Freitag, 14. Juni 2024
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Gesundheitspolitik

Ex-RKI-Chef: Rückstand bei Digitalisierung im Gesundheitswesen

Ex-RKI-Chef: Rückstand bei Digitalisierung im Gesundheitswesen
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Er war lange Zeit einer der wichtigsten Corona-Erklärer. Jetzt forscht Lothar Wieler am Hasso-Plattner-Institut und will die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen. Hier gibt es nach seiner Einschätzung viel aufzuholen. Deutschland liegt aus Sicht des Wissenschaftlers und früheren Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen weit zurück. Er erwartet, dass die Künstliche Intelligenz (KI) künftig auch bei Therapie-Entscheidungen eine größere Rolle spielen kann, wie Wieler der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Wieler soll Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitswesen voranbringen

Nach 8 Jahren an der RKI-Spitze wechselte Wieler im April an das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, ein privat finanziertes IT-Forschungsinstitut. Der 62-Jährige ist dort Sprecher des sogenannten Digital Health Clusters. Sein Ziel ist es, die Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitswesen voranzubringen und damit die Gesundheit der Bevölkerung und die Prävention zu fördern. Dabei spielen datengesteuerte Anwendungen eine Rolle. Wieler war einer der wichtigsten Corona-Erklärer und informierte die Öffentlichkeit regelmäßig über die Entwicklung der Pandemie.

Zur Digitalisierung im Gesundheitswesen sagte Wieler nun: „Wir stehen ganz weit hinten, dafür, dass wir ein Land sind, das sehr wohlhabend ist und sehr viel intellektuelle als auch finanzielle und technische Ressourcen hat. Ich meine, es gibt noch nicht mal eine elektronische Patientenakte für einen großen Teil der Bevölkerung.“ Bislang fehlten Ärzten wichtige Daten, mit deren Hilfe sie Patienten mit komplexeren Krankheitsvorgeschichten besser behandeln könnten.

Die Digitalisierung koste Kraft. „Aber es wird kein Weg daran vorbeigehen“, sagte Wieler. „Ich kann nur den jeweiligen Bundesgesundheitsministern den Daumen drücken, dass sie das möglichst erfolgreich umgesetzt bekommen.“ Deutschland sei im Bereich digitale Gesundheit nicht innovationsfreundlich. „Das Gesundheitswesen ist extrem reguliert, und in einer hochregulierten Umgebung ist es halt schwer, eine Änderung zu schaffen.“
 
 

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Keine absolute Sicherheit vor Datenmissbrauch

Eine hundertprozentige Sicherheit vor einem Missbrauch von Daten werde es nicht geben. „Wir forschen jedoch an Tools für bestmöglichen Datenschutz“, sagte Wieler. „Jeder hat Sorge und möchte, dass er die Informationen nur dem gibt, der sie braucht.“ Dazu müsse es eine ehrliche und offene Diskussion geben - auch darüber, dass die vielen Gruppen – wie Patientenvertreter, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Gesetzgeber – bestimmte Interessen haben. „Und die passen nicht immer hundertprozentig zusammen.“

Der Einsatz von KI wird aus Sicht Wielers auch in Kliniken eine immer größere Rolle spielen. „Es wird ganz sicher so sein, dass die Menschen, die etwas entscheiden oder die sich informieren, plötzlich deutlich mehr und schneller bestimmte Informationen erhalten werden, als das vorher der Fall war.“ Ein Klinikarzt, der zum Beispiel über eine Antibiotika-Therapie entscheiden müsse, könne dann datenbasiert gezielter auf ein bestimmtes Antibiotikum setzen. „Also über Digitalisierung ginge das ja alles deutlich einfacher, als es zurzeit der Fall ist.“
 
 

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„KI wird eine große Veränderung in der Gesellschaft bringen, ganz sicher. Und da ist es gut, wenn man sich der Gefahren bewusst ist und die Dinge so entwickelt, dass sie eben möglichst viel Nutzen bringen“, sagte der Wissenschaftler. „Also für mich ist es Fluch und Segen, und wir müssen eben alles dafür tun, dass der Segen den Fluch überwiegt.“

Am Hasso-Plattner-Institut will sich Wieler bei einem Projekt mit der Überwachung von Erbgut-Sequenzen von antibiotikaresistenten Bakterien und einem besseren Zugriff auf Daten befassen. Während der Pandemie spielte die Überwachung von Veränderungen im Erbgut von Virusmutanten eine wichtige Rolle.

Quelle: dpa


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