworbene Lungenentzündung

Die ambulant erworbene Pneumonie ist die häufigste Form der Lungenentzündung. Laut der S3-Leitlinie ist eine ambulant erworbene Pneumonie (Community Acquired Pneumonia, CAP) eine akute Lungenentzündung, die außerhalb des Krankenhauses bei nicht schwer immungeschwächten Patient:innen auftritt (1).

Die ambulant erworbene Pneumonie ist nach wie vor die häufigste Infektionskrankheit, die zu einer Krankenhauseinweisung führt. Diese Lungenerkrankung ist mit einer erheblichen Morbidität und Letalität verbunden.

Die typischen Symptome reichen von einer leichten Lungenentzündung mit Fieber und Husten bis hin zu einer schweren Lungenentzündung mit Sepsis, schwerer respiratorischer Insuffizienz, akutem Lungenversagen und akutem Atemnotsyndrom.

Erreger der erworbenen Pneumonie:

  •     Bakterien: Am häufigsten treten bakterielle Lungenentzündungen ausgelöst durch Streptococcus pneumoniae auf. Diese Art der Pneumonie kann von selbst oder nach einer Erkältung oder Grippe auftreten. Die Erkrankung kann einen Teil der Lunge befallen und wird als lobäre Pneumonie bezeichnet.
  •     Bakterienähnliche Organismen wie Mycoplasma pneumoniae: Diese atypischen Pneumonien zeigen meist leichtere Symptome.
  •     Pilze wie Pneumocystis jirovecii: Diese Art der Lungenentzündung tritt am häufigsten bei Menschen mit chronischen Gesundheitsproblemen oder einem geschwächten Immunsystem auf sowie bei Menschen, die große Dosen der Organismen eingeatmet haben.
  •     Viren, z.B. RS-Virus und Sars-CoV-2: Diese Erreger können eine Lungenentzündung auslösen. Sie sind die häufigste Ursache für eine Lungenentzündung bei Kindern unter 5 Jahren. Virale Lungenentzündungen verlaufen in der Regel mild. In einigen Fällen kann sie jedoch sehr ernst werden. So kann COVID-19 zu schweren Lungenentzündungen führen.

Nosokomiale Pneumonie: Im Krankenhaus erworbene Pneumonie

Manche Menschen bekommen eine Lungenentzündung während eines Krankenhausaufenthalts wegen einer anderen Erkrankung. Diese Pneumonie tritt nach mehr als 48 Stunden nach der Aufnahme in ein Krankenhaus auf. Eine im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung kann schwer verlaufen, weil die Bakterien, die sie verursachen, resistenter gegen Antibiotika sein können und weil die Patient:innen bereits vorerkrankt sind. Patient:innen unter künstlicher Beatmung haben ein höheres Risiko an dieser Art von Lungenentzündung zu erkranken.

Unter schwerer Immunsupression erworbene Pneumonie

Pneumonien bei immunsupprimierten Patient:innen (z.B. nach HIV-Infektion, durch angeborene Immundefekte oder hämatologische Erkrankungen) werden häufig durch andere Erreger verursacht, können aber auch durch die gleichen Erreger ausgelöst werden, die eine ambulant erworbene Pneumonie verursachen. Die Behandlung richtet sich nach der Immunschwäche und dem Erreger.

Im Gesundheitswesen erworbene Pneumonie

Eine im Gesundheitswesen erworbene Lungenentzündung ist eine bakterielle Infektion, die bei Personen auftritt, die in Langzeitpflegeeinrichtungen leben oder in ambulanten Kliniken, einschließlich Nierendialysezentren, behandelt werden. Wie die im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung kann auch die im Gesundheitswesen erworbene Lungenentzündung durch Bakterien verursacht werden, die gegen Antibiotika resistent sind.

Aspirationspneumonie

Eine Aspirationspneumonie entsteht durch das Einatmen von Nahrung, Getränken, Erbrochenem oder Speichel in die Lunge. Eine Aspiration ist wahrscheinlicher, wenn der normale Würgereflex gestört ist, z.B. bei Hirnverletzungen, Schluckstörungen oder übermäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum.

Welche Symptome treten bei einer Pneumonie auf?

Eine Lungenentzündung kann leichte bis schwere Symptome hervorrufen. Sie sind abhängig von der Art des Erregers, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patient:innen ab. Leichte Anzeichen und Symptome ähneln oft denen einer Erkältung, Bronchitis, Asthma oder Influenza, halten aber länger an.

Symptome einer Lungenentzündung, vorwiegend bei erwachsenen Patient:innen, können sein:

 
  • Schmerzen in der Brust beim Atmen oder Husten
  • Verwirrtheit oder veränderte geistige Wahrnehmung bei älteren Patient:innen
  • Husten, der Schleim produziert
  • Abgeschlagenheit
  • Fieber, Schweißausbrüche und Schüttelfrost
  • niedrigere Körpertemperatur als normal (bei älteren Patient:innen und Personen mit geschwächtem Immunsystem)
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Kurzatmigkeit
Neugeborene und Säuglinge zeigen möglicherweise keine typischen Symptome einer Infektion.

Wann sollten Patient:innen mit einer Pneumonie einen Arzt aufsuchen?

Bei Atembeschwerden, Schmerzen in der Brust, anhaltendem hohem Fieber oder anhaltendem Husten sollten Patient:innen einer Arzt aufsuchen, um eine geeignete Therapie zu erhalten.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine schwere Lungenentzündung?

Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Pneumonie haben:

 
  • ältere Menschen > 65 Jahre
  • kleine Kinder < 2 Jahren
  • Patient:innen mit einer Grunderkrankung oder einem geschwächten Immunsystem
  • Personen, die sich einer Chemotherapie unterziehen oder Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken
Für einige ältere Menschen und Patient:innen mit Herzinsuffizienz oder chronischen Lungenproblemen kann eine Pneumonie zu schwerwiegenden, lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Diagnose: Wie erkennt der Arzt eine Lungenentzündung?

Folgende Methoden können zur Diagnose einer Pneumonie herangezogen werden:

 
  • körperliche Untersuchung
  • bildgebende Verfahren:
    • Röntgen-Thorax: Röntgenaufnahme des Brustkorbs
    • thorakaler Ultraschall
  • Blutuntersuchungen
  • Pulsoxymetrie: Messen des Sauerstoffgehalts im Blut
Mit einem klinischen Index, dem CRB-65- bzw. CURB-65-Score, kann der Schweregrad einer ambulant erworbenen Pneumonie abgeschätzt werden. Der CURB-65-Score gibt die Wahrscheinlichkeit an, an der Pneumonie zu versterben.

Welche Behandlung bei Pneumonie?

Die Therapie einer Lungenentzündung zielt auf die Heilung der Infektion und Verhinderung von Komplikationen ab. Bei Patient:innen mit einer ambulant erworbenen Pneumonie ist meist eine Behandlung mit Medikamenten zu Hause möglich. Die spezifische Behandlung hängt von der Art und Schwere der Lungenentzündung, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patient:innen ab.

Zu den Therapie-Optionen der Pneumonie gehören:

 
  • Antibiotika: zur Behandlung einer bakteriellen Lungenentzündung eingesetzt
  • Hustenmittel
  • fiebersenkende/schmerzlindernde Mittel
Schwere Fälle von Pneumonie können eine stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus erfordern.
Literatur:

(1) Lungenentzündung. https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/lungenentzuendung/verbreitung. Zuletzt aufgerufen 23.03.2023.
(2) S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-020. Zuletzt aufgerufen 23.03.2023.

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