Freitag, 16. April 2021
Navigation öffnen
Patientenbereich
Warum weder Sport noch eine Diät helfen 06. November 2018

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder Wäsche aufhängen Beschwerden verursachen. Zudem können Scheuerwunden entstehen, wenn die Oberschenkel aneinander reiben. Zu den physischen Beschwerden kommen auch psychologische Belastungen hinzu. „Aufgrund ihres unproportionalen Aussehens – Körpermitte, Hände und Füße sind nicht von den Fettansammlungen betroffen – schämen sich viele Frauen. Darüber hinaus weiß ein Großteil gar nicht, dass sie unter einer Krankheit leiden, da oft keine entsprechende Diagnose erfolgt. Sie gelten als dick, dabei hilft bei einem Lipödem keine Diät“, berichtet Dr. Lijo Mannil, Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Klinik für Chirurgie V am St. Vinzenz-Hospital Köln.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Unklare Ursachen

Bei einem Lipödem vergrößern und vermehren sich die Zellen des Unterhautfettgewebes in Armen und Beinen – unabhängig davon, ob jemand sich gesund ernährt oder sich viel bewegt. Zusätzlich zur Zunahme der Fettzellen kommt es zu Flüssigkeitseinlagerungen: Die Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße, auch Kapillaren genannt, steigt, dadurch gelangt mehr Flüssigkeit in das Zwischenzellgewebe. Darüber hinaus verursachen die Fettzellen eine Verstopfung der Kapillargefäßöffnungen, sodass kein ausreichender Abtransport der Flüssigkeit erfolgt. Bisher herrscht noch Unklarheit über die Ursache für ein Lipödem, jedoch geht die Forschung von einer genetischen oder hormonellen Veranlagung aus. „Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, oft im Zusammenhang mit einer hormonellen Umstellung, beispielsweise der Pubertät oder einer Schwangerschaft“, erklärt Dr. Mannil. Je nach Ausprägung der Erkrankung differenzieren Mediziner drei verschiedene Stadien: Während im ersten Stadium die Struktur des Unterhautfettgewebes noch feinknotig ist und sich lediglich leichte Dellen abzeichnen, treten im Stadium drei überdimensionale Hautlappen beziehungsweise -wülste auf.

Kompression hilft gegen die Symptome

Ohne eine entsprechende Behandlung verschlimmert sich ein Lipödem sukzessive. Da es keine Heilung gibt, lassen sich bei einer richtigen und frühzeitigen Diagnose lediglich die Symptome bekämpfen. Betroffene sollten bei einem Verdacht frühzeitig einen Facharzt aufsuchen, um Folgeschäden wie Gelenkerkrankungen oder ein Lipo-Lymphödem, eine Kombination aus Lip- und Lymphödem, zu vermeiden. „Um ein Lipödem zu diagnostizieren, führe ich ein ausführliches Anamnesegespräch. Anschließend schaue ich mir die Schwellungen an und taste sie ab. Mithilfe eines Ultraschalls kann ich zudem das Unterhautfettgewebe sichtbar machen“, so Dr. Mannil. Steht die Diagnose fest, hilft Lymphdrainage dabei, die Schwellungen unter der Haut zu reduzieren. Patienten müssen zudem Flachstrick-Kompressionsstrümpfe tragen, um das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Mit einem Wasserstrahl gegen die Fettzellen

Als einzige Möglichkeit einer dauerhaften Reduktion des Fettgewebes hat sich die wasserstrahlassistierte Liposuktion, kurz WAL, als Goldstandard bewährt. Hierbei lösen die Plastischen Chirurgen das Fettgewebe mithilfe eines Wasserstrahls vom restlichen Gewebe und saugen dieses gleichzeitig ab. „Anders als bei anderen Methoden zur Fettabsaugung lassen wir bei der WAL die abzusaugenden Areale nicht anschwellen: Es wird weniger Tumeszenzflüssigkeit injiziert, so können wir die betroffenen Areale zielsicher behandeln und kontrollieren bereits während des Eingriffes die Ergebnisse, damit diese gleichmäßig ausfallen. Der Einsatz des Wasserstrahls schont zudem das Gewebe, das ist wichtig, da das Lymphsystem bereits vorgeschädigt ist“, erklärt Dr. Mannil und ergänzt abschließend: „Nach dem Eingriff müssen Patienten noch für mindestens sechs Wochen ein Kompressionsmieder tragen. Doch nach dem Abheilen der Schwellungen und Blutergüssen steigt die Lebensqualität der Operierten um ein Vielfaches.“

