Freitag, 3. Februar 2023
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Sodbrennen

von Dr. rer. nat. Marion Adam

Sodbrennen
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Sodbrennen ist eine häufige Erkrankung, die weltweit bei einer beträchtlichen Anzahl von Erwachsenen auftritt. Viele Betroffene leiden von Zeit zu Zeit durch aufsteigende Säure aus dem Magen unter saurem Reflux. Steigt immer wieder Magensäure durch die Speiseröhre auf, kommt es zur gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD).
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Was ist Sodbrennen?

Sodbrennen ist eine gastroösophageale Refluxkrankheit. Die Beschwerden der Patient:innen äußern sich als brennende Schmerzen in der Brust, das durch Magensäure verursacht wird, die durch die Speiseröhre in den Rachen aufsteigt (saurer Reflux). Eine häufige Ursache für gelegentliches Sodbrennen sind üppige Mahlzeiten. Treten die Beschwerden allerdings immer wieder auf, spricht man von der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) oder chronischem Sodbrennen. Bei der Refluxkrankheit fließt die Magensäure immer wieder in die Speiseröhre. Dieser Rückfluss (saurer Reflux) kann die Auskleidung der Speiseröhre reizen.

Mit einer Behandlung, bestehend aus einer veränderten Lebensweise, bestimmten Medikamenten und Hausmitteln, können die meisten Betroffenen die Beschwerden der Refluxkrankheit selbst in den Griff bekommen. In seltenen Fällen kann auch eine Operation erforderlich sein, um eine Linderung der Symptome zu erreichen.

Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist eine der am weitesten verbreiteten Magen-Darm-Erkrankungen, von der 20% der Erwachsenen in den westlichen Gesellschaften betroffen sind. Da jedoch mehr Menschen Zugang zu rezeptfreien säurereduzierenden Medikamenten haben, könnte die tatsächliche Prävalenz dieser Krankheit höher sein. Männer leiden tendenziell etwas häufiger an Sodbrennen als Frauen. Im Vergleich zu Frauen haben Männer auch eine höhere Inzidenz von Barrett-Ösophagus mit langfristigen Symptomen der Refluxkrankheit. Höheres Alter, ein zu hoher Body-Mass-Index (BMI), Rauchen, Angstzustände, Stress oder Depressionen sowie unzureichende körperliche Aktivität am Arbeitsplatz sind Risikofaktoren für die Erkrankung. Auch die Essgewohnheiten, z. B. der Säuregehalt bestimmter Lebensmittel, die Größe der Portionen und der Zeitplan der Mahlzeiten, insbesondere in Hinblick auf den Schlaf, können Ursachen sein.
 
 
 

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Erschienen am 04.05.2022FGE zielgerichtet behandeln. Dies war einer der Schwerpunkte des DGIM 2022. Lesen Sie hier die Details!

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Welche Symtome treten bei saurem Reflux auf?

Typische Symptome von saurem Reflux sind:
 
  • Sodbrennen – ein brennender Schmerz in der Mitte der Brust
  • unangenehmer Geschmack im Mund, verursacht durch die Magensäure
  • saures Aufstoßen
  • brennende Schmerzen im Oberbauch oder in der Brust
  • Schwierigkeiten beim Schlucken (Dysphagie)
  • Gefühl eines Kloßes im Hals
Die Beschwerden treten bei Betroffenen oft nach dem Essen auf und werden im Liegen und beim Bücken schlimmer.

Außerdem können diese Symptome auftreten:
 
  • Husten oder Schluckauf, der immer wieder auftaucht
  • Heiserkeit
  • schlechter Atem
  • Blähungen und Übelkeit
Nächtlicher saurer Reflux verursacht folgende Symptome:
 
  • anhaltender Husten
  • Entzündungen der Stimmbänder (Laryngitis)
  • neues oder sich verschlimmerndes Asthma

Was sind die Ursachen von Sodbrennen und saurem Reflux?

Viele Menschen bekommen von Zeit zu Zeit Sodbrennen. Oft gibt es keinen offensichtlichen Auslöser dafür und verschiedene Ursachen können zugrunde liegen.

