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04. Februar 2021 Mediziner als Meinungsbilder: Den Fakten verpflichtet – gerade in Coronazeiten

Ärztinnen und Ärzte tragen eine besondere Verantwortung – vor allem aktuell während der Coronapandemie: Sie müssen Verschwörungsmythen um das Coronavirus und die COVID-19-Impfung mit evidenzbasierten Fakten begegnen. Im Patientengespräch in der Praxis, erst recht aber bei öffentlichen Äußerungen kommt den Worten von Medizinern auch eine politische Dimension zu. Welche Verpflichtung ihnen daraus erwächst, diskutieren Experten auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM). Die Pressekonferenz findet am Donnerstag, den 4. Februar 2021, online statt. Außerdem sprechen die Experten über mögliche Gründe, warum Teile der Bevölkerung die Gefahren und Folgen einer COVID-19-Erkrankung nicht erkennen können oder wollen.
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Verschwörungstherorien – eine bekannte Nebenerscheinung von Katastrophen
 
5G-Strahlen als Ursache für COVID-19, Mikrochips im Corona-Impfstoff oder SARS-CoV-2 als Biowaffe aus einem Labor: Verschwörungstheorien sind von alters her eine Begleiterscheinung von Katastrophen und Seuchen und erleben auch in der aktuellen Coronapandemie einen regelrechten Boom. Weit verbreitet ist auch der Mythos, eine COVID-19-Erkrankung sei nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Grippe. „Inzwischen ist klar, dass COVID-19 eindeutig die gefährlichere Erkrankung ist, was die Übertragbarkeit, die Krankheitslast und die Sterblichkeit angeht“, erklärt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. Mediziner sehen in ihrem täglichen Kontakt mit Kranken und Sterbenden, wie gefährlich COVID-19 gerade für Ältere, aber auch jüngere, chronisch kranke Risikopersonen sein kann.

Unterschiedliche Blickwinkel auf die Pandemie bedenken

Während Mediziner das durch COVID-19 verursachte Leid und die bis an die Grenzen gehende Belastung der in der Krankenversorgung tätigen Ärzte und Pflegekräfte vor Augen haben, bleibt die Pandemie für einen großen Teil der Bevölkerung abstrakt. Denn anders als bei früheren Seuchen wie den Pocken oder der Kinderlähmung werden viele Menschen nicht direkt mit den gesundheitlichen Schäden von COVID-19 konfrontiert. „Man kennt hauptsächlich Betroffene, die gar keine oder nur leichte Symptome haben. Schwere Verläufe oder Todesfälle betreffen meist ältere Patienten“, so Ertl. „Das wird dann oft als schicksalhaft hingenommen oder gar genutzt, um die Gefährlichkeit der Erkrankung zu relativieren“, sagt der Internist.

Gerade jetzt: Ärzte müssen verantwortungsvoll kommunizieren

Wohl niemals zuvor haben Experten aus Wissenschaft und Medizin bei Politikern so viel Gehör gefunden wie derzeit und so politische Entscheidungen und das öffentliche Leben mitbestimmt. Lautstarke, in der Öffentlichkeit vorgebrachte Äußerungen, die etwa die Genauigkeit der Coronatests oder Maßnahmen des Infektionsschutzes infrage stellen, sieht der DGIM-Generalsekretär in der aktuellen Lage als kontraproduktiv (1). „In der Pandemiesituation kommt dem Wort von Medizinern ein besonderes, auch politisches Gewicht zu“, sagt Ertl. Ärzte seien in dieser Lage verpflichtet, sich seriös mit unsachlichen Argumentationen auseinanderzusetzen und gegen Falschbehauptungen Stellung zu beziehen, betont der Würzburger Experte.

Herdenimmunität nützt der gesamten Gesellschaft

Einiger Aufklärungsarbeit bedürfe es auch im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung mit dem Ziel, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. „Solange der Impfstoff knapp ist, geht es vor allem um den Schutz der Älteren und der chronisch kranken Risikopatienten“, sagt Ertl. Langfristig bestehe die Hoffnung, dass die Impfung auch gegen die Übertragung des Virus schütze und so eine „Herdenimmunität“ unterstütze, das heißt, die Gesellschaft insgesamt gegen das Virus schütze. „Damit würden Voraussetzungen geschaffen, das gesellschaftliche Leben wieder zu normalisieren und weitere wirtschaftliche Schäden durch Lockdowns abzuwenden“, so Ertl abschließend.
 

DGIM

Literatur:

(1) Aufruf der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM), der internistischen Schwerpunktgesellschaften und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) zur verantwortungsbewussten Kommunikation von Ärzten und Wissenschaftlern in der Corona-Pandemie, Wiesbaden, Berlin, Dezember 2020.


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