Freitag, 28. Februar 2020
Navigation öffnen

Patientenbereich

21. Oktober 2019 Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit

In Deutschland sind Rückenprobleme die Volkskrankheit Nummer 1. Laut dem DAK Gesundheitsreport leiden 75 % der Berufstätigen in Deutschland mindestens einmal im Jahr an Rückenbeschwerden – der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibung. Manchmal ist die Ursache schnell gefunden, beispielsweise wenn der Patient kürzlich einen Unfall hatte oder an einer Erkrankung der Wirbelsäule leidet, und die Beschwerden lassen sich dementsprechend behandeln. Viel häufiger jedoch steht nach umfangreicher medizinischer Abklärung keine körperlich bedingte Ursache fest. Dann gilt es das Augenmerk, statt auf mechanische Ursachen, mehr auf die Seele der Betroffenen zu richten. „In solchen Fällen lohnt sich oftmals ein Blick auf die Lebensumstände und -gewohnheiten der Patienten, denn Stress kann auch verantwortlich für die Beschwerden sein“, unterstreicht Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin.
Kopf(ur)sache

Übermäßiger Stress und emotionale Belastung nehmen Einfluss auf das Wohlbefinden eines Menschen, und das nicht nur psychisch. Körperlich kann sich dies in Muskelverspannungen äußern, die durch die Stresshormone hervorgerufen werden. Bei länger anhaltendem Stress führt dies schlussendlich zu einer Überbelastung der Muskulatur, von der unter anderem der Rücken betroffenen ist. Schmerzende Verspannungen und ermüdete Muskeln sind die Folge. Aus Angst, die Schmerzen zu verschlimmern, neigen Betroffene häufig dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Der Körper sinkt zusammen, die Schultern sind angezogen und der Kopf nach vorne geneigt, woraus letztlich eine dauerhafte Fehlhaltung resultiert, die den Rücken zusätzlich belastet. Hinzu kommt, dass die Schmerzen auf die Stimmung schlagen, was zu noch mehr Stress führt und wiederum erneute Rückenschmerzen bedeutet – ein Teufelskreis. Betroffene fühlen sich durch die andauernde Stresssituation, die täglichen Schmerzen und die ständige Überspannung der Muskeln so erschöpft, dass sie sich eher Erholungsphasen gönnen und sich weniger bewegen, als aktiv gegen den Schmerz anzugehen. „Das ist genau das, was man nicht tun sollte. Schonhaltungen belasten den Rücken zusätzlich und durch Bewegungsmangel nimmt die Verspannung noch mehr zu und kann letztlich zu chronischen Rückenschmerzen führen“, erklärt der Rückenexperte. Ein weiterer Grund für stressbedingte Rückenschmerzen ist der sogenannte Bruxismus, besser bekannt als Zähneknirschen. Dieser unbewusste, meist nachts auftretende Verarbeitungsmechanismus erreicht eine Kraft von bis zu 800 Newton – das übersteigt die alltägliche Kaukraft von ungefähr 20 Newton um ein Vielfaches. Langfristig schadet das Kauen, Knirschen und Klappern nicht nur den Zähnen, es führt auch zu Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule und somit zu Rückenbeschwerden.

Den Schmerzkreislauf durchbrechen

Erst einmal gilt es die Ursache der Schmerzen festzustellen und in diesem Fall dem Stress entgegenzuwirken. Dies gelingt beispielsweise mit Entspannungsübungen wie Yoga. Spezielle Atemtechniken helfen zusätzlich. Außerdem empfiehlt es sich, die Rückenmuskulatur zu lockern und gleichzeitig zu stärken. „Walken, Radfahren oder Schwimmen eignen sich hierfür besonders gut, da dies die Muskeln mobilisiert und die Gelenke dabei schont. Ein schöner Spaziergang an der frischen Luft tut zudem nicht nur den Muskeln, sondern auch der Seele gut. Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur wie der Seitstütz oder das Beckenheben lassen sich problemlos zu Hause durchführen, da sie keine Hilfsmittel benötigen, sondern allein mit dem Eigengewicht funktionieren. Eine gut trainierte Rückenmuskulatur beugt außerdem zukünftigen Verspannungen vor, da Haltung und Bewegungsablauf sich verbessern“, erklärt Dr. Sabarini.

Avicenna Klinik Berlin


Weitere Beiträge zum Thema

Ersetzt Desinfektionsspray das Händewaschen?

Ersetzt Desinfektionsspray das Händewaschen?
© Rido - stock.adobe.com

Regelmäßiges Händewaschen, gerade in der Grippe- und Erkältungszeit ist enorm wichtig und eigentlich selbstverständlich. Doch laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse von 2019 verzichten nach wie vor jeder 3. Mann und jede 4. Frau nach dem Nach-Hause-Kommen auf den Gang zum Waschbecken. Rund ein Drittel der rund 1.000 Befragten wäscht sich darüber hinaus nicht vor jeder Mahlzeit die Hände. Stattdessen greifen offenbar immer mehr Menschen zu Desinfektionsmitteln. Der aktuellen Umfrage zufolge trägt mittlerweile...

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Das könnte Sie auch interessieren

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten

Antibiotika: Resistenzen vorbeugen – jeder Zweite unterschätzt seine Möglichkeiten
© anoli - stock.adobe.com

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (55 %) glaubt irrtümlicherweise, dass sie Antibiotikaresistenzen selbst nicht verhindern können. Und das, obwohl fast 9 von 10 Bundesbürgern (86 %) schon mal ein Antibiotikum verwendet und nahezu die gleiche Anzahl an Befragten (87 %) bereits von Resistenzbildungen gehört haben. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) vom Mai/Juni 2019. „Daran sehen wir, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über...

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen

Pflege: „24-Stunden-Betreuung“ nicht wörtlich verstehen
© Halfpoint - stock.adobe.com

Auch wenn es so klingt: Bei Angeboten einer „24-Stunden-Betreuung“ zu Hause kann die Pflegekraft nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es gilt das Arbeitszeitgesetz, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin. Somit sei ein Arbeitstag in der Regel nach maximal 10 Stunden zuzüglich Pause vorbei, auch wenn die Pflegekraft mit im Haus wohnt. Wer tatsächlich auf 24 Stunden Betreuung Wert legt, muss für die Ruhe- und Pausenzeiten der Pflegekraft genügend Ersatz einplanen.

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko
© BillionPhotos.com / fotolia.com

Gute Nachrichten für alle, die das ganze Jahr über in die Sauna gehen: Wer mehrmals wöchentlich sauniert, kann das Schlaganfallrisiko um bis zu 61 Prozent senken. Zu diesem Ergebnis kommen ForscherInnen der Medizin Uni Innsbruck und der Universität Ostfinnland in einer gemeinsamen Studie, die das Sauna-Verhalten von über 1.600 Männern und Frauen unter die Lupe genommen hat. Das renommierte Fachjournal Neurology berichtet.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Wenn Stress den Rücken krank macht: Rückenschmerzen – eine Volkskrankheit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.