Mögliche Ursachen:
 
  • Speisen wie Tomaten, Alkohol, Schokolade und fettige oder scharfe Speisen
  • Getränke, wie Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Schwangerschaft
  • enge Kleidung
  • Stress und Angstzustände
  • Anstieg bestimmter Hormone, wie Progesteron und Östrogen
  • Medikamente, wie entzündungshemmende Schmerzmittel
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Ein Teil des Magens schiebt sich in den Brustkorb

Wie erfolgt die Diagnose der Refluxkrankheit?

Treten die Beschwerden auch noch nach der Behandlung durch Hausmittel wie z.B. Ernährungsumstellung und Verzicht auf Rauchen auf, sollte die Speisröhren endoskopisch untersucht werden. Während einer Endoskopie können Ärzt:innen auch Biopsien zur weiteren Untersuchung entnehmen.
Die Refluxkrankheit wird klinisch auf der Grundlage der von den Patient:innen angegebenen Symptome diagnostiziert, und der Goldstandard für die Diagnose ist die ambulante Refluxüberwachung über 12 oder 24 Stunden, das insbesondere bei Nichtansprechen auf eine Therapie oder bei atypischen Symptomen eingesetzt wird.
 
 
 

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Wie wird Sodbrennen behandelt?

Bei leichtem Sodbrennen sowie bei akutem Sodbrennen können Säureblocker, sogenannte Antazida oder H2-Rezeptorantagonisten (H2-Blocker), schnelle Hilfe bieten und die Beschwerden rasch lindern.

Treten bei Sodbrennen ernsthafte Komplikationen auf?

Im Laufe der Zeit kann eine chronische Entzündung der Speiseröhre zu Komplikationen führen:
 
  • Entzündung des Gewebes in der Speiseröhre (Ösophagitis). Die Magensäure kann das Gewebe in der Speiseröhre zersetzen, was zu Entzündungen, Blutungen und manchmal zu einer offenen Wunde (Geschwür) führt. Eine Ösophagitis kann Schmerzen verursachen und das Schlucken erschweren.
  • Verengung der Speiseröhre (Ösophagusstriktur). Die Schädigung der unteren Speiseröhre durch Magensäure führt zur Bildung von Narbengewebe. Das Narbengewebe verengt den Nahrungsweg, was zu Schluckbeschwerden führt.
  • Präkanzeröse Veränderungen der Speiseröhre (Barrett-Ösophagus). Säurebedingte Schäden können zu Veränderungen des Gewebes in der unteren Speiseröhre führen. Diese Veränderungen werden mit einem erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs in Verbindung gebracht.
  • erhöhtes Krebsrisiko: Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs

Wie kann man Sodbrennen und sauren Reflux selbst behandeln?

Einfache Änderungen der Lebensweise und Hausmittel können helfen, Sodbrennen zu stoppen oder zu reduzieren.

Das können betroffene Patient:innen zur Linderung tun:
 
  • häufigere, aber kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen
  • das Kopfende des Bettes um 10 bis 20 cm erhöhen, so dass Brustkorb und Kopf über dem Niveau der Taille liegen, was verhindern kann, dass die Magensäure durch die Speiseröhre aufsteigt
  • Übergewicht vermeiden
  • gesunde Ernährung
  • Entspannungsübungen
Das sollten Betroffene vermeiden:
 
  • keine Nahrungsmittel oder Getränke zu sich nehmen, die die Symptome auslösen
  • 3 oder 4 Stunden vor dem Schlafengehen die letzte Mahlzeit essen
  • kleine Portionen essen
  • keine enge Kleidung tragen, v.a. um die Taille herum
  • nicht rauchen
  • Alkoholkonsum reduzieren
  • verschriebene Medikamente nicht absetzen, ohne vorher mit einem Arzt zu sprechen
     
     

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Redaktion journalmed.de

Literatur:

(1) Chhabra P, Ingole N. Cureus. Gastroesophageal Reflux Disease (GERD): Highlighting Diagnosis, Treatment, and Lifestyle Changes. 2022 Aug 29;14:e28563. doi: 10.7759/cureus.28563

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