Sonntag, 17. November 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

21. Oktober 2019 Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit

In Deutschland sind Rückenprobleme die Volkskrankheit Nummer 1. Laut dem DAK Gesundheitsreport leiden 75 % der Berufstätigen in Deutschland mindestens einmal im Jahr an Rückenbeschwerden – der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibung. Manchmal ist die Ursache schnell gefunden, beispielsweise wenn der Patient kürzlich einen Unfall hatte oder an einer Erkrankung der Wirbelsäule leidet, und die Beschwerden lassen sich dementsprechend behandeln. Viel häufiger jedoch steht nach umfangreicher medizinischer Abklärung keine körperlich bedingte Ursache fest. Dann gilt es das Augenmerk, statt auf mechanische Ursachen, mehr auf die Seele der Betroffenen zu richten. „In solchen Fällen lohnt sich oftmals ein Blick auf die Lebensumstände und -gewohnheiten der Patienten, denn Stress kann auch verantwortlich für die Beschwerden sein“, unterstreicht Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin.
Kopf(ur)sache

Übermäßiger Stress und emotionale Belastung nehmen Einfluss auf das Wohlbefinden eines Menschen, und das nicht nur psychisch. Körperlich kann sich dies in Muskelverspannungen äußern, die durch die Stresshormone hervorgerufen werden. Bei länger anhaltendem Stress führt dies schlussendlich zu einer Überbelastung der Muskulatur, von der unter anderem der Rücken betroffenen ist. Schmerzende Verspannungen und ermüdete Muskeln sind die Folge. Aus Angst, die Schmerzen zu verschlimmern, neigen Betroffene häufig dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Der Körper sinkt zusammen, die Schultern sind angezogen und der Kopf nach vorne geneigt, woraus letztlich eine dauerhafte Fehlhaltung resultiert, die den Rücken zusätzlich belastet. Hinzu kommt, dass die Schmerzen auf die Stimmung schlagen, was zu noch mehr Stress führt und wiederum erneute Rückenschmerzen bedeutet – ein Teufelskreis. Betroffene fühlen sich durch die andauernde Stresssituation, die täglichen Schmerzen und die ständige Überspannung der Muskeln so erschöpft, dass sie sich eher Erholungsphasen gönnen und sich weniger bewegen, als aktiv gegen den Schmerz anzugehen. „Das ist genau das, was man nicht tun sollte. Schonhaltungen belasten den Rücken zusätzlich und durch Bewegungsmangel nimmt die Verspannung noch mehr zu und kann letztlich zu chronischen Rückenschmerzen führen“, erklärt der Rückenexperte. Ein weiterer Grund für stressbedingte Rückenschmerzen ist der sogenannte Bruxismus, besser bekannt als Zähneknirschen. Dieser unbewusste, meist nachts auftretende Verarbeitungsmechanismus erreicht eine Kraft von bis zu 800 Newton – das übersteigt die alltägliche Kaukraft von ungefähr 20 Newton um ein Vielfaches. Langfristig schadet das Kauen, Knirschen und Klappern nicht nur den Zähnen, es führt auch zu Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule und somit zu Rückenbeschwerden.

Den Schmerzkreislauf durchbrechen

Erst einmal gilt es die Ursache der Schmerzen festzustellen und in diesem Fall dem Stress entgegenzuwirken. Dies gelingt beispielsweise mit Entspannungsübungen wie Yoga. Spezielle Atemtechniken helfen zusätzlich. Außerdem empfiehlt es sich, die Rückenmuskulatur zu lockern und gleichzeitig zu stärken. „Walken, Radfahren oder Schwimmen eignen sich hierfür besonders gut, da dies die Muskeln mobilisiert und die Gelenke dabei schont. Ein schöner Spaziergang an der frischen Luft tut zudem nicht nur den Muskeln, sondern auch der Seele gut. Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur wie der Seitstütz oder das Beckenheben lassen sich problemlos zu Hause durchführen, da sie keine Hilfsmittel benötigen, sondern allein mit dem Eigengewicht funktionieren. Eine gut trainierte Rückenmuskulatur beugt außerdem zukünftigen Verspannungen vor, da Haltung und Bewegungsablauf sich verbessern“, erklärt Dr. Sabarini.

Avicenna Klinik Berlin


Weitere Beiträge zum Thema

Ersetzt Desinfektionsspray das Händewaschen?

Ersetzt Desinfektionsspray das Händewaschen?
© Rido - stock.adobe.com

Regelmäßiges Händewaschen, gerade in der Grippe- und Erkältungszeit ist enorm wichtig und eigentlich selbstverständlich. Doch laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse von 2019 verzichten nach wie vor jeder 3. Mann und jede 4. Frau nach dem Nach-Hause-Kommen auf den Gang zum Waschbecken. Rund ein Drittel der rund 1.000 Befragten wäscht sich darüber hinaus nicht vor jeder Mahlzeit die Hände. Stattdessen greifen offenbar immer mehr Menschen zu Desinfektionsmitteln. Der aktuellen Umfrage zufolge trägt mittlerweile...

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Das könnte Sie auch interessieren

Patiententag auf dem DKOU: Was Arthrose-Patienten wissen sollten

Patiententag auf dem DKOU: Was Arthrose-Patienten wissen sollten
© wavebreak3 - stock.adobe.com

Arthrose ist die häufigste Erkrankung der Gelenke. Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Im 6. Lebensjahrzehnt weist nahezu jeder Fünfte im Röntgenbild eine Knie- oder Hüftgelenksarthrose auf. Doch nur 20 bis 30 % dieser Patienten haben zu diesem Zeitpunkt bereits Beschwerden. Die kürzlich aktualisierte Leitlinie Hüftarthrose zeigt auf, wann und wie Patienten mit und ohne Symptome behandelt werden sollten und was sie selbst zu einer gelungenen Therapie beitragen können. Auf dem Patiententag des Deutschen Kongresses für Orthopädie und...

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden
© DREIDREIEINS Foto / Fotolia.com

Der Verlust eines geliebten Menschen – ganz gleich ob unvermittelt oder nach einem schweren Leidensweg – reißt Hinterbliebenen den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten wird der Schmerz zur unerträglichen Belastung, die Trauer nimmt überhand und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Leere stellt sich ein, während der Alltag unerträglich wird. Das Online Selbsthilfe Portal Selfapy nimmt sich der Hilflosigkeit Betroffener an und zeigt Wege aus dem Kummer auf. Individuelle Kursangebote und das Erlernen spezieller Bewältigungsmechanismen helfen...

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense

Wissen ist das beste Beruhigungsmittel – Das Blog zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense
© Newsenselab GmbH

Nur wer die wesentlichen Vorgänge von Migräne- und Kopfschmerz-Attacken in seinem Körper versteht, erlangt genug Orientierung und Kompetenz im Umgang mit seiner Krankheit. Darum haben wir von der Migräne und Kopfschmerz-App M-sense ein Blog gestartet, in dem wir unsere Expertise teilen und diskutieren: von aktuellen Studien bis zur weiterführenden Link-Sammlung, von Erfahrungen, Rückschlägen und Hilfe. Doch vor allem möchten wir hier Wissen, Kompetenz und Verständnis vermitteln. Die M-sense-Nutzer sollen ebenfalls zu Wort kommen,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.