Weitere Informationen unter www.vinzenz-hospital.de

St. Vinzenz-Hospital Köln


Anzeige:
Eigenwerbung
 
Weitere Beiträge zum Thema
Krampfadern: Wann Beinvenen behandelt werden müssen
Krampfadern: Wann Beinvenen behandelt werden müssen
©Agnes Sadlowska / Fotolia.de

Viele Eingriffe an Krampfadern, die für den Winter 2020/2021 geplant waren, sind aufgrund der Coronapandemie verschoben worden und werden jetzt in den kühleren Frühlingsmonaten nachgeholt. Wer unter hervortretenden Venen am Bein leidet und sie entfernen lassen will, dem stellt sich die Frage: Stripping, Radiowelle oder Laser – welche Eingriffstechniken sind wann empfehlenswert? Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e. V. (DGG) klärt auf, wann Krampfadern behandelt werden sollten und warum Venenkleber in Zukunft...

Das Besondere ist der kleine Körper – „Das kritisch kranke Kind“ steht im Mittelpunkt des virtuellen Kongresses
Das Besondere ist der kleine Körper – „Das kritisch kranke Kind“ steht im Mittelpunkt des virtuellen Kongresses
©Photographee.eu - stock.adobe.com

Ein sicheres Berherrschen der Behandlungsabläufe und eine systematische Beurteilung von Notfallpatienten im Kindesalter sind die Voraussetzungen für eine gute und fachgerechte Versorgung von medizinischen Notfällen im Kindesalter. Um die neuesten Entwicklungen in diesem Fachgebiet der Medizin geht es bei den Rhein-Neckar-Pädiatrietagen 2021 unter dem Titel „Das kritisch kranke Kind“. 

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen...

Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
Betroffene teilen Erfahrungen und geben Depression eine Stimme – nutzergenerierte Website gestartet
© Artem Furman / fotolia.com

Eine interaktive und multimediale Aufklärungs-Webseite über Depression ist neu an den Start gegangen. Auf der Seite können Betroffene und Angehörige in eigenen Beiträgen über ihre Erfahrungen mit Depression berichten und der Erkrankung so eine Stimme geben. Die Betroffenen können für die Website schriftliche Erfahrungsberichte oder Audio- und Video-Dateien einreichen.

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?
Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?
© Syda Productions / Fotolia.com

Plötzlich auftretende Kreuzschmerzen sind oft belastend, schränken den Alltag ein und können beunruhigen: Möglicherweise steckt etwas Ernsthaftes dahinter? Häufig sind sie aber harmlos und bilden sich in kurzer Zeit wieder zurück. Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung genügen meist. Finden sich dabei keine Hinweise auf eine gefährliche Ursache, ist ein Röntgen, CT oder MRT vorerst nicht nötig.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Fast jeder kennt Kreuzschmerzen. Sie sind in den meisten Fällen harmlos und gehen nach kurzer Zeit von alleine wieder weg. Halten die Schmerzen jedoch länger an, fragen sich viele Betroffene, woher ihre Beschwerden kommen. Wichtig für Sie zu wissen ist: Auch alltägliche, seelische oder berufliche Probleme können Kreuzschmerzen hervorrufen und deren Verlauf beeinflussen. Deshalb soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie vor und während der Behandlung gezielt auf Belastungen im Privatleben und am Arbeitsplatz ansprechen.

Schuppenflechte in Gelenken: Neue Therapien bei Psoriasis-Arthritis

Schuppenflechte in Gelenken: Neue Therapien bei Psoriasis-Arthritis
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Mit Rheuma werden gemeinhin Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen bezeichnet, oft einhergehend mit einer Einschränkung der Funktionsfähigkeit. Etwa 200 bis 400 einzelne Erkrankungen werden mittlerweile unter Rheuma verzeichnet, die sich im Beschwerdebild, dem Verlauf und der Prognose sehr unterscheiden. Entgegen weit verbreiteter Meinung ist es keine Erkrankung nur älterer Menschen, betont Prof. Christoph Baerwald, 1. Sprecher des Rheumazentrums am Universitätsklinikum Leipzig anlässlich des...

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben

Die neuen Leitlinien zur Wiederbelebung 2021 – Sehr viel mehr Menschen könnten gut überleben
©psdesign1 / Fotolia.de

70.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen würde. Die neuen und in dieser Woche publizierten internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung unterstreichen: Auf die ersten Minuten kommt alles an! Daher müssen mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bevor der Rettungsdienst eintrifft. So fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC): 1. Mehr Schülerinnen und Schüler in Wiederbelebung schulen. 2....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich